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Rudbeckia triloba

Man kann im Garten nicht alles steuern. Und das ist gut so. Die Besonderheit etwa der kurzlebigen bzw. zweijährigen Stauden ist nämlich ihr jährlicher Standortwechsel. Im Jamlitzer Garten kannten wir das von den verschiedenen Königskerzen, von Nachtkerzen und von der Eselsdistel, Onopordum acanthium, deren große Gestalten mal hier mal dort auftauchten. Neu hinzugekommen ist Rudbeckia triloba, zu Deutsch Dreilappiger Sonnenhut, englisch Braunäugige Susanne. Beide Namen taugen nichts. Blätter sind keine Lappen, und die Augen der Susanne sind nicht braun, sondern schwarz. Dabei hat sich der Name Rudbeckie schon ganz gut eingebürgert, auch wenn der Namensgeber Rudbeck, Arzt und Botaniker des 17. Jahrhunderts, Schwede war. Der Name ist eigentlich so selbstverständlich geworden, wie Zinnie und Forsythie.
Unter den vielen gartenwürdigen Rudbeckienarten, stellt Rudbeckia triloba eine Besonderheit dar. Sie ist kurzlebig, d.h. nicht ganz so kurz wie Rudbeckia hirta, die schon im Aussaatjahr blüht und einjährig ist. R. triloba ist zweijährig, manchmal bei zeitigem Rückschnitt schafft sie noch ein Jahr. Sie samt von selbst aus, ihm Spätherbst und Winter, vorausgesetzt, man schneidet sie nicht vorzeitig ab. Im Folgejahr entwickelt sie sich zu einer kräftigen Pflanze, die im übernächsten Jahr dann blüht. Und das ist ein sehenswertes Ereignis. In diesem Jahr begannen einige im Halbschatten stehende Exemplare schon im Juli zu blühen. Die Hauptblüte findet jetzt im August statt, zieht sich aber manchmal bis in den November hin. Oft sind es hunderte von Blüten an einer Pflanze mit leuchtend gelben Zungenblüten und einem intensiv schwarzen Auge. Die Blüten sind kleiner, als bei anderen Rudbeckien. Sie gleicht das aber durch die enorme Zahl an Blüten aus. Die Pflanzen sind blühend ungefähr 1 m hoch. Und ihre Blätter sind dreigeteilt, daher der Name R. triloba.
Neu in Jamlitz ist eine weitere standortwechselnde zweijährige Staude: Salvia sclarea, der Muskateller-Salbei. Auch ein Gigant, auch mit unzähligen Blüten, die wie Perlmutt weiß, violett und bräunlich leuchten. Manchmal möchte ich ihn Perlmutter-Salbei nennen. Aber diese Pflanze ist hocharomatisch, wurde zum parfümieren der Muskatellerweine verwendet. Der Berührungsduft, vor allem des blühenden Stängels ist würzig, harzig herb, und das in hoher Potenz. Ein großes Dufterlebnis.

Aber alle guten Dinge sind drei. Bislang kam in Jamlitz nur die schlichte, kleinblütige Nachtkerze vor, Oenothera biennis. Wie überraschte es mich, als in Bayern die Nachtkerzen viel größere Blüten besaßen, statt 2 cm Durchmesser 6 cm! Des Rätsels Lösung: Es handelt sich um zwei verschiedene Arten. Die Kleinblütige hat sich mehr im Norden Deutschlands, die Großblütige im Süden verbreitet. Beide kommen aus Nordamerika. Die Großblütige besitzt rötliche Kelchblätter, was man besonders gut kurz vor dem Aufblühen erkennt. Sie heißt botanisch Oenothera glacioviana. Da sie nun einmal sehr viel attraktiver als Oenothera biennis ist und weil sie im bayerischen Garten immer vorkommt, wurde etwas Samen davon in Jamlitz ausgestreut. Es geht nun langsam damit voran. Einige Prachtnachkerzen zeigen bereits was sie können, und sie werden sich hoffentlich tüchtig vermehren. Wenn es nicht zu Hybriden kommt, wozu die Nachtkerzen gerne neigen.


Text und Fotos: Christian Seiffert