header

Wo sind die Insekten?

In der guten Hoffnung, ein paar interessante Insektenportraits zu machen, kam ich vor einer Woche nach Jamlitz. Auch hier hatten Trockenheit und Hitze gewütet. In meiner Abwesenheit war das Wasser im Lustgartenteich total verdunstet, Myrica gale, der Gagelstrauch, der im moorigen Teichrand steht, sah jämmerlich aus, scheinbar total vertrocknet. Auf 30 cm zurückgeschnitten, lebte das Holz aber noch. Sehr unterschiedlich haben die amplifolia Phloxe reagiert.

Einige Exemplare sind bis zum Boden vertrocknet, was bleibt, ist die Hoffnung auf das nächste Jahr. Andere aber blühen, als wäre alles in bester Ordnung. Und dann gibt es einige Sämlinge, die jetzt erst zu blühen beginnen. Die Natur streut die Erbanlagen, geschähe das nicht, würde es ein Artensterben geben. Phlox amplifolia hat noch sehr viel "Wildcharakter", die recht jungen Sorten sind noch nicht gefestigt, sie sind flexibel, anpassungsfähig.

Erstaunlich schön blühen dieses Jahr einige hohe Sedum. Besonders das hier wild vorkommende Sedum maximum ist auch im Garten reichlich vertreten. Mit beachtlicher Schönheit wartet Sedum ssp. ruprechtii 'Hab Gray' auf. Es vergrößert sich von Jahr zu Jahr und es vermehrt sich durch Samen! Dabei sind neue rötliche Farbtöne entstanden. 'Hab Gray' besitzt einen weiteren nicht zu unterschätzenden Vorteil: Die Schnecken mögen dieses Sedum nicht. Andere Sorten und Arten sind gelegentlich total zerfressen.

Begonnen hat die Blüte von Rudbeckia triloba. Leider sind es in diesem Jahr nur wenige Pflanzen. Bei den Zweijährigen muss man achtgeben, dass immer genügend Jungpflanzen aufgewachsen sind. Auch der Muskateller-Salbei, Salvia sclarea, verringert sich in manchem Jahr erheblich, wenn man nicht nachhilft.

Sonst muss man nach Blühendem hier sehr suchen. Es ist keine Blütenzeit, dafür die Zeit der Blattdufter, der Berührungsdufter. Salbei, Lavendel, Satureja, Ysop, Thymiane, aber auch die Zistrosen, Cistus laurifolius sehen stattlich und gesund aus. Bei den Thymianen sei aber vermerkt, dass ausgerechnet der hier auf den Sanden heimische Thymus serpyllum erhebliche Trockenschäden aufweist. Das passiert häufiger, die bestände erholen sich aber bald wieder.

Wirklich erschreckend ist in diesem Jahr, und besonders auffällig jetzt im August, wie wenig Insekten es gibt. Nicht einmal die sonst lästigen Mücken und Bremsen scheinen anwesend zu sein. Ein paar Kohlweißlinge sind die einzigen Schmetterlinge. In anderen Jahren ist hier vom Schwalbenschwanz bis zum Trauermantel und Perlmutterfalter alles vertreten, was Rang und Namen hat. Allein die Hautflügler, Wespen, Hornissen und Hummeln sind anwesend und aktiv. Ameisen desgleichen. Ich hoffe, dass diese Insektenarmut auf den Verlauf dieses Sommers zurückzuführen ist. Die Zunahme des Raps- und Maisanbaues in der umliegenden Region kann allerdings auch zu anderen Gründen Anlass geben.


Text und Fotos: Christian Seiffert