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Vorfrühling, Kälteverluste und freudevolle Erwartungen

Fast genau vor einem Jahr, am 16. März 2008 blühten in Jamlitz die Forsythien und die Veilchen. Die Phänologen nennen diese Phase „Erstfrühling“.
Am 18. März 2009 betrat ich nach einer Pause von 3 Wochen wieder jamlitzer Boden. Neugierig auf die Pflanzenentwicklung und darauf, wie sich die zwei etwas aus dem Rahmen fallenden Witterungsereignisse ausgewirkt haben. Das Jahr 2008 war ja ungewöhnlich niederschlagsreich und der Winter wartete mit Tiefsttemperaturen von –21°C auf. Der Stand der Dinge: dies Jahr hinkt die Entwicklung deutlich hinterher. Wir haben erst Vorfrühling. Noch blühen die Schneeglöckchen, auch sämtliche Frühlings-Crocusarten. Iris reticulata haben ihren Höhepunkt überschritten, prachtvoll blüht noch die Zaubernuss. Was der Garten jetzt braucht, das sind 3 warme Tage und 3 warme Nächte. Denn alles steht in den Startlöchern. Die Duftveilchen zeigen erstes Blau, einige vorwitzige Scilla blühen schon. Und die Forsythien bekommen dicke Blütenknospen.

Kälteverluste in Jamlitz

Von den letzten Wintern verwöhnt, hatte sich eine gewisse Sorglosigkeit eingeschlichen. Der Winter, der noch immer nicht ganz ausgestanden ist, hat mich und andere Gärtner wieder auf den Boden zurückgeholt: Klimaerwärmung heißt nicht, dass die Winter immer wärmer werden müssen!
Im Schutz einer Klinkermauer stand jahrelang der Schweizer Rosmarin ‘Gunder’. Er hat es diesmal nicht geschafft. Eine Rosa moschata alba plena, sie war schon annähernd 2 m hoch, musste bis zum Boden zurückgeschnitten werden. Die violetten ‘Bowles Mauve’-Goldlack-Hybriden sind total erfroren. Auch die schönen Löwenmäuler von der Insel Malta hat es wieder mal erwischt und dies, obwohl sie härter sind als der übliche Löwenmaul, Antirrhinum majus. Etwas lädiert ist die Lorbeer-Zistrose, Cistus laurifolius, sie wird aber wieder fußfassen. Die Mahonia bealii, ein wunderschönes stachliges Geschöpf mit sehr früher gelber, stark duftender Blüte, hat gelitten, wird in diesem Jahr nicht blühen, aber hoffentlich kräftig neu austreiben. Ob die Lavendelhecke aus ‘Fragrant Memories’ den Winter überstanden hat, muss sich noch herausstellen. Die obersten Blätter sind jedenfalls verdächtig trocken. Diese Intermedia-Gartenhybriden sind nicht so hart, wie der normale Gartenlavendel. Sie blühen etwas später, hellblau, duften wunderbar, aber sie sind in kalten Wintern gefährdet.
Symptomatisch für die Wärme der vergangenen Winter war das staudige, winterharte Verhalten des kalifornischen Goldmohns, Eschscholzia californica. In diesem Winter erfroren sie und es müssen neue Pflanzen aus dem reichlich verstreuten Samen entstehen.

Freudevolle Erwartungen

Alle Rosen, mit Ausnahme der Rosa moschata, sind in fabelhaftem Zustand. Es ist eine Freude, die gesunden Triebe und Knospen der Rosa alba ‘Maxima’ zu begutachten oder auch die Rose de Resht, diese alte, bei uns noch junge Strauchrose. Dass die Gallica-Rosen keinerlei Probleme hatten, versteht sich von selbst. Im Heidegarten am Kiefernwaldrand hat das Heidekraut erstaunlich zugelegt. Ihm scheint das feuchte Jahr 2008 gut bekommen zu sein. Die Jungpflanzen hatte ich hiesigen Wildbeständen entnommen, nachdem Calluna vulgaris aus gärtnerischen Kulturen kläglich versagt hatten. Auch die heimischen brauchten ein paar Jahre, um im Garten richtig in Gang zu kommen. Ein Besenginster in ihrer Nachbarschaft, Cytisus scoparius, legt jetzt nach dem feuchten Jahr richtig los und verspricht üppig zu blühen.

Der jamlitzer Sand scheint wie geschaffen für diverse Zwiebelpflanzen. Tulpen, Hyazinthen, Traubenhyazinthen, Crocus und Scilla gedeihen und vermehren sich reichlich. Etwas problematischer ist der trockene Boden für Narzissen. Dafür machen sich zwei andere „Geophyten“ hemmungslos breit und sind in Staudenbeeten manchmal störend: Ornithogalum umbellatum, der Milchstern und Gagea villosa, der Ackergelbstern.
Der schönste Geophyt, wie angepasst an das hiesige Klima und auch dem kalten Winter trotzend, das ist die Madonnenlilie, Lilium candidum. Schon spitzen aus den überwinterten Blattschöpfen die Triebe hervor, die Ende Juni die Blütentragen werden. Jedes Jahr kommen ein paar neue Blütenstiele hinzu.


Text und Fotos: Christian Seiffert