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Unser ganzer Stolz, der Diptam

So ganz genau weiß ich nicht mehr, wo ich ihn zum ersten Mal gesehen habe. Doch er gefiel mir auf Anhieb. Als ich dann aber unseren Reihenhausgarten neu gestaltete, stand für mich fest: Dort muss ein Diptam rein, und der bekommt einen Ehrenplatz.

Mit dem Aushub für mein Erdgewächshaus legte ich zwei von Nagelfluh-Trockenmauern eingefasste Stauden-Hochbeete an. Die Oberfläche des großeren Beetes ist leicht gewölbt, und genau dort in der Mitte an der höchsten Stelle pflanzte ich einen Diptam (Dictamnus albus). Alles andere musste sich ihm unterordnen. Dort wächst er Jahr für Jahr aus seinem sehr kräftigen Wurzelstock zu einer stattlichen, alles auf diesem Beet überragenden Staude heran. Egal wo wir uns gerade im Garten befinden, den Diptam haben wir immer im Blick. Gerade jetzt hat er seine Blüten voll entfaltet. Ein wenig versucht ihm seit einem Jahr der Mohn (Papaver orientale) die Show zu stehlen. Er hat sich in seiner unmittelbaren Nähe selbst ausgesät. Und mir widerstrebt es, eine so schöne Staude herauszureißen, nur weil sich die Farbe seiner Blüten mit dem Rosa des Diptam „beißt“. Außerdem macht er ihm nicht wirklich Konkurrenz. Im Gegenteil, auch wenn das Orangerot des Mohns kräftiger ist, so sind die kerzenförmigen Blütenstände des Brennenden Buschs doch viel eindrucksvoller.

Brennender Busch: Den Namen hat die Staude aufgrund seiner ätherischen Öle, die man an warmen Sommerabenden sichtbar machen kann, indem man ein brennendes Feuerzeug an seine Blüten hält, dann soll es eine Stichflamme geben. Ich habe das noch nie gemacht, denn ich finde, dieser Name trifft auch ohne diesen Beweis auf diese prächtige Staude zu. Die Blütenstände sind ein Feuerwerk, das einen Duft verströmt, den man einfach einmal erlebt haben muss. Beschreiben lässt er sich schwer, er wechselt so etwa zwischen Zitrone, Zimt, Kümmel …“

Der Boden in unserem Garten ist mit einem pH-Wert von 7,2 schwach alkalisch und locker. Jedes Jahr breiten wir reifen Kompost auf den Beeten aus. Das lässt den Diptam an seinem größtenteils sonnigen Standort prächtig gedeihen. Nur im Frühjahr bereitet er uns Sorgen, wenn er seine ersten Triebe an die Oberfläche schiebt. Die sind ein Leckerbissen für Schnecken. Wir haben deshalb eigens um ihn herum einen Schneckenzaun errichtet und passen dennoch höllisch auf, um ihn vor den gefräßigen Schleimern zu schützen.

Drei, vier Wochen und mehr können wir uns an seinen einzigartigen Blüten erfreuen, und nachdem sie fast unmerklich verwelken, bleiben die nicht minder eindrucksvollen Samenkapseln an den Blütenstielen bis weit in den Herbst hinein, und sie duften ebenfalls. Wenn sie aufspringen schleudern sie ihren Samen kraftvoll rund herum auf das Beet. Doch zwischen den dicht ineinander gewachsenen Stauden und Kräutern geht die Saat kaum auf. Wir haben den Samen auch schon gesammelt und versucht in einer Schale auszusäen, ein junges Pflänzchen ist uns gelungen, doch leider wurde sie dann auch ein Opfer der Schnecken. Natürlich könnten wir einfach noch eine, zwei oder drei Diptam-Pflanzen kaufen, zum Beispiel in der Staudengärtnerei Gaissmayer, da wüssten wir, dass wir eine gute Qualität bekommen. Aber wir haben ja unseren Ehrgeiz und Stolz: es muss ein Kind von unserem Diptam sein. Wenn’s gelingt, dann pflanzen wir es in unseren Kreativgarten auf dem Reitsbergerhof.

Siehe auch www.gartenschreiber.de


Text und Fotos: Wolfram Franke