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Revue der Thymiane

Jetzt, in der zweiten Maihälfte, ist endgültig entschieden, welche Verluste der strenge Winter bei den Mittelmeerkräutern beschert hat. Ich hatte über die Schotterbeete im Schaugarten – den Lavendelbogen mit reinem Kalk-Schotter und die Mittelmeerspange mit Diabas-Schotter – ein Vlies (70 g/qm) gelegt, eher als Sonnenfilter denn als Frostschutz. Mehrfach hatte der Wind die Vliesbahnen angehoben, obwohl ich sie mit schweren Steinen fixiert hatte, und ich musste manche Partien immer wieder neu zudecken.

Ein bisschen bange war ich schon, als ich im warmen April die Vliese fortnahm. Einige Salbei-Pflanzen und mancher Rosmarin sahen arg mitgenommen aus, und die über 300 Lavendeltuffs, die Thymiane oberhalb der Trockenmauer, die meisten Heiligenkräuter (Santolina) machten doch einen etwas dürren Eindruck.

Aber dann legten sie los. Obwohl wir über sechs Wochen, von Ende März bis Anfang Mai, so gut wie keinen Regen bekamen, habe ich die mediterranen Partien, als einzige im ganzen Garten, nie gewässert – der Schotter hat die Wirkung von Mulch, der magere Humus um die Wurzeln trocknete nie aus.

Von den über 40 Lavendel-Arten und –Sorten hat nur eine – Lavandula x chaytorae ‚Sawyers’ – entschieden gelitten, die Hälfte der Pflanzen ist hin. Die übrigen haben üppig getrieben, viele Blüten angesetzt, und die ersten zeigen schon offen Farbe!

Am meisten haben mich aber die Thymiane überrascht. Selbst die Hybriden wölben sich so wunderbar, wie ich es nicht erwartet hätte – der Ingwer-Thymian (Thymus Hybride ‚Ginger’) und der Duftkissen-Thymian (Thymus Hybride ‚Duftkissen’) waren bzw. sind über und über mit Blüten bedeckt, man sieht kaum Blätter. Die kriechenden Thymiane, etwa der Bergamotte-Thymian (Thymus spec. ‚Bergamotte’) oder der Rasen-Orangenthymian (Thymus vulg. ‚Orange Spice’) bilden leuchtende Matten, der zitronige, sehr dicht wachsende ‚Lammefjord’ (Thymus citriod. ‚Lammefjord’) hat sich enorm ausgebreitet, der aufrechte Orangenthymian (Thymus vulg. ssp fragantissimus) steht dicht belaubt und ist mit rosa Blüten überdeckt. Sogar die ein wenig heiklen panaschierten Sorten – der weiß-bunte ‚Silver King’ oder der gelb-bunte ‚Villa Nova’ – bilden geschlossene Kissen, als hätte es nie einen Winter gegeben. Ein wenig gelitten hat lediglich der weiß-panaschierte ‚Silver Poesie’, aber auch er treibt wieder durch.

Das Experiment mit den extrem mageren, drainierten Standorten und dem Bett aus grobem Schotter hat sich also bewährt – in all den Jahren hatte ich nie eine solche Parade von gesunden, dicht belaubten und reich blühenden Thymianen.


Text und Fotos: Ludwig Fischer