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Verrückt nach Grün und Rosen

Die erste Ehefrau von Napoleon Bonaparte, Joséphine de Beauharnais, war eine schillernde Persönlichkeit. Als Kaiserin von Frankreich konnte sie ihrer großen Leidenschaft frönen – der Begeisterung für Rosen! Und Platz dafür hatte sie wahrlich genug. Der ausgedehnte Garten ihres Lieblingsschlosses Malmaison bei Paris bot Raum, um sämtliche damals bekannten Rosensorten aufzunehmen - keine sollte fehlen.

Joséphine befahl sogar den Soldaten ihres Mannes, alle Rosen, auf die sie während ihrer Kriegszüge stießen, auf ihr Landgut zu schicken. In ihrem Auftrag konnte ein mit einem besonderen Ausweis versehener englischer Rosenspezialist trotz der Kriegshandlungen alle Grenzkontrollstellen unbehelligt hinter sich lassen, um für Rosennachschub zu sorgen. Auch pflegte sie einen intensiven Austausch mit den bekanntesten Rosengärtnereien und Baumschulen Europas, um an die seltensten und begehrtesten Pflanzen zu kommen. Die schönsten Exemplare ihrer Rosen ließ sie von dem bekanntesten Pflanzenmaler Redouté in einem Buch mit prachtvollen Zeichnungen festhalten. Noch heute bezaubert das Werk „Les Roses“ Rosenfreunde aus aller Welt!

Ihr Garten umfasste damals die größte Rosensammlung der Welt, und bei ihrer Sammelleidenschaft erhielt sie tatkräftige Unterstützung: Ihre Schwägerin Cathérine, die mit dem Bruder Napoléons verheiratet war, sandte ihr von ihrem Wohnsitz auf Schloss Wilhelmshöhe in Kassel neue Rosen. Aus dem chinesischen Kanton lieferte ihr Sir Abraham Hume 1809 eine bis dahin unbekannte Schöne nach Frankreich: die „Rosa indica odorant“ oder auch „Bengale à l’odeur de thé“ – eine Vorfahrin der zarten und sehr beliebten Teerosen. In England ist sie als „Hume’s Blush Tea-scented China“ bekannt. Zwischen England und Frankreich wurde übrigens eigens eine politische Sondervereinbarung getroffen, um diese Rose nach Malmaison zu bringen!

Doch nicht nur Rosen gelangten in den Garten der Kaiserin: Auch Pflanzen als Ausbeute der Weltreisen berühmter Wissenschaftler sowie Lieferungen aus den Botanischen Gärten von Schönbrunn und Berlin fanden ihren Weg nach Frankreich, obwohl man mit beiden Ländern Krieg führte. Der Gärtner und Botaniker Aimé Bonpland, ein Freund Alexander von Humboldts, kümmerte sich darum, die begehrten Pflanzenschätze an ihrem neuen Standort erfolgreich zu kultivieren. Es wird berichtet, dass er die Rosen in einem Beet so anordnete, dass sich aus den Anfangsbuchstaben der einzelnen Rosensorten der Name Joséphine ergab. Schöner kann man der Verehrung für seine Auftraggeberin nicht Ausdruck verleihen!

Ein Zeitgenosse über Joséphine Beauharnais und ihren Garten Malmaison:

„Sie ließ uns die großen Gewächshäuser durchlaufen und benannte uns dort diese seltenen Pflanzen, welche die Kunst und Geduld des Menschen in unserem Klima wachsen ließen. Es ist hier, sagte sie uns, wo ich mich glücklicher fühle, wenn ich den Purpur des Kaktus studiere, als wenn ich den ganzen Prunk betrachte, der mich umgibt … hier sind meine schönsten Eroberungen, … der Jasmin … erinnert mich an meine Heimat, meine Kindheit und … wirklich, als sie das sagte, erschien ihre kreolische Stimme wie Musik voll Ausdruck und Zartheit!“

 


Text: Antje Peters-Reimann
Fotos: Staudengärtnerei Gaißmayer