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Krötenpärchen auf Umwegen

Wie so oft an den ersten sonnig-warmen Tagen im März setzten wir uns nach dem Mittagessen mit einer Tasse Kaffee auf unsere Terrasse. Wir betrachteten unseren Garten, die Schneeglöckchen, die Krokusse, freuten uns und über den ersten Zitronenfalter, der an uns vorüberflatterte… Da sahen wir aus den Augenwinkeln, wie sich auf dem Pflaster der Terrasse etwas Graubraunes langsam, und wie es schien, sehr mühsam fortbewegte. – Eine Erdkröte, nein zwei! Ein Pärchen auf dem Weg zum Laichgewässer. Das ist unser kleiner Gartenteich, in dem Kröten und Molche regelmäßig ablaichen.

Das Krötenweibchen trägt dabei das Männchen auf seinem Rücken Huckepack zum Gewässer. Ich habe das fotografiert und ein solches Bild auch manchmal in meinen Vorträgen gezeigt. Da fallen mir unter den Zuhörern zuweilen süffisant grinsende Gesichter auf. Doch die muss ich enttäuschen: Nein, das ist (noch) nicht die Paarung. Die findet erst anschließend im Wasser statt. Also kein tierischer Porno! Aber, mal Hand aufs Herz: Wenn das bei uns Menschen auch so wäre, dass die Frauen ihre Ehemänner auf dem Rücken ins Bett tragen müssten, um den Nachwuchs zu sichern – vielleicht wäre die Menschheit längst ausgestorben.

Doch zurück zu den Kröten: Unser Pärchen war auf dem Weg zum Laichgewässer und wählte einen ziemlich großen Umweg über unsere Terrasse. Offenbar suchte es an diesem sonnigen und ungewöhnlich warmen Frühlingstag einen schattigen Weg. Mühsam, mit vielen Verschnaufpausen schleppte das Krötenweibchen ihren Ehegespons voran, drückte sich mit ihm unter die hervorstehende Kante der Holzverschalung unseres Hauses und dann weiter unter die Alublende vor unserer Terrassentür, die nach unten gebogen und zumindest für die weichen Krötenleiber ziemlich scharfkantig ist. Wie kommen die beiden da bloß wieder raus, rätselten wir. Nachdem wir das Gefühl hatten, dass sie sich in eine Falle manövrieren, beschlossen wir, sie zu retten. So gut es ging, bog ich das Blech vorsichtig nach oben, während meine Frau das Pärchen mit einem Stock so sanft aber auch so nachdrücklich wie möglich ins Freie drängte. Nach einigen bangen Minuten gelang es schließlich. Dann hob ich die Beiden miteinander auf und setzte sie auf einem großen Stein, einen Meter vor unserem Teich ab. Eine Weile hielt das Weibchen noch still. Das Männchen drückte seinen Kopf fest an ihren Nacken. Flüsterte es vielleicht seiner Partnerin zu: »Jetzt mach schon!«?

Und dann ging alles sehr schnell. »Platsch« waren beide schon im Wasser. Den Rest schafften sie ohne unsere Hilfe. Am nächsten Morgen entdeckten wir lange, um die Pflanzen verschlungene Laichschnüre. Unsere Krötenpopulation war – vorerst – gerettet!


Text und Fotos: Wolfram Franke