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Staude des Jahres 2016

Iris – Göttin des Regenbogens

Die “feierlichste aller Frühlingsblumen” nannte sie der begnadete Staudenzüchter und poetisch begabte Gartenphilosoph Karl Foerster. Die griechische Antike sah in ihr eine Botin zwischen Himmel und Erde und benannte sie nach der Göttin des Regenbogens, die Florentiner der Renaissance nutzten sie ganz irdisch und gewannen aus ihr einen der Rohstoffe für die berühmten Veilchenpastillen – und wir Staudengärtner freuen uns, diese uralte unwiderstehliche Gartenschönheit in ihrer ganzen Vielfalt auch heute noch kultivieren zu können.

So zahlreich die Arten und Sorten auch sind, das Prinzip der Blüten ist bei allen das gleiche. Drei Blütenblätter wölben sich zum “Dom” auf, drei bilden die elegant nach unten geschwungenen “Hängeblätter”, herrliche Farbverläufe und abwechslungsreiche Blütenzeichnungen mit Tupfen, Sprenkeln oder feinen Aderungen finden sich, als wollten sie tatsächlich alle Farben des Regenbogens einfangen.

Die Ansprüche und Verwendungsmöglichkeiten der Arten und Sorten könnten unterschiedlicher nicht sein. Für jede Pflanzsituation, jeden Gartenstil findet sich eine geeignete Auswahl. Rabatten, Steppenpflanzungen, Steinanlagen, Gartenteiche, naturnahe Anlagen und sogar Balkonkästen können mit ihnen bepflanzt werden.

Prachtvolle Bart-Iris

Geradezu königlich kommt die prachtvolle Bart-Iris oder Schwertlilie (Iris barbata elatior und media), daher mit ihren hohen und mittelhohen Sorten und besonders beeindruckenden, oft wundervoll duftenden Blüten. Einen wahren Farbrausch bescheren sie uns in den Monaten Mai und Juni. Das Spektrum ihrer Blütenfarben und -zeichnungen ist schier unerschöpflich. Manche schimmern in zarten Pastelltönen, andere leuchten uns kräftig, oft mehrfarbig entgegen und machen ihrem Beinamen “Göttin des Regenbogens” alle Ehre.

Um ihre ganze Schönheit zu entfalten, benötigen sie ein vollsonniges Gartenbeet und durchlässigen, möglichst trockenen, aber auch etwas nährstoffreichen Boden. Staunässe muss unbedingt vermieden werden. Man pflanzt die Rhizome so flach, dass sie zu einem knappen Drittel aus der Erde ragen. Nach der Blüte wird das Laub an den Pflanzen belassen, um sie nicht zu schwächen. Blütengröße und Wuchsfreude lassen nach 3 – 5 Jahren nach. Dann sollten die Rhizome im Spätsommer geteilt werden. Man gräbt sie behutsam mit einer Grabegabel aus, trennt die jungen, vitalen Teilstücke mit einem scharfen Messer von älteren, nicht mehr wüchsigen (die man entfernt), kürzt die Blätter fächerförmig auf die Hälfte ein und pflanzt sie direkt wieder an Ort und Stelle auf. Die so verjüngten Rhizome wachsen nun kräftig und gesund der nächsten Gartensaison entgegen.

Als Pflanzpartner empfehlen sich andere trockenheitsliebende Stauden oder Kleingehölze. Bestens eignen sich Lavendel (Lavandula), Katzenminze (Nepeta), Wolfsmilchgewächse (Euphorbien) oder Heiligenkraut (Santolina). Auch Zierlauche (Allium) sind sehr reizvolle Begleiter. Bart-Iris eignen sich übrigens bestens als Schnittblumen, auch Knospen blühen in der Vase willig auf.

Manche Iris lieben es kühl und feucht

Die Wieseniris (Iris sibirica) ist eine unserer schönsten heimischen Stauden. Anders als ihre trockenheitsliebenden Schwestern, schätzt sie es kühl und feucht. Sie bevorzugt feuchte Standorte, kommt aber auch auf normalen, frischen Gartenböden gut zurecht. Schwach saure Böden sind ideal, aber auch ein kalkhaltigeres Milieu wird toleriert. Wir sollten sie an sonnige bis halbschattige Plätze mit nicht zu nährstoffreicher Erde pflanzen. Ein wenig empfindlich reagiert die sonst anspruchslose Schöne darauf, wenn ihr Laub zu früh zurück geschnitten wird. Der Griff zur Schere sollte also am besten auf das zeitige Frühjahr verschoben werden. Wenn nach ein paar Jahren die Blatthorste von innen her verkahlen, ist es an der Zeit, die Pflanzen zu verjüngen. Man teilt die Horste und pflanzt die vitalen äußeren Stücke an Ort und Stelle wieder auf.

In Tuffs gepflanzt kommen sie mit ihren blauen, violetten, aber auch weißen und gelben Blüten am besten zur Geltung und geben Beeten auch jenseits ihrer Blütezeit Struktur. Auch die Wieseniris ist übrigens eine hervorragende Schnittpflanze.

Am Teichrand kann sie gut mit der Sumpfschwertlilie (Iris pseudacorus) vergesellschaftet werden, denn beide fühlen sich hier besonders wohl. Die Sumpfschwertlilie liebt es allerdings sogar staunass, wie es ihr Name schon vermuten lässt. Auch die Japanischen Sumpf-Iris (Iris ensata, Iris laevigata) stehen gern am seichten Uferrand.

Bezaubernde Wildarten

Die etwas unscheinbareren, aber eleganten Blüten von Wildarten wie der Steppen-Schwertlilie (Iris spuria) und der Bleichen Schwertlilie (Iris pallida) und ihre züchterisch bearbeiteten attraktiven Sorten eignen sich wunderbar für naturnahe Pflanzungen. Sie bevorzugen einen vollsonnigen, eher trockenen Platz im Garten. Die Steppen-Schwertlilie ist mit ihrem straff aufrechten Horst ein attraktiver Strukturbildner in trockenen Partien. Staunässe wird nicht vertragen, die Rhizome faulen bei zu viel Feuchtigkeit schnell.

Kleine Frühlingsedelsteine – Zwerg-Iris

Die zauberhaften Zwerge dieser Gattung sind noch erstaunlich wenig bekannt. Dabei haben sie einen ganz besonderen Charme. Netzblatt-Iris (Iris reticulata) und Iris histrioides besitzen keine Rhizome, sie gehören zu den früh blühenden Zwiebelpflanzen. Bereits im Spätwinter und Vorfrühling bringen sie zierliche, wunderschön gezeichnete Blüten in verschiedenen reizvollen Farben hervor und gehören zu den ersten Frühlingsboten der neuen Gartensaison. Sie fühlen sich im Steingarten genauso wohl wie in Pflanzgefäßen, die ihre anmutige Ausstrahlung besonders betonen. Ob im Freiland oder in Töpfen, Voraussetzung für gutes Gedeihen ist ein gut dränierter, nicht allzu nährstoffreicher Boden in voller Sonne.

Köstliche Düfte – auch das können Iris

So vielseitig wie die Farben und Blütenformen dieser Gattung, ist auch das Duftspektrum. Bei vielen Sorten ist ein fruchtiger Duft auszumachen. Es finden sich ausgesprochen zitronige Noten, andere wiederum entfalten einen deutlich wahrnehmbaren Schokoladenduft! Da kommt man schon mal ins Zweifeln, denn ausgerechnet die bräunlichen Bart-Iris tendieren zum Schokoladenduft, wie wir ihn von der Schokoladenkosmee (Cosmos atrosanguineus) kennen. Ist das nun Autosuggestion oder Realität?