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Vom Abenteuer, einen Igel zu fotografieren

Ein Igel wohnt seit Jahren in unserem Kreativgarten. Ich sehe ihn zwar selten, doch die Hinterlassenschaften auf den Wegen schreibe ich ihm zu und weiß also, dass er immer noch da ist. Manchmal begegnet er mir sogar am hellen Tag. Zum Beispiel vor ein paar Jahren: Da saß er auf der Trockenmauer genau in meiner Augenhöhe und blickte mich an. Er rollte sich noch nicht einmal zusammen! Leider hatte ich gerade in diesem Augenblick keine Kamera bei mir.

Ein anderes Mal sah ich ihn rund um den Badeteich spazieren und dann schließlich auf einem der Wege den Erdwall ansteuern. Ich ging ihm nach, um herauszufinden, wo er seinen Unterschlupf hat. Doch keine Chance, er verschwand im Dickicht der Stauden, und ich hatte wieder keine Kamera dabei. Doch neulich, gegen Abend, als ich gerade Schnecken absammelte, sah ich ihn plötzlich am Fuß der kleinen Ziegeltrockenmauer, die den Feuerplatz begrenzt. Schnell holte ich mein I-Phone. So richtig zusammengerollt hatte er sich noch nicht, doch den Kopf eingezogen. Ich hätte ihn doch zu gern in voller Schönheit fotografiert. Ehe er sich ganz zusammenrollen oder verschwinden würde, knipste ich ihn dennoch so gut es ging. Dann kam mir eine Idee. Ich hob eines der Bretter auf, die als Trittpfade zwischen den Gemüsebeeten dienen, sammelte zwei, drei Schnecken ein und legte sie auf die Trockenmauer. Dann hob ich den Igel auf und legte ihn mit der Nase direkt vor die Schnecken. Doch er rührte sich nicht, sondern stellte sich schlafend. In Ermangelung einer besseren Gelegenheit machte ich noch ein Foto. Dann ging ich ein paar Schritte weit weg, um weitere Schnecken zu sammeln, warf aber immer wieder einen Blick zu ihm hinüber. Da! Plötzlich war er wieder auf allen vier Beinen und lief davon. Ich ihm hinterher. Doch er verkroch sich zwischen Stauden.

Schließlich lief er weiter, unter den Holunderstrauch, wo wenig anderes wächst und er sich nicht verkriechen kann. Dort konnte ich ihn endlich erwischen und im nicht zusammengerollten Zustand ganz aus der Nähe fotografieren. Gleich darauf lief er davon und ward nicht mehr gesehen. Wo er sein Winterquartier hat, weiß ich nicht. Dabei habe ich ihm einige Möglichkeiten geschaffen! Doch wie ich den Kerl einschätze, hat er sich längst an anderer Stelle eines geschaffen.


Text und Fotos: Wolfram Franke