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Winterschutz für Rosen

Die vorletzten beiden Winter haben uns schmerzlich spüren lassen, dass sie ihrem Namen alle Ehre machen. Lange anhaltende Minusgrade im zweistelligen Bereich setzten auch unseren eigentlich frostharten Rosen mächtig zu. Obwohl in weiten Teilen des Landes während etlicher Wochen eine geschlossene Schneedecke lag, die eigentlich im Ruf steht, ein idealer Frostschutz zu sein, musste wohl jeder Rosenfreund Ausfälle hinnehmen.

Wir wissen nicht, wie der kommenden Winter wird, wir wissen nur, dass er bestimmt kommt. Um auf der sicheren Seite zu sein, ist es angebracht, für einen ebenso langen wie eisigen Winter Vorsorge zu treffen. Winterschutz beginnt allerdings schon im Sommer! Geben Sie Ihren Schönheiten nach der ersten Blüte die letzte Düngung, insbesondere sollten nach Anfang bis Mitte Juli keinerlei Stickstoffgaben mehr verabreicht werden. Die Triebe reifen sonst nicht mehr aus und gehen deshalb zu saftig und somit zu weich in die Winterruhe. Starker Frost lässt die saftigen Zellen gefrieren und platzen. Wenn Sie den absolut nötigen Reifeprozess etwas unterstützen mögen, arbeiten Sie in die Erde um Ihre Rosen Kali-Magnesium, auch bekannt als Patentkali ein.

Edel-, Beet- und Strauchrosen

Bei Ihren bereits vor mehreren Jahren gepflanzten Historischen Rosen ist ein Anhäufeln oder sonstiger Winterschutz nicht mehr erforderlich, richtige Pflanztiefe (Veredelungsstelle ca. 5 cm unter der Erde) vorausgesetzt. Auch Bodendecker brauchen in der Regel keinen Winterschutz.

Aber alle anderen Modernen Rosen sollten mindestens angehäufelt werden. Dazu wird entweder die umgebende Erde an der Basis rund 15 bis 20 cm hoch geschoben. Noch besser ist es, Erde mit Kompost zu mischen und diese Mischung rund um die Rose ca. 15 cm hoch ausbringen. Um vor den bereits im Januar/Februar recht starken Sonnenstrahlen, aber auch eisigen Winden zu schützen, empfiehlt es sich, Tannenreisig zwischen die überstehenden Triebe zu stecken. Ihre Rosen geben bei länger anhaltender Sonneneinstrahlung Ihren eigenen Frostschutz auf, treiben vorzeitig aus und die Triebe werden erfrieren. Deshalb ist es wichtig, Ihre Lieblinge entweder durch Tannenreisig oder Vlies zu beschatten.

Hochstammrosen

Hochstammrosen sind besonders gefährdet, weil deren frostempfindliche Veredelungsstelle nicht durch Erde geschützt ist, sondern sich unmittelbar unter der Krone befindet. Wir wickeln in unserem Redaktionsgarten als Winterschutz um diesen Veredelungsknoten bei allen Stammrosen jeweils eine ausgediente Strumpfhose, egal, ob es sich um Zwerg-, Halb-, Hoch- oder Kaskadenstamm handelt. Das überstehende Ende wickeln wir noch am Stamm abwärts. Dieses Gewebe hält warm, kann Feuchtigkeit nicht aufsaugen und trocknet deshalb sehr schnell ab. Dadurch kann sich unter diesem Schutz keine Fäulnis bilden. Etwas längere oder widerspenstige Triebe binden wir anschließend zusammen.

Darüber kommt dann eine Haube aus Vlies, noch besser aus großen doppelwandigen Papiertüten für Abfälle. Papierhauben können in frostfreien Zeiten jederzeit abgezogen und schnell wieder übergestülpt werden, ohne die Triebe zu beschädigen. Wir empfehlen bei sehr stacheligen oder dünnen Trieben deshalb keine Jutehauben, denn das Material saugt sich voll Wasser oder wird durch Schneelast schwer, dadurch werden die Triebe stark belastet und können abbrechen. Binden Sie in diesem Fall unter der Haube einen Stab am Stamm fest, der über die Krone hinausreicht, dann entlastet dieser den Druck auf die Triebe. Beim Entfernen der Hauben im Frühjahr können sich außerdem die stacheligen Triebe im Jutegewebe verhaken und es kann evtl. zum Verlust von jungen Austrieben kommen. Sie können Papierhauben mit Farben verschönern, dann sehen diese auch gut aus.

Übrigens: Historische Rosen auf Hochstamm benötigen keinen Winterschutz. Wir haben es mit 'Mme Boll', 'Ferdinand Pichard', 'Rose de Resht' und 'Stanwell Perpetual' zwei Winter lang getestet und keinerlei Ausfall gehabt. Allerdings haben wir ihnen bei sehr späten und starken Frösten (April/Mai) während der Nacht unsere bewährten Papiertüten übergezogen.

Manche Rosenfreunde schwören darauf, die Stämme über den Zapfen umzulegen, dies wird inzwischen wieder häufiger gemacht, wenn der Platz im Beet dafür ausreicht. Wer es tun möchte, sollte den Stamm vom Stützstab losbinden, ihn langsam und vorsichtig auf der Seite des „Knotens“ zur Erde biegen und ein Stück unterhalb der Krone mit einem u-förmigen „Nagel“ im Boden verankern. Nun wird die gesamte Krone mit Erde bedeckt und evtl. noch mit Tannenreisig „verschönt“. Bitte versuchen Sie diese Prozedur nicht bei älteren Exemplaren – die Gefahr, dass der Stamm bricht, ist groß.

Kletter- und Ramblerrosen

Kletterrosen, die häufig starken Ost- bzw. Nordwinden ausgesetzt sind, sollten ebenfalls geschützt werden. Auch hier ist Vorsicht besser als ein Totalverlust. Häufeln Sie die Rose ebenfalls an der Basis ca. 20 cm hoch an. Die unter der Erde geschützen Augen treiben wieder aus, auch wenn oberhalb alle Triebe erfroren sind. Als weitere Schutzmaßnahme kann Tannenreisig dachziegelartig zwischen die Triebe gesteckt und ggf. festgebunden werden. Natürlich kann die Kletterrose auch mit Vlies ummantelt werden.

Bitte beachten Sie: Die meisten Rosen erfrieren nicht während der dauerhaft eiskalten Periode, sondern wegen der relativ starken Wintersonne. Diese bewirkt tagsüber, dass die Rose Ihren Winterschutz aufgibt und der Saft wieder in den Trieben aufsteigt. In den darauf folgenden Frostnächten gefriert der Saft in den Trieben und wenn am Morgen zeitig die Sonne darauf scheint, platzen die Zellen auf Grund des zu schnellen Auftauens. Deshalb ist es so wichtig, dass die Rosen in Zeiten mit Nachtfrösten beschattet werden, denn das verhindert sowohl den verfrühten Austrieb und wenn doch bereits Triebe gebildet wurden, das zu rasche Auftauen.


Text und Fotos: Inge Burkhardt