header

Spätsommerblüten 2

Nun zieht mit jedem Tag hier in Norddeutschland der Herbst unverkennbarer im Schaugarten ein, mit Regen, Wind und schon ziemlich kühlen Nächten. Viele Kräuterstauden fangen an zu vergilben und zu verdorren. Aber noch trotzen einige Spätsommerblüten dem zeitweise unwirtlichen Wetter – umso mehr freut sich der Gärtner, wenn sie bei Sonne (doch, sie wärmt noch manche Tage!) aufleuchten, als wollten sie anzeigen: Es ist noch nicht zu Ende für dieses Jahr!

Im Halbschattenbeet bietet die aparte Dunkellaubige Silberkerze (Cimicifuga ramosa ‘Atropurpurea’) das strahelndste Weiß ihrer Blütenkerzen auf, und die fast schwärzlichen Admiral-Falter, die es besonders zu faulendem Fallobst zieht, nehmen gern ein paar Nektarprisen mit – ein malerischer Anblick.

Auch die letzten, dunkelblau blühenden Agastachen oder Duftnesseln (Agastache rugosa Hybride ‘Blue Fortune’) ziehen die späte Generation der Schmetterlinge an, so wie einer der auffälligsten Spätblüher im Schaugarten, das Patagonische Eisenkraut (Verbena bonariensis). Die leuchtend blauen Blütendolden schweben auf hohen, stark verzweigten Stängeln und geben in der Gruppe ein faszinierendes Bild ab. Diese Verwandte unseres einheimischen Eisenkrauts (Verbena officinalis) – das ein uraltes Heil- und Ritualkraut ist – zählt nicht zu den Kräutern im genauen Sinn, aber sie darf als attraktives Familienmitglied der Verbenen sich hie und da einen Platz suchen. Sie gehört zu den Einjährigen, treibt aber oft im zweiten oder auch dritten Jahr noch einmal aus. Deshalb ist es kein Unglück, wenn in einem harten Winter ein überdauernder Wurzelstock erfriert.

Aus Nordamerika stammt das schöne, an feinen Rispen blühende Lanzen-Eisenkraut (Verbena hastata), dem ähnliche Heilwirkungen wie unserer einheimischen Verbene zugeschrieben werden. Es sät sich, wenn man es zulässt, überall im Garten aus und ist völlig winterhart. So setzt es jetzt mit vielen, unermüdlich nachkommenden, blauen Blüten hübsche Akzente. Es gibt auch eine weiße Form, die nicht so ausbreitungsfreudig zu sein scheint.

Im “Zwiebelzwickel”, zu Beginn der “Küchenzeile”, lässt sich der Duftlauch oder Chinesische Lauch (Allium racemosum) immer noch nicht unterkriegen und hält seine weißen, doldenartigen Blütenstände hoch.
Man kann ihn als Schnittknoblauch nutzen. Er sät sich leicht aus und kann große Bestände bilden.

Im Klosterbezirk, im Apothekerschach und in der Küchenzeile beeindruckt der über zwei Meter hohe Gewürzfenchel (Foeniculum vulgare) mit einer Fülle blass-gelber Dolden. Auch wenn das stark nach Anis schmeckende, dillähnliche Laub – eine hervorragende Würze in Salaten und Soßen – schon zu welken beginnt, scheint das Blühen des Fenchels kein Ende nehmen zu wollen. Weil aber die vielen Dolden an den stattlichen, verzweigten Stauden nicht alle zur gleichen Zeit blühen, bilden sich an einigen schon die Samenkörner, die, wenn sie gereift sind, für Teemischungen geerntet werden. Nicht nur bei Kleinkindern lindert Fencheltee Magen- und Verdauungsbeschwerden, und das Anis-Aroma bereichert vielerlei Kräutertees.

Am Teichrand fallen die schon lange die weinroten, auf den hohen Stielen thronenden Dolden des Wasserdosts (Eupatorium rugosum – jetzt: Ageratina altissima) auf. Er stammt aus Nordamerika und enthält ein sehr starkes Gift, dem nicht nur das Vieh, sondern auch viele Menschen bei der Besiedelung des Kontinents zum Opfer fielen. Die einheimische Verwandte (Eupatorium cannabinum) bietet malvenfarbene Blüten – beide Arten gehören zu den intensivsten Schmetterlings-magneten. Der bei uns in Feuchtgebieten wild wachsende Wasserdost gilt – ähnlich wie die nordamerikanische Arten Eupatorium purpureum und Eupatorium perfoliatum – in der Kräutermedizin und der Homöopathie als wichtige Heilpflanze (Arthritis, Rheuma, innere Erkrankungen). Die bis zwei Meter hohe Schmuckstaude Eupatorium fistulosum, von der es weiße bis purpurrote Züchtungen gibt, gehört zu den beeindruckendsten Spätblühern im Staudengarten.

Im Vergleich zu den großblumigen und farbenreichen Schmuckstauden nimmt sich aber die Spätsommerblüte im Kräutergarten relativ bescheiden aus. Sozusagen zum Ausgleich kann man dann einiges ernten.


Text und Fotos: Ludwig Fischer