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August-Preisrätsel (2012)

Genau, Hitze und Fülle, es ist August. Und dennoch oder gerade deswegen gärtnern wir, gärtnern Sie gerne, denn “die Liebe zum Gärtnern ist eine Saat, die – einmal gesät- niemals stirbt”, so Gertrude Jekyll. Grüß Gott bei uns.

Verschiedene Gespräche, die parallel an unterschiedlichen Orten stattfinden, und Gedanken führen – hoffentlich – zur Lösung. Ist das Kunst? Nun, es ist ein Rätsel. Beteiligt sind unsere Lehrlinge beim Pausengespräch, Gärtnermeister Sebastian, eine Gartenjournalistin im Café Sonnenschein, das Lexikon, das Zeit-Feuilleton.

“Hier, diese Werbung, was sind denn ‘Seedballs’, schon mal gehört? Die verkaufen Lehmbällchen mit Samen drin – versteh ich nicht.”
“Zeig mal, ach so. Ja, neulich auf einer Feier in Berlin haben sie dort solche Lehmkugeln als Geschenke mitgebracht, alle fanden’s cool. Sie legen das in den Großstädten auf Verkehrsinseln aus oder in hässliche Ecken und so. Es ist ja nicht überall Erde und da haben sie das erfunden. Ich find’s kultig.”

“Das neue Wort dafür ist: ‘guerilla gardening’. Anfangs war das Säen heimlich und ein Mittel politischen Protests und zivilen Ungehorsams im öffentlichen Raum. Hat sich aber weiterentwickelt zu einer Bewegung, wo es um Nutzpflanzenanbau und Verschönerung in der Stadt geht.”

“Hey schau mal, im Netz steht, dass das eigentlich ein Japaner erfunden hat, mit solchen ‘seedballs’ kultivierte er trockene Landstriche, in denen es nur selten regnet – klar, der Lehm saugt sich dann ja voll und die Samen können keimen.”
“Na, da hat das Lernen für die Prüfung ja glatt was gebracht”.
“Also, was Lehm ist, wusste ich schon als kleiner Knirps.”

Und was weiß das Feuilleton der ZEIT dazu (24.Mai 2012, Seite 44)? Je weiter das Leben hineingleitet ins Reich des Digitalen, je weiter sich Pods und Pads verbreiten und alles betatscht und nicht mehr begriffen wird… desto mehr suchen die Menschen Bodenhaftung… Und nicht zufällig sind es vor allem Vertreter der Generation Facebook, die mit Samenbomben … losziehen und als selbst ernannte Guerilla-Gärtner die urbanen Wüsten neu begrünen.

“Nun, der Gedanke ist ja nicht neu. Eine englische Gärtnerin, Zeitgenössin übrigens von Gertrude Jekyll, hat das schon vor über hundert Jahren gemacht, allerdings aus etwas anderen Gründen. Darf mal etwas ausholen?”
“Gerne, ich bin gespannt!”
“Ich schreibe gerade einen Artikel über diese upper-class-lady, sehr interessante Person. Sie hatte auf ihrem riesigen Grundstück über hundert Gärtner beschäftigt und widmete sich ganz der Gartenkultur, sie finanzierte auch sogenannte plant-hunting-excursions nach China und Middle East, you understand? Dazu war sie in der ‘royal horticultural society’ einflussreich und Mitglied in mehreren Komitees. Eine exzentrische Person, anspruchsvoll und unwirsch, wenn ein Gärtner ein Unkraut übersehen hatte. Sie war auch unerbittlich in Fragen des Geschmacks, es galt nur ihr eigener. Naja, können Sie sich das sicher vorstellen?”
“Ja, da kenne ich auch jemand.”
“Und interessant: genau dieser Charakter mit der kontrollierenden Ader nach viktorianischer Philosophie verstreut selber Samen einer Edeldistel in fremden Gärten. Heimlich.”
“Aha, warum denn das.”
“Um in den – natürlich – schlecht gestalteten Gärten der Anderen für Blickpunkte und ordnende Elemente zu sorgen. Wenn sie schon lange weg war – ihr Geist blieb und wuchs.”
“Allerhand.”
“Sie hat auch ihre Narzissenfelder mit kleinen Sprengsätzen vor Zwiebeldieben geschützt und solche Sachen.”
“Das ist fast ein Krimi!”

Ihr früherer Garten wird heute durch den Essex Wildlife Trust erhalten, als Naturreservat. Er liegt nur etwa 30km von London City entfernt, nahe der M25

“Die Pflanze ist in England heute weit verbreitet und auch der Name dieser Lady geistert als Synonym bis heute durch Pflanzenkataloge. Ich bin übrigens hier, um diese Pflanze einmal selber zu sehen.”

Die Rätselpflanze ist keine Staude, sie ist zweijährig, samt sich aber sicher aus ohne lästig zu werden und hat 1993 den RHS ‘Award of garden Merit’ erhalten. Die kegelförmigen Blütenköpfe sind von einem dekorativ geaderten, stachligen Kragen umhüllt, alles in erlesenem Silberweiß. Wie heißt die großartige Strukturpflanze, von der besagte Miss, so heißt es jedenfalls, immer eine Handvoll Samen in der Tasche hatte?

Die Rätselfrage lautet:

Wie heißt die nach einer englischen Gärtnerin benannte Edeldistel?

Die Lösungsantwort: