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Wenn Gemüse Blüten treibt

Alle fallen drauf rein wenn auf diese Pflanze mit den zahlreichen blauen Korbblüten zeige, und frage wie sie heißt: “Wegwarte!”, kommt es wie aus der Pistole geschossen. Ich genieße es jedes Mal, besserwisserisch den Kopf zu schütteln. Nein, diese wundervolle Pflanze ist keine Wegwarte. Es ist ein Radicchio, genauer ein ‘Roter von Verona’, den ich voriges Jahr gesät und in diesem Frühjahr einfach nicht geerntet habe. Dieser ‘Rote Veroneser’, wie diese Sorte auch genannt wird, blüht in meinem Garten schon seit drei Monaten. Und gerade jetzt, wo die meisten Stauden und Sommerblumen allmählich verblühen, ist er am schönsten. Sein Blau leuchtet selbst bei Regenwetter.

Gemüse kann wundervolle Blüten treiben. Bei Gurken, Kürbis, Zucchini und Tomaten, ebenso Erbsen und Bohnen sehen wir sie obligatorisch, sonst würden sie ja keine Früchte tragen. Doch haben Sie schon einmal eine Schwarzwurzel blühen sehen? Sie trägt im zweiten Jahr leuchtend gelbe Korbblüten und die duften – nach Schokolade! Mit ihr verwandt ist eine andere Wurzel, die oft mit dem Wiesenbocksbart verwechselt wird: die Haferwurz, auch Weißwurzel genannt. Die Wurzeln sind nicht ganz so lang und deren Geschmack nicht ganz so intensiv wie bei der Schwarzwurzel. Doch auch sie blüht im zweiten Jahr, so zwischen Pink und Violett. Eigenartigerweise schließt sie ihre Blüten punkt zwölf Uhr mittags.

Radicchio, Schwarz- und Weißwurzeln sind Korbblütler, so wie viele Wildpflanzen. Da wundert es nicht, dass sie mit ihnen verwechselt werden, wo man blühendes Gemüse doch nur selten zu sehen bekommt. Auch Salate gehören in diese Pflanzenfamilie, und die blühen schon im ersten Jahr, wenn man nur einen Salatkopf oder einen Pflücksalat einfach stehen lässt. Der verstreut seine Samenkörner nach der Blüte rund um sich herum. Im nächsten Frühjahr gehen diese Samen auf. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass diese Sämlinge absolut widerstandsfähig gegen Schnecken sind, selbst wenn man sie verpflanzt.
Aber auch Gemüsearten aus der Familie der Kreuzblütler treiben wunderschöne Blüten, so zum Beispiel alle Kohlarten aber auch das Teltower Rübchen, eine Delikatesse aus meiner brandenburgischen Heimat.

Man kann die Selbstaussaat all dieser blühenden Gemüsearten zulassen oder deren Samen gezielt ernten und wieder aussäen. Unter einer Bedingung: Es dürfen keine F1-Hybriden sein. Deren Samen würden zwar auch aufgehen, doch bekäme man nicht zuverlässig die gewünschte Sorte der Mutterpflanze. Deshalb: Samenfeste Sorten im Garten anbauen, bei denen nicht “F1” auf der Samentüte steht, und dann das Gemüse wunderschöne Blüten treiben lassen!

Mehr über den Kreativgarten von Wolfram Franke unter www.gartenschreiber.de


Text und Fotos: Wolfram Franke