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Von der Fliederblüte in Jamlitz

Anfang Mai, zusammen mit der Apfelblüte, also im Vollfrühling, könnte man in Jamlitz das Fliederfest feiern. Mir ist kein anderer Ort bekannt mit so vielen Fliederbüschen. In unserem Duftgarten meint man in diesen Wochen, es gäbe überhaupt nur Flieder und kaum andere Gehölze. Dabei sind nicht etwa neue Flieder von mir gepflanzt worden. Sie alle stammen aus der Zeit meiner Großeltern und Eltern. Einer der "jüngsten" Flieder heißt "Andenken an Ludwig Späth". Mein Vater pflanzte ihn 1942 auf das Gartenbeet meines jüngeren Bruders. Seine Blüten, ein tiefes rötliches Violett, duften intensiv und weittragend, ein herber, würziger aber auch lieblich-blumiger Duft (BHWW). Alle anderen Fliederbüsche, vor allem in der Hecke an der West- und Südgrenze des Grundstückes, blühen entweder weiß oder lila in verschiedensten Farbspielen.

Die Vermehrung der Flieder erfolgt reichlich und schneller, als es einem lieb sein kann. Die Neigung, neben einer tiefen Hauptwurzel den Boden flach und sehr stark zu durchwurzeln, ist mit der ständigen Bildung von Schösslingen verbunden. Damit nicht genug, versamt sich der Flieder. Das aber alles nimmt man in Kauf für 14 Tage üppigster Blüte und herrlichsten Duftes.
Der Flieder, Syringa vulgaris, kommt aus dem Balkan und Südwestasien. Es war ein Diplomat der Habsburger, der im 16. Jahrhundert den Flieder von Konstantinopel  nach Wien brachte. Ogier Ghislain de Busbecq, so hieß der Diplomat, hatte aber noch mehr im Handgepäck, nämlich Tulpen- und Hyazinthenzwiebeln! Bis der Flieder jedoch zum beliebten Gartengehölz aufstieg, vergingen noch 300 Jahre. Erst im 19. Jahrhundert interessierten sich die Baumschulen für den Flieder. Vor allem war es Victor Lemoine, der 1849 in Nancy eine Gärtnerei gründete und sich gleich sehr erfolgreich mit der Züchtung von Flieder aber auch von Päonien befasste.
Die Zeit der Fliederblüte in Jamlitz hat neben Duft und Schönheit des Flieders eine weitere Attraktion zu bieten. In den Gebüschen, manchmal auch in den Fliedern singen die Nachtigallen!


Text und Fotos: Christian Seiffert