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Staude des Jahres 2018

Taglilien: prachtvoll, langlebig und unverzichtbar!

Wir freuen uns sehr, dass die prächtige, vielgestaltige und dabei so leicht zu kultivierende Taglilie (Hemerocallis) vom Bund Deutscher Staudengärtner zur Staude des Jahres 2018 gekürt wurde. Sie gehört zu unseren ganz besonderen Lieblingen – und das ist keineswegs nur ihrer Schönheit geschuldet, denn sie hat bei bescheidenen Ansprüchen so viele gute Eigenschaften, dass kein Garten auf sie verzichten sollte!

Die Wildarten stammen fast ausschließlich aus Ostasien. Dort kommen sie meist auf Wiesen, aber auch an schattigeren Stellen auf nährstoff- und humusreichen, frischen bis feuchten Böden vor. Zwar sind sowohl Arten als auch Hybriden recht anpassungsfähig an Boden und Klima, sie bevorzugen aber auch in unseren Gärten nährstoffreiche, gut mit Feuchtigkeit versorgte Standorte. Sonnige bis lichtschattige Plätze sind möglich, eine üppige, langanhaltende Blütenpracht ist jedoch nur an sonnigen Standorten zu erwarten.

Die unkomplizierte Züchtung dieser wüchsigen, überreich blühenden und langlebigen Liliengewächse hat dazu geführt, dass sich nicht nur viele Fachleute, sondern auch eine große Zahl von Laien begeistert der Kreuzung, Auslese und Anmeldung immer neuer Sorten widmet. So entstanden aus rund 20 immer- oder sommergrünen Arten inzwischen abertausende von Hybriden mit Sortenstatus und etliche weitere nicht registrierte.

Die Wuchshöhen reichen von 25 bis 180 cm, ähnlich breit gefächert ist die Spannbreite der Blüten: Vom zierlichen Miniaturblütchen mit einem Durchmesser von gerade mal 2,5 cm bis hin zu Größen von über 25 cm reicht das Angebot. Hinzu kommt ein schier unglaubliches Spektrum von Blütenformen, -farben und -zeichnungen. Zwar überdauern die Einzelblüten nur einen Tag, daher der Name Taglilie, aber durch die große Zahl der sich nach und nach öffnenden Knospen erstreckt sich die Blütezeit über einen erstaunlich langen Zeitraum. Bei geschickter Zusammenstellung von frühen, mittleren und späten Sorten kann man sich im Garten von etwa Mitte Mai bis weit in den September hinein an blühenden Taglilien erfreuen! Ein Ende der Züchtung immer neuer, teils spektakulärer Sorten ist nicht abzusehen. Etliche Arten und Hybriden duften übrigens köstlich.

Und sogar kulinarisch haben die Schönen Interessantes zu bieten. In China sind sie seit Jahrtausenden in Kultur, ihre Blüten ergänzen dort von jeher den Speisezettel. Man verzehrt sie roh oder frittiert. Der Geschmack variiert von Sorte zu Sorte, aber alle sind herrlich knackig und würzig, manche weisen auch pfeffrige Noten auf. Bei der Fülle der hervorgebrachten Blüten kann man ohne Reue hin und wieder einige in der Küche verwenden – sei es als köstliche Vorspeise in hauchdünnem Ausbackteig oder für die attraktive Dekoration von Salaten.

Aber auch für Balkon und Terrasse eignen sich viele Sorten. In einem ausreichend großen Pflanzgefäß, bestückt mit nährstoffreichem Substrat und versorgt mit regelmäßigen Wassergaben kann man Taglilien bestens kultivieren. Ein Winterschutz sollte in diesem Fall allerdings nicht vergessen werden.

Der bekannte Staudenzüchter und Gartenphilosoph Karl Foerster (1874-1970) nannte die Hemerocallis einmal "die Blumen des intelligenten Faulen". Na ja, intelligent wollen wir alle sein, aber faul? Gemeint ist damit natürlich, dass Taglilien aufgrund ihres genügsamen Wesens wenig Pflege benötigen, außer einer Düngergabe im Frühjahr fordern sie kaum etwas und machen uns dennoch den ganzen Sommer hindurch Freude. So gesehen hat der Altmeister natürlich recht!