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Neue Phloxe braucht das Land

„Ein Garten ohne Phlox ist ein Irrtum!“ Karl Foerster hat diesen oft zitierten Satz vor vielen Jahrzehnten in einem seiner Bücher, man ist versucht zu sagen „ausgerufen“. Nur zu gern würden wir, wie seine Leser damals, diesem indirekten Apell folgen und begeistert Wälder von Phloxen in unseren Gärten pflanzen, uns berauschen an der auch damals schon erstaunlichen Vielfalt der Sorten, ihrer Schönheit, dem unverwechselbaren Duft.

Aber, lieber Karl Foerster, lassen Sie es sich posthum zu unserer Entlastung gesagt sein: Die Zeiten ändern sich. Leider.

Mit den Phloxen ist es schwieriger geworden. Denn es ist zwar so, dass Ihre Züchtungen, verehrter Meister, immer noch zu den vitalsten, gartenwürdigsten Sorten gehören, all die blumigen Namen finden sich nach wie vor in den Sortimenten: Feurig glüht ‘Düsterlohe’, legendär und weiß geäugt ist ‘Wennschondennschon’, ‘Schneerausch’, ‘Dorffreude’, und wie sie alle heißen, sind im kaum mehr überschaubaren Spektrum immer neuer Züchtungen aufgrund ihres Gartenwertes geblieben. Aber das sich wandelnde Klima macht diesen herrlichen, charakteristischen Hoch- und Spätsommer-Blühern immer mehr zu schaffen.

Zugegeben, anspruchslos waren sie nie, die hohen Sommer-Phloxe der Paniculata-Gruppe. Trotz unermüdlicher züchterischer Anstrengungen bewahrten sie sich hartnäckig die (genetische) Erinnerung an ihre nordamerikanische Heimat. Dort lebten und leben sie in niederschlagsreichen, meist bewaldeten Regionen wie Neuengland westlich der Appalachen oder auch entlang des Ohio. Nährstoffreiche, mineralhaltige Böden, absonnige, frühjahrsfeuchte Standorte sind ihr Zuhause. Erst im 18. Jahrhundert gelangten die wilden Vorfahren unserer prachtvollen Gartenschönheiten über das große Wasser nach Europa, und die züchterische Arbeit konnte beginnen.

Phloxe lieben Verlässlichkeit. Klimaschwankungen und dazu noch Frühjahrstrockenheit, wie wir sie jetzt immer häufiger erleben, setzen ihnen zu. Kommt noch ein nicht optimaler Standort hinzu, stehen die Feinde grimmig bereit: Nematoden, Viren, diverse Pilze, der Mehltau gern allen voran. Wer also mit Kummer beobachtet, dass seine ehemals stattlichen Sommerphloxe sich immer mehr in sich zurückziehen, sollte es unbedingt einmal mit den ebenfalls in Nordamerika beheimateten Großblatt-Phloxen (botanisch heißen sie „amplifolia“) versuchen. Sie machen seit einigen Jahren zu Recht von sich reden. Bei uns im Forsthaus-Garten haben wir zwar noch immer schöne Paniculata-Bestände, aber die hohe Luftfeuchtigkeit des am Rande des Sollings gelegenen Gartens mit reichlich nächtlichem Tau und fruchtbarer, lehmig-sandiger Erde hilft ihnen halt auch in Trockenperioden über die harte Zeit. Denn auch wir können uns seit einigen Jahren nicht mehr auf das gewohnte reichliche und regelmäßige Nass von oben verlassen.

Aber natürlich mussten die neuen Amplifolia-Züchtungen schon aus botanischer Neugier ausprobiert werden! Und da gibt es tatsächlich nur Gutes zu berichten. Auf den ersten Blick unterscheiden sie sich kaum von ihren „Brüdern“, erweisen sich aber als weitaus genügsamer und unkomplizierter. Mit Trockenheit, schattigeren Partien und sogar Wurzeldruck von Gehölzen (hier stehen einige unweit einer hohen Eibenhecke) kommen sie bei uns erstaunlich gut zurecht, Mehltau habe ich an ihnen noch nie gesehen, und dies, obwohl wir bereits das dritte schwierige Gartenjahr mit langen Trockenphasen erleben. Zwar ist die Auswahl der Amplifolia-Sorten gemessen am riesigen Paniculata-Sortiment noch recht übersichtlich, aber doch wunderschön. Alle Züchtungen, die wir bisher aufgepflanzt haben, blühen außerordentlich lange, denn nach der Hauptblüte bilden sich nochmals nachblühende Seitentriebe aus. Der hohe, leuchtend rötlich-violett blühende ‘Winnetou’ und der ebenso stattliche schneeweiße ‘David’ hielten hier als erstes Einzug und machten schnell deutlich, dass sie nicht unbedingt gewillt sind, sich an die in Katalogen zu findenden Größenangeben von 90-120 cm zu halten. Inzwischen sind auch einige kompakter wachsende Sorten im Angebot, was Besitzer kleinerer Gärten sicher gern hören. Aber wer Platz hat, darf halt großzügig planen – so wird mit ‘Great Smoky Mountains’ als nächstes wieder eine hochgewachsene Schönheit in unserem Garten Einzug halten und mit ihren charmanten, bläulich-violetten Blütendolden die Sammlung ergänzen.

Wir wollten es natürlich genau wissen und haben unsere „Neuen“ sowohl in gepflegte Beete gesetzt als auch an den naturnahen Gehölzrand. Fazit: Wir sind begeistert von ihrer Anpassungsfähigkeit!

Für heute macht die Gärtnerin Feierabend – Bis zum nächsten Mal…


Text und Fotos: Angelika Traub