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Blume des Jahres 2017

Klatschmohn – Papaver rhoeas

Die Loki Schmidt Stiftung hat im Rahmen ihrer 38. Nominierung seit 1980 den Klatschmohn (Papaver rhoeas) zur Blume des Jahres 2017 ernannt.

Ihren deutschen Namen erhielt die Pflanze wegen des Aneinanderklatschens der Blüten bei Wind und Regen. Häufig wird die Pflanze auch Klatschrose oder Mohnblume genannt. Volkstümliche Namen sind zum Beispiel Grindmagen, Paterblume, Blutblume, Feuermohn. Der wissenschaftliche Gattungsname Papaver geht auf das lateinische Wort „pappare“ zurück, das „essen“ bedeutet. Die alten Römer sollen den Kinderbrei mit Mohnsaft versetzt haben, damit die Kleinen besser einschliefen. Der Artname rhoeas stammt vom griechischen „rhoia“ für „fließen“ und deutet ebenfalls auf den austretenden Milchsaft des Klatschmohns hin.

Vermutlich war Papaver rhoeas ursprünglich in Eurasien und Nordafrika verbreitet. Gemeinsam mit dem Getreide ist er während der Jungsteinzeit zu uns in den Norden gekommen, also zwischen 4.500 und 3.000 v.Chr. Mit dem Ackerbau verbreitete sich der Klatschmohn weltweit, bevorzugte dabei jedoch die nördliche gemäßigte Zone. Aufgrund seiner Ausbreitungsstrategie gehört er zu den sogenannten Hemerochoren, also durch die Kultur ausgebreiteten Pflanzen. Typischer Ausbreitungsweg ist (oder war) die Aussaat von Saatgut, in dem Klatschmohnsamen als Verunreinigung mit enthalten sind.

Die auch heute noch hin und wieder zwischen Getreidehalmen schimmernden, strahlend roten Blüten des Klatschmohns sind zwar immer noch ein vertrauter sommerlicher Anblick, aber auf Äckern sind die zarten Blüten gar nicht mehr häufig zu sehen. Seltener kommen Farbschläge in Weiß und Violett vor. Fast alle Blüten besitzen im unteren Bereich einen schwarzen, oft weiß umrandeten Fleck, der zur Anlockung von Bestäubern dient. Dem Klatschmohn geht es wie vielen anderen Ackerwildpflanzen (auch Segetalpflanzen genannt), er verschwindet mehr und mehr aus seinem Lebensraum. Zumindest gelingt es diesem Überlebenskünstler, anders als hoch spezialisierten Ackerwildkräutern wie der aktuell als fast ausgestorben geltenden Kornrade (Agrostemma githago, Blume des Jahres 2003), sein Fortbestehen auf Ausweichflächen zu verteidigen.

Bunte Vielfalt ist auf unseren Äckern längst Vergangenheit. Mit 30 % der Landesfläche gehören sie hierzulande neben dem Wald zwar zu den flächenmäßig wichtigsten Ökosystemen, werden aber heutzutage sehr intensiv bewirtschaftet. Rund 350 dieser Pflanzenarten sind hier ursprünglich heimisch – das sind etwas mehr als 10 % der mitteleuropäischen Gefäßpflanzen. Etwa 150 Arten sind sehr eng an das Ackerland gebunden. Viele von ihnen können heute als das biologische Erbe der menschlichen Kulturgeschichte angesehen werden, werden aber seit vielen Jahren immer mehr zurückgedrängt. Manche erschweren die Ernte, mischen sich in das Saatgut und/oder enthalten sogar giftige Stoffe. In den letzten 50 Jahren wurde die Ackerunkrautbekämpfung mit Mitteln der modernen Agrarforschung perfektioniert.

Dem Einsatz chemischer Pflanzengifte fallen auch viele Arten zum Opfer, die aus ökonomischer Sicht keinen oder kaum Schaden verursachen. Nur 20 Ackerwildpflanzen, also weniger als 10 % dieser Flora, müssen als Problempflanzen angesehen werden, deren Bekämpfung unabdingbar ist. Ihr Rückgang ist aber nicht nur ein ästhetischer Verlust. Ihre Vernichtung hat eine Minderung der Biodiversität zur Folge, die vor allem Bestäubungs- und Regulationsfunktionen typischer Pflanzen und Tiere in den Acker-Lebensgemeinschaften stark bedroht.

Im Garten ist der Klatschmohn leicht anzusiedeln. Er bevorzugt sonnige bis halbschattige Standorte. Von April bis Mai oder Ende August bis Anfang September wird an Ort und Stelle ausgesät. Als Lichtkeimer ist das meist winterannuelle Mohngewächs auf offene Flächen angewiesen. Klatschmohn bevorzugt sommerwarmen, kalkhaltigen Lehmboden. Er ist ein Zeiger für helle, frische und mäßig stickstoffreiche bis stickstoffreiche Standorte.

Sie können einen Beitrag für mehr bunte Vielfalt leisten und gleichzeitig die Arbeit der Loki Schmidt Stiftung unterstützen. Gegen eine Spende werden Samenmischungen verschiedener Ackerwildblumen, Samenpostkarten des Klatschmohns und ein Kalender zur Blume des Jahres 2017 angeboten.

Seit über 30 Jahren kauft, gestaltet und pflegt die Loki-Schmidt-Stiftung Grundstücke für den Naturschutz, damit selten gewordene Pflanzen (und auch Tiere) dort überleben können. Viele praktische Projekte zum Schutz der Natur in Hamburg und ganz Deutschland haben die Stiftung bekannt gemacht. Mit ihrer Umweltbildung trägt die Stiftung dazu bei, dass möglichst viele Menschen, besonders Kinder und Jugendliche, die Natur kennenlernen und erleben können.