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Welch ein Winterfrühling!

Immer wieder, wenn das Winterwetter in den letzten Jahren uns Gärtnern zu schaffen machte, sagte mir Dieter Gaissmayer: „Wir werden uns daran gewöhnen müssen, dass immer öfter extreme Wetterereignisse eintreten.“ Wohl wahr – der Klimawandel lässt grüßen.

Jetzt herrscht, mitten im Februar, der schönste Frühling: In den letzten Tagen Sonnenschein und Temperaturen bis zu 15 Grad. Was Wunder, dass Hummeln und Bienen schon fliegen. Magneten sind, wie in jedem Spätwinter, die intensiv nach Vanille duftenden, weißen Blüten des Strauchgeißblatts (Lonicera purpusii). Aber an der Hauswand blüht auch schon der erste Rosmarin (Rosmarinus officinalis) – er steht in einem großen Pflanzkübel unmittelbar an der Ziegelsteinwand und hat fünfzehn Jahre lang alle Winter überstanden, ohne nennenswerten Schutz auch minus 25 Grad!
Die Sorte: der hellblau blühende Französische Rosmarin – manche behaupten, je heller die Blüte bei den Rosmarinen, desto frosthärter sei die Zuchtform. Zu den eindeutig relativ winterfesten Sorten gehören ‚Weihenstephan’ und ‚Arp’. In meinem aus schierem Schotter bestehenden Mittelmeerbereich hat sich ein Rosmarin-Strauch, bei dem die Sorte nicht mehr zu ermitteln ist, als außerordentlich robust erwiesen. Ich habe im letzten Jahr Stecklinge geschnitten und werde jetzt Wuchs, Winterhärte, Aroma weiter testen – oft schenkt uns ja der Zufall eine neue, gute Sorte.

Gestern flatterten die ersten Schmetterlinge durch den Kräutergarten, am 25. Februar! Zitronenfalter und Kleiner Fuchs sind Arten, deren letzte Generation des Jahres in einer Froststarre an geschützter Stelle überwintert. Ist es warm und sonnig genug, wachen sie auf und fliegen los.

Natürlich blühen jetzt auch die Krokusse, beliebtes Ziel für Wildbienen. Ich plädiere, nicht nur der Insekten wegen, entschieden für Wildkrokusse – unübertroffen nach wie vor ist Crocus tommasinianus (für mich ist er nicht der ‚Elfenkrokus’, sondern der klassische Klosterkrokus, seit Jahrhunderten in Klostergärten zuhause), mit zartblauen, fast durchscheinenden Blüten. Wie fast alle wilden Krokusarten breitet er sich an günstigen Standorten flächendeckend aus – der Husumer Schlossgarten ist im Frühjahr das Ziel ganzer Touristenmassen, weil Millionen dieser eleganten Krokusblüten die Rasenflächen in einen lichtblauen Teppich verwandeln.

Sehr schön auch Crocus kosaninii, etwas kräftiger blau und mit leicht gerundeten Blütenblättern, und der wunderschöne Crocus etruscus, mit einem Hauch von violett. Und wer es andersfarbig haben möchte, sollte zu dem elfenbeinfarbigen Crocus fleischeri greifen, der schmale, spitze Blütenblätter hat, oder zu dem leuchtend gelben Crocus flavus. Für mich übertreffen diese unaffektierten, leichtfüßigen Wildarten alle pompösen, großblumigen, knallbunten Züchtungen.


Text und Fotos: Ludwig Fischer