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Man glaubt es kaum

Jamlitz ist einiges an Trockenheit gewöhnt. Schon immer machten die Sommergewitter einen weiten Bogen um diesen Ort. Das Jahr 2018 übertraf jedoch das Gewohnte weit. Wenn zweijährige Kiefernsämlinge vertrocknen, mehrjährige Eiben im Wald absterben, wenn Phlox amplifolia gar nicht erst zum Blühen kommt, dann stimmt einiges nicht.

Was also war vorzufinden jetzt im April, was ist übrig geblieben an Stauden, Gehölzen Gräsern? In der zweiten Aprilhälfte waren wir dort. Und schon wieder hatte es einige Wochen nicht geregnet. Umso mehr hat der Garten und haben vor allem viele Pflanzen überrascht.
Dass die Zistrosen, Cistus laurifolius das letzte Jahr gut überstehen würden, daran war kaum zu zweifeln. Das gilt auch für sämtliche Sedum-Arten. Diese treten auf einmal viel deutlicher in den Vordergrund. Hohe Arten haben sich durch Samen vermehrt und fleißig gekreuzt. Dabei hat sich ‘Hab Gray’, eine Sorte von Sedum telephium ssp. Ruprechtii besonders hervorgetan. Sogar dunkelviolette Sämlinge gehören zu ihrem Nachwuchs. Niedere Sedum-Arten verbreiten sich großzügig: Nicht nur der heimische Mauerpfeffer, Sedum acre, sondern auch Sedum album und Sedum reflexum. Kurz, diesen mediterranen oder sukkulenten Gehölzen bzw. Stauden sieht man an, dass sie Hitze und Trockenheit gut verkraften.

Überrascht haben aber auch einige „saftige“ Stauden, die man eher in die Feuchtigkeitsstufe 3 einordnen möchte. Sämtliche Taglilien protzen mit makellosem Austrieb, nicht nur Hemerocallis fulva, die es schon immer in Jamlitz gab. Polygonum polymorphum hat auch in diesem Frühjahr wieder zugelegt, ‘Johanniswolke’ wird von Jahr zu Jahr umfangreicher und üppiger, aller Trockenheit zum Trotz. Die Glattblattastern, Aster novi belgii und auch Aster dumosus haben das letzte Jahr offenbar ohne Probleme überstanden. Die schon immer sehr wasserbedürftige Raublattaster, Aster novae-angliae hat dagegen nicht mehr ausgetrieben.

Mit Freuden konnte man erleben, wie verschiedene Epimedienarten und –Sorten in kürzester Zeit ihr Laub entfalteten. Der Renner (in wahrsten Sinne des Wortes) unter den Elfenblumen ist in Jamlitz natürlich Epimedium alpinum. Im letzten Sommer und Herbst sah Geranium macrorrhizum elend aus. Allerdings hatte ich volles Vertrauen, dass es mit ihm weiter geht. Und so geschah es: auf dieses Geranium ist Verlass!

Ein besonderes Kapitel sind die Mohne. Der Türkenmohn, Papaver orientale, blühte wie immer im Frühsommer und zog nach der Samenbildung wie gewöhnlich ein. Die lange Hitze konnte ihm also gar nicht schaden. Im Gegenteil, er ist es vom Heimatstandort (Naher Osten) gewöhnt, den trockenen heißen Sommer unterirdisch zu überleben. Das Phänomen: noch nie gab es so viele kräftige Pflanzen davon im Garten.

Schon früh begann der Salomonsiegel zu blühen. Polygonatum odoratum ist seit Jahren an verschiedensten Standorten anwesend und verträgt die Trockenheit gelassen. Die mit ihm verwandten Maiglöckchen haben sich zunächst Zeit gelassen, kamen dann in der letzten Aprilwoche aber in großen Mengen.

Unbedingt auf mehr Wasser sind die Päonien angewiesen. Zwar überlebten sie alle, sehen aber schwächlich aus und werden nicht blühen. Die Stars waren jahrelang die Breitblattphloxe (Phlox amplifolia). Ihnen wurde im letzten Jahr übel mitgespielt. Wie schon bemerkt, kamen sie gar nicht erst zur Blüte. Jetzt im Frühjahr sehen sie sehr unterschiedlich aus. Manche Sämlinge sind besonders kraftvoll, andere schwächeln. Ob sie sich erholen, hängt vom Witterungsverlauf der kommenden Monate ab.

Wie wird es weitergehen? Jede Prognose ist verfrüht. Nach einem solchen Jahr kann und darf man keine Schlussfolgerungen ziehen. Es heißt, der Boden in der Lausitz sei metertief ausgetrocknet. Sollten daher noch ein paar Jahre folgen wie 2018, dann wird sich nicht nur bei den Stauden einiges verschieben, sondern auch bei den Gehölzen. Es wird Jahr für Jahr neue Überraschungen geben.


Text und Fotos: Christian Seiffert