header

Mit Minzen gärtnern

Wer seinen Garten nicht nur zur Augenfreude und Nasenwohltat hegt, sondern auch für Gaumenerlebnisse, der kommt ohne Minzen nicht aus. Hemingway-Minze Mentha spec. 'Nemorosa' oder Marokko-Minze Mentha spicata var. crispa 'Marokko’ frisch in grünen oder auch schwarzen Tee, das Ganze mit Honig oder auch Rohrzucker gesüßt – das erfrischende Getränk gerade für die wärmere Jahreszeit erinnert an den Orient.

Geschmorte Zucchini-Scheiben, mit etwas Zitronensaft und einem sehr guten Olivenöl beträufelt und mit Blättern der Lavendel-Minze Mentha x species 'Lavendel' garniert – eine Köstlichkeit unter den Antipasti. Oder ein fruchtiges Quark-Dessert mit Triebspitzen der Erdbeer-Minze Mentha spec. 'Erdbeere' – was diese kleinblättrige, auch für Kübel und Töpfe gut geeigente Minze doch für ein Geschmackslicht aufsetzt.

Die Verwendungen der 70, 80 oder auch 100 Minzen-Züchtungen, die es inzwischen geben mag, sind schier zahllos. Für Tees und Soßen, für Fleischgerichte und Süßspeisen, für Gelees und aparte Bar-Mixturen, für Duftsträuße und Aufgüsse, für Gesundheitsbäder und Einreibungen, von den medizinischen Verwendungen der Extrakte und Öle ganz zu schweigen – Minzen sind für einen "Gebrauchsgarten" ganz und gar unentbehrlich.

Mindestens vier oder fünf verschiedene Minzen sollte man kultivieren, um für diverse Zwecke ernten zu können:
Zu Tees vor allem die "orientalischen" Minzen, neben den erwähnten Marokko- und Hemingway-Minzen besonders die Türkische oder Nane-Minze Mentha spicata var. crispa 'Nane' und die Griechische Minze Mentha spec. 'Dionysos', aber auch die Apfelminze Mentha suavolens oder die Bergamotte-Minze Mentha x piperita var. citrata 'Bergamotte'. Für Soßen und an Fleischgerichte nahezu unerlässlich ist die Englische Grüne Minze Mentha spicata, ebenso geeignet ist aber auch die Thüringische Minze Mentha x piperite var. piperita 'Multimentha'. Zu asiatischen Gerichten braucht man die Thai-Minze Mentha spec. 'Thai Bai Saranae'. An Süßspeisen empfehlen sich besonders die fruchtigen Minzen wie die Süße Limonenminze Mentha spec. 'Hillary’s Sweet Lemon', die Orangenminze Mentha x piperita var. citrata 'Orange' und die bereits genannte Erdbeer-Minze.
Und für Duftbäder, Potpourris und Minzensträuße kultiviert man vorteilhaft etwa die Jokka- oder Bernstein-Minze Metha spec. 'Jokka' oder die Basilikum-Minze Mentha spec. 'Basilmint'.

Nicht gering schätzen sollte man aber auch die dekorative Wirkung von Minzen, besonders wenn man sie vor der Blüte nicht ganz aberntet. So schmückt die Silberminze Mentha longifolia 'Buddleia' schon mit ihren langen, silbrig behaarten Blättern jeden "Weißen Garten" und blüht zudem in schönen, hellblauen Rispen. Die Ananas-Minze Mentha suavolens 'Variegata' passt mit ihren weiß gerandeten und gefleckten Blättern in manche Staudenkombination, und die etwas empfindliche Ingwer-Minze Mentha x gentilis 'Variegata' belebt das Grün durch ihre zugespitzten, birkenlaub-ähnlichen Blätter mit den hellgelben Rändern.
Fast alle Minzen blühen an kürzeren oder längeren, verzweigten Rispen in den verschiedensten Farben von fast weiß über rosa und blasslila bis blau, und sie sind Magnete für Schmetterlinge, Bienen und Hummeln.

So viele überzeugende Eigenschaften haben die Minzen – und sind doch bei den meisten Gärtnerinnen und Gärtnern gefürchtet. Denn fast alle Minzen wollen "wandern" – nicht wenige wuchern regelrecht mit langen Wurzeltrieben dicht unter oder an der Oberfläche. Sehr expansive unter ihnen wie die Jokka-Minze, die Apfelminze, die Silberminze oder die Schoko-Minze Mentha x piperita var. piperita 'Schoko' können sich rasch ausbreiten und sind, frei im Garten umherschweifend, kaum wieder einzufangen. Minzen suchen sich durch ihre Triebe immer neuen, frischen Boden. Zwingt man sie also, an ein und demselben Standort zu bleiben – es empfiehlt sich etwa, sie in einen eingegrabenen Maurerkübel aus Plastik zu setzen, in dessen Boden man einige Löcher gebohrt hat –, dann muss man sie alle zwei, spätestens drei Jahre herausnehmen und ihnen frische, kräftige Erde geben. Zumindest brauchen sie aber jedes Frühjahr ordentlich abgelagerten Kompost.
Einige leicht zu zügelnde Minzen eignen sich besonders gut, um sie in Kübeln und Kästen zu kultivieren, etwa die Erdbeerminze, die Lavendelminze, die Marokkanische und die Persische Minze oder die Samtminze Menta spec. 'Dumetorum'. Auch viele andere kann man in einem hinreichend großen Gefäß auf Terrasse oder Balkon ziehen, nur sollte man dann jährlich für frische Erde sorgen.
Minzen sind, mit wenigen Ausnahmen, in unseren Breiten – hat man sie in den Garten gepflanzt – zuverlässig winterhart. Als ausgesprochen empfindlich haben sich bei mir nicht nur die niedrige, langsam wachsende Bananenminze Mentha arvensis 'Banana' und die Ingwerminze erwiesen, die ich im Freien kaum je über den Winter bringe, sondern auch die Lavendel- und die Grapefruitminze. Wenn sie die Fröste überstehen, dann treiben sie sehr spät aus. Ich habe mich entschieden, die Minzen fast alle mit Tannenreisig abzudecken, dann überlebt auch der Bodendecker unter den Minzen, die frischgrüne, wuchsfreudige Poleiminze Mentha pulegium 'Repens', die dichte Polster bildet. Sie eignet sich nicht zum Verzehr, kann sich aber zu einem regelrechten Kräuterrasen ausbreiten.
Minzen, die man in Töpfen oder Kübeln hält, sind freilich in strengen Wintern grundsätzlich gefährdet. Man sollte die Gefäße mit Noppenfolie oder einer Laubpackung schützen, zumindest aber mit Vlies oder Tannenzweigen abdecken.
Nahezu alle Minzen lassen sich ziemlich leicht vermehren. Man gräbt einige der langen Wurzeltriebe aus, schneidet Stücke mit drei oder vier Nodien (Wurzelkonten) ab und setzt sie in kleine Töpfe mit lockerer Gartenerde. So bekommt man schöne, kleine Geschenke für Gartenfreunde und Genießer, sollte allerdings auf den Wandertrieb der Minzen hinweisen.

Die Arten und Sorten mögen durchweg einen frischen, nahrhaften Boden, eher feucht als trocken. Nässe vertragen eine ganze Reihe der eher fruchtigen Minzen nicht gut. Die meisten Minzen gedeihen in voller Sonne, obwohl sie eigentlich eher absonnige Standorte bevorzugen. Richtig schattig sollten sie allerdings nicht stehen.

Mit ein paar einfachen Maßnahmen und ein bißchen Aufmerksamkeit lassen sich die wanderlustigen Minzen gut im Zaum halten. Ihre Vielfalt und die nahezu grenzelose Variation der Verwendungen können geradezu minzensüchtig machen. Ich warte jedes Frühjahr ungeduldig auf den Austrieb meiner über 50 Minzen, um wieder die Vielfalt der Blattformen und –farben anschauen zu können, an all den Düften entlang zu schnuppern und mich durch die Geschmacksvariationen hindurch zu kosten. Und bei mir dürfen auch die metallisch schimmernden, bronzefarbenen und blauen Minzekäfer sich an den Blättern gütlich tun. Bei so viel Minzen lassen sich ein paar angeknabberte Triebe verkraften. Und die Kinder der Besucher sammeln die kleinen Käfer als Edelsteine …


Text und Fotos: Ludwig Fischer