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Vom Juniduft in Jamlitz

Zur Zeit frage ich mich, warum die Wohlgerüche der Welt, der Gartenwelt, zur gleichen Zeit alle Register ziehen müssen. Schon bei der Fahrt durch die Mark Brandenburg wurde mir klar, dass Großes bevorsteht: Die Robinien begannen zu blühen. Wenn die "Akazien", wie sie die Brandenburger nennen, blühen, meldet sich in Jamlitz am Gartenzaun der wohlriechende Wein, Vitis riparia, mit seinem frischen, animalischen, sekthaften Duft. Den haben übrigens alle Vitis-Arten an sich, nur blüht der Duftwein früher und duftet sehr viel intensiver. Wenn man diesen Kletterwein im Hochsommer zurückschneidet, blüht er sogar ein zweites mal.

Erstaunlich ist die lange und üppige Blüte der Taglilien Hemerocallis minor und Hemerocallis lilioasphodelus. Sie beweisen Jahr für Jahr aufs Neue, wie wohl sie sich im Sandboden fühlen. Ihr intensiver Duft konkurriert mit dem Wein. Diese beiden frühen Arten werden bald abgelöst von Hemerocallis citrina und Hemerocallis fulva, beide Arten voller Knospen.

Vor der Haustür empfingen mich 1.20 m hohe Prärielilien, Camassia leichtlinii 'Alba'. Sie blühen 4 Wochen nach den blauen Camassia cusickii.
Natürlich war meine Nase neugierig und war über die weißen Sternenblüten an den langen Ähren höchst erstaunt. Der "Duft" ist herb, frisch, etwas stinkig an Metall erinnernd. Die ideale Pflanze für Leute, die in ihrem Duftgarten Kontraste brauchen.
Wie wichtig solche Kontraste sind, belegt dieser Juni. Wein, Robinien, Rosen, Taglilien, Nelken, noch einige Schwertlilien und die Edelpäonien, das ist fast zu viel des Guten. Wie erfreulich, dass es da die 'Johanniswolke' gibt. Wer mit der Landwirtschaft auf vertrautem Fuß lebt, weiß sofort, dass die Johanniswolke nach Schweinestall riecht. Das aber ist das einzige Übel, das man ihr nachsagen kann. Es handelt sich um einen Knöterich, der bislang Polygonum polymorphum genannt wurde. Jetzt heißt er, noch unvollkommen, Aconogonon spec. und wird bis zur endgültigen Namensgebung einfach 'Johanniswolke' genannt.

Die Wolke in Jamlitz steht jetzt im 4. Jahr, ist z.Zt. 1.70 m hoch und 1.50 m im Durchmesser. Wie die Größenentwicklung weitergeht, ist abzuwarten. Die Wolke erhält weder irgendwelchen Dünger, wird nicht gewässert und bekommt auch keinen Kompost. Sie steht im brandenburger Sand bei sehr geringen Niederschlägen. Wer sie in seinen Garten holt, sollte andere Stauden mit viel Abstand pflanzen und den Leerraum in den ersten Jahren mit Sommerblumen füllen. Die Johanniswolke ist eine wunderbare Solitärstauden. Sie blüht seit Anfang Juni und sieht auch später bis in den Winter hinein sehr ansprechend aus. Die Blüten verfärben sich dann rosa-bräunlich, das Laub wird rotbraun, im Winter bilden die "Stämme" eine interessante Skulptur im Schnee.

Und noch eine Meldung von den Madonnenlilien. Der große Horst auf dem Terassenbeet hatte in den letzten Jahren 15 Blütenstiele. Damit er neue Kraft schöpfen kann wurde er immer mit Kompost versorgt. Genützt hat dies nun nicht mehr. Die Triebe blieben stecken und werden in den nächsten 4 Wochen ganz einziehen. Vermutlich stehen die Zwiebeln so dicht und gedrängt, dass an Blühen nicht mehr zu denken war. Also werde ich im August den ganzen Horst aufnehmen und die Zwiebeln verteilen.


Text und Fotos: Christian Seiffert