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Schmetterlingsweiden

Zart und anmutig tanzen Schmetterlinge von Blüte zu Blüte. Aber so unbeschwert und leicht, wie es ihr Anblick vermuten lässt, ist das Leben der Schmetterlinge nicht. Denn viele von ihnen benötigen ganz spezielle Lebensräume und Nahrungsquellen, um überleben zu können. Im Laufe ihres Lebenszyklus sind sie auf verschiedene Weise auf Pflanzen angewiesen: Blätter und Pflanzenteile sind die Nahrung der meisten Schmetterlingsraupen, nach der Verpuppung nutzen die Schmetterlinge dann Blütennektar als Nahrungsquelle. Mit ihrem langen, meist eingerollten Rüssel tauchen sie in die Blüten ein und saugen so die zuckerhaltige Flüssigkeit heraus. So wird auch der Pollen von Pflanze zu Pflanze getragen. Schmetterlinge leisten damit einen wichtigen Beitrag als Bestäuber in unserem Ökosystem. Aufgrund ihrer unterschiedlichen Rüssellängen sind viele Falter auf ganz bestimmte Blütenarten angewiesen. Auf diese Weise wird sichergestellt, dass die bestäubenden Falter den Pollen zuverlässig nur zu gleichartigen Blüten tragen, was den Befruchtungserfolg deutlich verbessert.

Mit der Pflanzung geeigneter Stauden (und natürlich auch Sträucher) kann man Schmetterlingen eine üppig gedeckte Tafel mit köstlichen Leckereien bieten, die allmählich immer mehr dieser anmutigen Gäste in den eigenen Garten lockt. Bei der Auswahl von Nektarspendern ist es wichtig, darauf zu achten, dass deren Blüten nicht gefüllt bzw. steril sind.

Ganz weit oben auf der Liste bevorzugter Falternahrung steht der Echte Ziest, an dem bis zu 33 Schmetterlingsarten beobachtet wurden: Zitronenfalter, Kohlweißling, Kleiner Fuchs, Distelfalter, Großes Ochsenauge, Brauner Waldvogel und viele mehr besuchen diese bei uns heimische Wildstaude. Auch Quendel ist heiß begehrt, hier wurden bis zu 44 Gäste ermittelt: Großes Wiesenvögelchen, Himmelblauer Bläuling, Kleiner Feuerfalter, Perlgrasfalter und viele mehr besuchen den heimischen Thymus pulegoides. Aufgrund seiner roten Blütenfarbe (die Schmetterlinge im Gegensatz zu Bienen sehen können) lockt auch der Blutweiderich zahlreiche Schmetterlinge an. Beobachtet wurden u.a. Tagpfauenauge, Schwalbenschwanz, Kleiner Moorbläuling, Kleiner Fuchs, Großer und Kleiner Kohlweißling.

Viele Pflanzen haben sich auch auf den Besuch bestimmter Insekten spezialisiert. So kommen Schmetterlinge auch an den Nektar der Blüten heran, die nur mit einem langen Saugrüssel erreicht werden können. Die rote Spornblume ist ein gutes Beispiel: Ihr Nektar befindet sich am Grund des 6-7 mm langen Sporns, Insekten gelangen nur über eine enge, 8-10 mm lange Kronröhre an den begehrten Stoff. Mit einem zu kurzen Rüssel Ausgestattete haben also keine Chance, an die süße Kraftnahrung zu gelangen. Umso mehr freuen sich Zitronenfalter, Kleiner Fuchs, Taubenschwänzchen und Hummelschwärmer über dieses für sie reservierte Angebot.

Die Raupen der Falter haben natürlich ganz andere Bedürfnisse. Zahlreiche Arten sind beispielsweise auf die Blätter des Sauerampfers (Rumex acteosa) und mit ihm verwandte Pflanzen angewiesen. Großer und Kleiner Feuerfalter, Grünwidderchen, Linienschwärmer, der Braune Bär und viele andere nutzen dieses Nahrungsangebot.

Es gibt auch Falter, die von einer einzigen Pflanzenart abhängig sind. Die Raupen des Großen und des Dunklen Moorbläulings ernähren sich zunächst ausschließlich von den Blüten des Großen Wiesenknopfs (Sanguisorba officinalis). Dann geschieht etwas sehr Interessantes: Sie werden sie von Wirtsameisen in ihren Bau getragen. Weil sie den Nestgeruch der Ameisen imitieren können, werden sie wie die eigene Brut gepflegt und können ungehindert deren Ameisenlarven und Eier fressen. Im Gegenzug überlassen sie den Ameisen ein zuckerhaltiges Sekret. Nach der Überwinterung im Bau verpuppen sich die Raupen und verlassen nach dem Schlüpfen im Frühjahr sofort den Bau. Ihre Tarnung funktioniert nun nicht mehr und sie würden von den Ameisen als Beute identifiziert.

Nicht nur für viele Schmetterlingsarten ist die oft als “Unkraut” geschmähte Brennnessel eine überlebenswichtige Wirtspflanze, an deren Vorhandensein ihr Lebenszyklus eng gebunden ist. Sie dient auch über 100 Insektenarten als Lebens- und Nahrungsort. Für Tagfalter wie den Kleinen Fuchs, Admiral und C-Falter ist sie eine ebenso wertvolle Futterpflanze wie für die Nachtfalterraupen des Bärenspinners, Holunderbären, die Nesseleule und den Brennnessel-Zünsler.