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Winterliches

Die Amsel hat Schwierigkeiten, an die letzten Hagebutten zu gelangen. Ich schaue ihr dabei durch das Fenster zu, was sie nicht zu irritieren scheint. Nervöses Flügelschlagen dagegen, als der graue Kater unserer Enkel, "Picasso", seinen morgendlichen Gang macht, heute durch Schnee, durch einen winterlichen Garten.

Früh hat er angefangen, der Winter. Und allenthalben wird gemunkelt, diesmal würde es ein besonders kalter und intensiver Winter. Ob die professionellen Meteorologen ähnlicher Ansicht sind, wage ich zu bezweifeln. Wollen sie seriös bleiben, dürfen sie sich nicht über 10 Tage, ja eigentlich nur 5 Tage mit ihren Prognosen hinauswagen. Betrachtet man allerdings die Temperaturverteilung in Europa und Asien, dann fällt die enorme Kälte über Russland, dieseits und jenseits des Ural bis zum Pazifik auf. Auch Skandinavien ist betroffen und Polen. Und wie die Witterung in Polen, so ist sie auch meistens in Jamlitz. Aber existiert dieser asiatische Kältepool nicht jedes Jahr? Ist nicht für uns in Europa vielmehr entscheidend, ob Hochs und Tiefs die Kälte anzapfen und hierher transportieren?

In den kommenden Tagen wird es in Jamlitz bis –10° C kalt. Und das nach einem November, der mit unangenehmen Superlativen aufwartete: Die Durchschnitts-Temperatur war mit 8,6° C mehr als doppelt so hoch wie im langjährigen Mittel, die Niederschläge mit 158 l/qm fast 4 mal so hoch, wie langjährig. Dabei hatte das Jahr schon Niederschlagsmengen geliefert, die wohl einmalig sind. Bis jetzt fielen 963 l/qm. Im langjährigen Mittel sind es nur 549 l/qm.

Unter diesen Voraussetzungen ist es unmöglich, zu sagen, wie die Stauden, Gehölze, Gräser und vielen Zwiebelpflanzen reagieren werden. Es wird positive wie negative Überraschungen geben. Im Jamlitzer Garten allerdings etwas abgemildert, weil der Boden durchlässig, sandig ist und es dadurch nie zu stauender Nässe kommt. Aber was sagen Tulpen, Hyazinthen, Madonnenlilien, die von ihren Ursprungsländern her einen heißen, trockenen Sommer bevorzugen, aber eine Regenzeit in Herbst und Winter? Wie wird es jenen Gehölzen gehen, die unsere Wintertemperaturen in manchen Jahren gut verkraften, in anderen aber unter starken Frostschäden zu leiden haben? Die Zistrose, Cistus laurifolius, die Bartblume Caryopteris, ja selbst Salbei Salvia officinalis.

Es bleibt uns nichts weiter übrig, als abzuwarten und uns überraschen zu lassen und in den "Wintergarten" zu gehen! In Jamlitz blüht dort die Wollmispel, Eriobotrya japonica. Dieser Blühtermin ist für mitteleuropäische Verhältnisse äußerst ungünstig, denn die Insekten machen Winterschlaf. Um im Frühsommer wenigsten ein paar Früchte zu ernten, habe ich mit einem Pinsel Biene gespielt. Sehr schnell verklebte der Pinsel, weil die Blüten ungewöhnlich viel Nektar produzieren. Und nicht nur das. Sie duften sehr intensiv nach Mandel und Marzipan. Wer Platz hat in seinem Wintergarten: Die Wollmispel ist äußerst anspruchslos, immer gesund, dekorativ und ein Spätherbstdufter erster Güte. Außerdem verträgt sie ausgepflanzt bis -10° C.

Im Eresinger Wintergarten freuen wir uns über die erste blühende Kamelie. Als wir sie vor einigen Jahren geschenkt bekamen, war sie 10 cm hoch. Das Geschenk eines Freundes, der in Japan Samen aufgelesen und sie zum Keimen gebracht hatte. Ich habe sie im Wintergarten (Kalthaus!) ausgepflanzt. Und dieses Jahr blüht sie nun seit dem 31. Oktober zum ersten Mal.


Text und Fotos: Christian Seiffert