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Von Blumen, Summern und Brummern

Wir wissen es mittlerweile alle – denn die verstörenden Nachrichten, die uns über den seit vielen Jahren zu beobachtenden dramatischen Artenschwund in der Insektenwelt erreichen, machen nun endlich auch die Medien mehr und mehr zum Thema. Und wir leidenschaftlichen Gartenleute tun gern alles, was im Rahmen unserer Möglichkeiten steht, um den bedrohten Pollen- und Nektarsammlern zu helfen. Das ist doch wohl Ehrensache, oder? Noch der kleinste insektenfreundlich bepflanzte Blumenkasten trägt dazu bei! Jeder kann also einen Beitrag leisten.

So der hehre Vorsatz.

Natürlich habe auch ich mir vorgenommen, unsere Dachterrasse attraktiver für Summer und Brummer zu machen – aber ich stelle fest, dass so manche Tücke in meinem Kopf liegt. Man mag mich für inkonsequent halten (zu Recht), aber ich kann mir (m)einen Garten oder (m)eine Terrasse nicht vorstellen, ohne ein paar Blumen oder exotische Gewächse, die für Insekten leider unattraktiv sind. Rosen, die dicht gefüllt sind, müssen einfach sein, wenigstens ein paar davon. Ohne Fliederduft will ich nicht in den Mai tanzen, Oleander erinnert mich an mediterrane Urlaube und Stefan liebt seine Hortensie. Tulpen, vor allem Wildtulpen, bieten offenbar wenigstens einen kleinen Snack für frühe Hummeln und Bienen, bei Stiefmütterchen bin ich mir da allerdings nicht so sicher …

Und so sehe ich zu, mit anderen Pflanzen Gegengewichte zu schaffen. Mit Stauden, die ich persönlich mag, ist das kein Problem. Die üblichen Verdächtigen unter den Rosenbegleitern wie Katzenminze (Nepeta), Zier-Salbei (Salvia) oder Lavendel (Lavandula) sind sogar ausgesprochen insektenfreundlich. Da ich ja alles in Kübeln kultiviere, habe ich den Vorteil, den trockenheitsliebenden Pflanzen – allen voran dem Lavendel – das richtige Substrat geben zu können, ohne partieweise einen satten Rosenboden abmagern zu müssen. Regelrecht verliebt bin ich in die Ästige Graslilie (Anthericum ramosum), eine heimische Pflanze mit feinsten Lilienblüten, die im Wind zu tanzen scheinen. Übrigens sind die meisten heimischen Pflanzen für Bestäuber interessant.

Doch auch etliche Schönheiten aus nah und fern entpuppen sich als überraschend insektenfreundlich! Die Prachtkerze (Gaura lindheimeri) und besonders das Patagonische Eisenkruat (Verbena bonariensis) werden ja geradezu von Bienen, Schmetterlingen und Schwebfliegen belagert. Und zu meiner allergrößten Freude bekommen auch Zinnien, Schmuckkörbchen und meine heiß geliebten Löwenmäulchen viel Besuch von Bienen, Faltern und Co.. Bei Dahlien ist das auch so … jedenfalls bei Sorten, die noch offene Staubgefäße zeigen. Obwohl ich gerade Kaktus-Dahlien wie ’Nuit d’eté’ toll finde, fällt es mir zunehmend leichter, mich für Sorten wie ’Bishop of Landaff’ und die anderen "Bishops" zu begeistern, oder so etwas Hübsches wie ’Bright Eyes’. Mir gefielen immer schon Dahliensträuße gut, die aus möglichst vielen unterschiedlichen Sorten zusammengestellt werden. Darin dürfen dann auch gern einmal gefüllte Blüten auftauchen – sie sind das „Gewürz“, das diesem "Blumengericht" erst Raffinesse verleiht. Die Mischung macht’s (wie immer) …

Und – schwupps – sind wir bei würzenden Pflanzen. Wie toll ist das denn, dass fast alles aus der Welt der Kräuter und Gewürze auch bei Insekten überaus begehrt ist! Minzen auf dem Balkon sind ja sowieso ein Muss – ich habe die kühlste, schattigste Stelle für sie reserviert. Limonaden, Eistees oder Drinks sind ohne sie im Sommer undenkbar. Schnittlauch und das spät blühende und deshalb für das summende Volk besonders wertvolle Berg-Bohnenkraut sind ebenfalls beliebte Anflugkandidaten. Mit Dill startete ich dieses Jahr einen Versuch, die Petersilie vom letzten Jahr mickerte zwar vor sich hin, blühte aber immerhin. Sie wird im Herbst oder im nächsten Frühjahr von Liebstöckel (Levisticum officinale) ersetzt, aber ob der Riesenkerl sich halten kann… und hoffentlich wird er nicht so monströs wie einst im Schrebergarten. Vielleicht sollte ich doch lieber den wesentlich kompakter wachsenden Schottischen Liebstöckel (Ligusticum scoticum) ausprobieren. Er würde aufgrund seiner Herkunft schließlich perfekt zu meinem Kilt passen – Scherz beiseite, auch seine schönen weißen Blütendolden, das sattgrüne Laub und der horstige Wuchs sind verlockend dachterrassentauglich.

Und wie finden die Summer und Brummer meine heiß geliebten sommerblühenden Zwiebelblumen? Das werde ich bis zum Herbst genauer wissen! Ich bleibe am Ball, zähle die fliegenden Besucher … und werde berichten, versprochen!


Text: Andreas Barlage
Fotos: Staudengärtnerei Gaißmayer