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April-Preisrätsel (2006)

Im Winter hat sie eine lange Pause eingelegt und ist nach Indien gereist, um alte Heilkünste zu studieren. Doch niemand hat sie vergessen. Überwältigend war die Resonanz auf ihr erstes Rätsel im Jahr 2006. Das hat sie beflügelt, und einmal mehr berichtet sie über ihr geliebtes Pfaffenbrunn und stellt unsere Leser vor ein Rätsel. Hier ist sie, die unvergleichliche

Kräuterfrau Creszenzia Niedernhuber

Grüß Gott, liebe Leser!

Lügen kann und darf ich nicht. Deshalb gebe ich zu, dass mir mein bevorstehender Geburtstag viel zu denken gibt. 105 wird man schließlich nicht alle Tage. Außerdem wird in Pfaffenbrunn schon heftig darüber gemunkelt: Wichtige Persönlichkeiten kämen zu meinem Geburtstag, auch das Fernsehen, sagen die Leute. Ich würde Ihnen ja gern davon erzählen, aber leider muss ich mein Rätsel schon vor meinem Geburtstag am 1. April fix und fertig haben. Deshalb will ich mich sputen. Aber mein Geburtstag geht mir trotzdem immer im Kopf herum…

Die Rätselpflanze, um die es diesmal geht, ist sehr vielseitig. Eine Menge davon habe ich zur Behandlung der verrückten Familie Trübswetter benötigt, zum Beispiel als Hustentee, wenn die Trübswetter Babsi wieder einmal schlecht bekleidet umherstolziert war. Auch kann ich mich gut erinnern, ihrem Sohn Kies-Richard damit geholfen zu haben, als er noch ein Kleinkind war und beim Zahnen so schrecklich greinte. Der bekam ein Stückchen davon in den Mund, kaute emsig darauf herum und Ruhe war. "Das hätte sie auch bei mir kaufen können", klagte später der Apotheker Vilsmeier Hannes. Zu spät, sagte ich. Und zu teurer.

Irgendwann hat sich die Trübswetter Babsi sogar ein Amulett aus der Wurzel der Rätselpflanze geschnitzt und um den Hals getragen. Zum Schutz vor bösen Geistern, sagt sie. Hochwürden Bierbichler, Gott hab ihn selig, war außer sich und riet dringend zu einer Marienplakette, weil die viel besser vor bösen Geistern schützt. Sagte er.

Auch unseren Bürgermeister Singerl Fredi kennen Sie ja schon. Derjenige, der so gern Knoblauch isst, aber oft nicht darf. Als ich feststellte, dass er trotz Umstellung auf Bärlauch immer noch aus dem Mund roch, habe ich ihm die Rätselpflanze verabreicht. Die Folgen waren leider unappetitlich, denn Fredi schmatzte von nun an alle Frauen ab, sogar mich. Aus Dankbarkeit, sagt er.

Einen besonders erwähnenswerten Versuch stellte ich vor vielen Jahren mit der Scharnagel Zenzi an, die sich plötzlich vor allerlei guter bayerischer Hausmannskost ekelte und Brechreiz sogar beim Anblick von Schweinswürstln entwickelte. Das Ergebnis muss ich Ihnen ja wohl nicht erzählen, so schön drall, wie sie heute ist. Ich könnte noch über viele Heilerfolge in Pfaffenbrunn berichten, zum Beispiel über die Migräne-Behandlung von Elfriede, die in Pfaffenbrunn nur die Chemische heißt, weil sie in unserer Molkerei aus einem Liter Milch, Wasser und Aroma 15 Liter Milchgetränke zusammenbraut.

Apropos Milch. Da verrate ich Ihnen jetzt mal ein wirklich großes Geheimnis. Eine duftende Milch aus den Wurzeln der Rätselpflanze ist das beste Schönheitsmittel für die, na ja, sagen wir mal nicht mehr so ganz jugendfrische Haut. Eine Haut wie Milch und Honig gibt das, und ganz ohne Chemie und Hexerei! Schauen Sie mich an: Kennen Sie eine so alte Frau mit so frischem Täng? Ich trockne deshalb immer einen guten Vorrat im Heustadl, man weiß ja nie, wer einem so über den Weg laufen könnte.

Bestimmt wissen Sie schon, wovon die Rede ist. Oder nicht? Also gut, einen kleinen Hinweis gebe ich Ihnen noch: Für meine Geburtstagsfeier habe ich vorsorglich einen Veilchenlikör gebraut. Der macht zwar nicht schön, doch die Frauen aus Pfaffenbrunn sind trotzdem ganz narrisch darauf.

Nun habe ich mich doch verschwatzt, denn eigentlich sollte ich ja meinen Geburtstag vorbereiten. Deshalb kann ich Ihnen jetzt auch nichts mehr über die Rätselpflanze erzählen. Notfalls müssen Sie eben etwas nachdenken, das schadet sowieso nichts. Meine guten Wünsche stelle ich Ihnen gerne zur Verfügung.

Gott befohlen!
Ihre Creszenzia Niedernhuber

P.S.: Einige meiner treuen Leser haben gefragt, wann meine Lebenserinnerungen endlich als Buch erscheinen. Herrgott, ich werde am 1. 4. erst 105, da wird sich doch wohl noch ein langer Winter zum Schreiben finden! Also haben Sie bitte noch etwas Geduld.

Die Rätselfrage lautet:

Wie heißt die vielseitige Rätselpflanze?

Die Lösungsantwort: