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August-Preisrätsel (2014)

August, hoher Sommer. Herzlich willkommen und Grüß Gott bei uns auf der Jungviehweide!

Frühstückspause mit Kaffee und Sonne: unsere Lehrlinge Sabrina, Tobi und Fabia, Studentin Lilly als Gast und Schülerpraktikant Jacki sind in den improvisierten Gärten. Natürlich auch dabei: IPad und Phone. Gärtnermeister Sebastian kommt später dazu. Wir lauschen…

„Sag mal Fabia, was ist das denn? Kinderwunsch? … oh, hab ich was verraten?“
„Achje, seit ich für dieses Referat recheriert habe, kommt immer diese Werbung.“
„Tja, diese Cookies!“
„Zeig mal. Was war das denn für ein Referat, is ja grell!“
„Über eine superschöne Kübelpflanze eigentlich, hat gefingerte Blätter, ganz ähnlich wie Hanf. Hier ist ein Foto. Aber dann die Wirkungen und diese Namenserklärungen, die antiken Geschichten…“

„Erzähl doch mal, bitte!“
„Naja, ein Halbstrauch von Flußufern im Mittelmeergebiet, er friert bei uns im Winter meist zurück, treibt aber zuverlässig wieder aus. Blüht violettblau, sehr dekorativ. Wißt ihr’ s schon?“
„Also bei uns ist sie eine gute Kübelpflanze?“
„Ja. War in der Antike schon als Gewürz und als Heilpflanze bekannt. Man verwendet die rötlichschwarzen Scheinbeeren, und die schmecken recht scharf.“
„Hm.“
„Jetzt die Wirkungen, Achtung! Die Ärzte und Pharmakologen des Altertums beschrieben die Pflanze als Anaphrodisiakum – also eben genau das Gegenteil von Aphrodisiakum.“
„Aphrodi-was?“
„Von Aphrodite, der Liebesgöttin. Pflanzen, die liebesanregend wirken.“
„Das ist ja spannend. Aber wozu braucht man denn das Gegenteil?“
„Na, wenn jemand sowieso schon die ganze Zeit so wild ist vielleicht.“

„Sie haben das in den mittelalterlichen Texten so schön beschrieben: man solle sich auf das Kraut betten, um die Keuschheit zu wahren. Oder die Einnahme der Beeren als Gewürz oder Trank vermindere die Libido, erleichtere die Abkehr von der weltlichen Liebe und so.“
„Also kurz, eine echte Gefühlsbremse.“
„Ein Antiviagra. Sag mir jetzt, wie die Pflanze heißt, damit ich das nur nie aus Versehen…“

„Die Wirkstoffe senken genau gesagt den Testosteronspiegel. Deswegen der Anbau in den Klostergärten, für die Mönche. Viel Konkreteres habe ich aber nicht gefunden, es stand auch Widersprüchliches in den Texten. Sie steht nicht auf der Pflanzenliste des de capitulare villis und fehlt als Pflanzenbeschreibung in anderen bekannten Texten von Heilkundigen Mönchen und Ärzten. Das hat mich etwas irritiert.“
„Kann man sie denn als Gewürz benutzen?“
„Ja, aber ist doch echt uncool!“

„Noch die Geschichte mit Prometheus?“
„Ach lass mal. Vielleicht noch was zum Namen!“
„Lygos, der griechische Name der Pflanze, bedeutet das gleiche wie der botanische Name der Gattung, nämlich biegsamer Zweig. Das weist auf die Eignung in Weinbau zum Festbinden der Reben oder in der Viehzucht als Flechtwerk für Weidezäune hin. Der Artname greift die Bedeutung von vorhin auf, die Sache mit der Keuschheit.“
„Ich glaub ich kenne die Pflanze nicht.“

„Jetzt nochmal zu der Werbung mit dem Kinderwunsch, … das verwirrt mich immer noch.“
„Ja, das ist erstaunlich: bei Frauen wirkt dasselbe Kraut hormonregulierend, es harmonisiert die Bildung der Gelbkörperhormone undsoweiter und das unterstützt wohl die Fruchtbarkeit.“

„Ja, es ist wirklich für alles ist ein Kraut gewachsen. Sogar für Sachen, auf die ich nie käme“

„Fabia, hast Du Dir das Thema eigentlich selber ausgesucht?“
„Ne, wir sollten ein Pflanzenportrait erstellen und keiner wollte diese Pflanze nehmen. Ich fand den Namen spannend und dann…“

Früher zählte man sie zu den Verbenaceen, heute zu den Lamiaceen: wie heißt die dekorative, vielseitige und in ihrer Wirkung vielschichtige Heilpflanze von der wir auch die äußerst seltene, weiß blühende Form im Sortiment führen?

Die Rätselfrage lautet:

Wie heißt das gesuchte Anaphrodisiakum?

Die Lösungsantwort: