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Neongrüne Biedermeiersträuße

Alljährlich im Vorfrühling fallen wir aufs Neue auf die Knie vor Schneeglöckchen und Märzenbecher, Krokus, Blaustern und anderen Frühlingsboten aus der Lilienverwandtschaft. Aber Korbblütler? Die verbinden wir doch eher mit Hoch- und Spätsommer. Nun gut, vor einer besonnten Wand mag sich schon ein Löwenzahnköpfchen öffnen, und an warmen Böschungen der Huflattich.

Aber auch eine große Schwester des Huflattichs beendet schon sehr früh ihren Winterschlaf: die Japanische Pestwurz (Petasites japonicus). Aus ihren unterirdisch kriechenden Rhizomen brechen jetzt eindrucksvolle „Überraschungseier“ hervor, die sich im Vogelgezwitscher des Frühlings schnell zu neongrünen Blütenständen weiterentwickeln. Und diese haben dann tatsächlich große Ähnlichkeit mit Biedermeiersträußen (wir erinnern uns: die kurz gebundenen Sträuße mit Papierkrägelchen, mit denen man einst Großmütter beglückte).

Ein kurioser Frühlingsbote – allerdings nur für große, naturhafte Gärten, wo er zum Beispiel an einem Bach ungestört wuchern und nach der Blüte seine rhabarbergroßen Blätter treiben darf. Also nichts für durchkonzipierte Staudenbeete im kleinen Garten! Aber es darf ja ruhig auch einmal etwas geben, was wir Parks und Botanische Gärten den Privatgärten voraus haben, nicht wahr?

Gartentauglicher ist die aus Südeuropa stammende, deutlich zahmer wachsende Petasites fragrans, die wegen ihres köstlichen Duftes im Deutschen die fast poetischen Namen “Vanille-Pestwurz” oder “Winterheliotrop” trägt. Ihre altrosafarbenen Blütenstände erscheinen in besonders milden Wintern und warmen Gegenden manchmal schon im Dezember, sicher aber ab Februar und lassen herrliche Duftwolken durch den winterlichen Garten ziehen – aber etwas Glück und einen warmen, geschützten Standort mit nährstoffreichem Boden im lichten Schatten braucht es für dieses Blüten- und Dufterlebnis schon, denn Kahlfröste und aggressive Wintersonne, besonders nach kalten Frostnächten, können der Blütenpracht schaden – da zeigt sich die duftende Frühaufsteherin etwas kapriziöser als die zur gleichen Zeit blühenden Christrosen. Ansonsten ist auch die duftende Form der Pestwurz robust und anspruchslos und erfreut nach der Blüte mit herzförmigen, frischgrünen Blättern.


Text und Fotos: Dr. Michael Schwerdtfeger, Vollblutbiologe