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Rotlaubiges Purpurglöckchen 'Palace Purple'

So genau weiß ich gar nicht mehr, wann und unter welchen Umständen das erste Exemplar dieses Purpurglöckchens sich in meinen Garten gemogelt hat. Bis zu diesem Zeitpunkt kannte ich Landei lediglich grünlaubige Sorten der Gattung Heuchera mit elfenfeinen purpurfarbenen oder zartrosa Blüten, die sich ohne Probleme, aber auch ohne besonders aufzufallen, im Garten aufhielten. Das rotlaubige Heuchera gebärdete sich völlig anders.
Schon allein die Form des Laubes erinnert eher an ein Ahornblatt als an das eines Purpurglöckchens. Die Oberfläche wirkt wie gehämmert und glänzt stark. Fantastisch ist der Farbkontrast zwischen der Ober- und der Unterseite der Blätter. Man schaut auf ein Rotbraun, das zwischen Bronze und Kastanie schwankt. Die Rückseite der Blätter weist ein hübsches Purpur auf – passend zum deutschen Namen. Da es hin und wieder durchblitzt, wirkt die Pflanze trotz ihrer dunklen Farbtöne stets lebendig. Im Frühsommer schmücken sich die Pflanzen mit einer Vielzahl winziger wollweißer Blütchen an fadendünnen Stielen. Wind und Wetter schrecken diese Pflanzen ebenso wenig wie Schnecken. Selbst im Winter hält sich dieses Purpurglöckchen züchtig mit Blättern bedeckt, wenn sie auch durch Frost und Schnee zu Beginn des Frühlings etwas ramponiert aussehen mögen. Aber das macht nichts, schließlich treibt die Pflanze bald wieder neu aus.

In Windeseile bewährte sich das dunkelschöne Heuchera als Schlichter in allen, aber auch allen Gartenlebenslagen – und das sowohl auf leichten wie auf schweren Böden, in milden wie in rauen Klimaten. Zuerst gesellte ich ihr farbähnlich blühende Stauden zu; etwa rotbraune Taglilien oder tief kastanienbraunrote Dahlien und Chrysanthemen. Totschick stehen dazu auch rotlaubige Dahlien, wie die der "Bishop"-Gruppe.
Dann experimentierte ich mit allen Rosa, Purpur und Pinktönen herum und freute mich über das Ergebnis. Mutig geworden flossen dann auch hier und da flammendes Orange und zartes Gelb ein und selbst nobles Blau macht sich bestens zum dunklem Laub.

Nach dem Kombinieren mit Blütenfarben, machte ich mich an die hohe Kunst der Gestaltung unterschiedlich strukturierter Blattschmuck-Stauden. Ich war auf Kontraste aus und pflanzte fröhlich Bänder und mehrreihige Einfassungen aus Heuchera und silbrigem Currykraut (Helichrysum), Polsternelken (Dianthus) oder Heiligenkraut (Santolina). Um die Blattwirkung konsequent zu erhalten, habe ich in diesen Fällen die Blütenstände abgeschnitten und in die Vase gestellt, sowie die ersten Blüten sich öffneten; alles andere wäre mir zu fusselig gewesen.
Ganz anders hingegen zeigte sich mein Schnittverhalten als ich auch noch eine meiner 20 absoluten Lieblings-Rosensorten, die cremefarbene kompakte Edelrose 'Ambiente', mit dem Purpurglöckchen 'Palace Purple' vergesellschaftete. Hier setzten die weißen Blüten natürlich zauberhafte Akzente zu den gleichfarbenen Rosen. Dazu noch eine kleine Gruppe einer weißen Taglilie mit roter Ringzeichnung (etwa 'Pandora', 'Siloam Ury Winiford' oder 'Moonlit Masquerade') und das Dreamteam ist perfekt.
Mittlerweile ist die Gattung Heuchera stark in Mode gekommen und viele wertvolle, sehr hübsch geformte und gefärbte Sorten sind erhältlich – wenn auch bei ihnen nicht alles Gold ist, was glänzt. Da halte ich mich doch lieber an die bewährte, gute "alte" 'Palace Purple'. Prädikat: Ein hinreißendes, universell einsetzbares gestalterisches Allheilmittel garantiert ohne Nebenwirkungen.


Text und Fotos: Andreas Barlage