header

Jamlitzer Gräser-Bilanz

Herbst und Winteranfang haben es bis jetzt gut gemeint mit den Gräsern. Alle stehen noch in vollem Schmuck da, leuchten in der Sonne und spielen mit ihren Farben zwischen Weiß, Gelb, Ocker und Grau. Vor einem Jahr hat sehr früher, sehr nasser Schnee dem Gräserspaß schnell ein Ende bereitet. Dies Jahr aber konnte man die Gräser der Reihe nach einer Betrachtung unterziehen.

Das Tautropfengras, Sporobolus heterolepis, gehört mit seinen orange-braunen Horsten zu den intensivsten Farbeindrücken im Spätherbst. Das sehr trockene Frühjahr und der völlig verregnete Sommer haben aber dazu beigetragen, dass die Blüte völlig ausfiel und damit auch der interessante Blütenduft, der an jenen des rosa Springkrauts erinnert. Das horstige Gras ist völlig unproblematisch und ausdauernd, ohne lästiges Versamen.

Das Bogen-Liebesgras, Eragrostis trichodes, hier die Auslese "Bend", ist ein stattliches, aufrechtes Gras mit leicht überhängenden Rispen, das in diesem Herbst besonders üppig blühte. Die Gräser reagieren also sehr unterschiedlich auf Witterungsabläufe. Auffällig ist, dass dieses Gras noch im November grün war. Die Horste lassen sich im Frühjahr gut teilen. Die Jungpflanzen bilden schnell kräftige Horste. Auch das Bogen-Liebesgras wird in Jamlitz eine vielversprechende Zukunft haben. Dagegen hat das afrikanische Liebesgras Eragrostis curvula keine 12 Monate überlebt.

Das Lampenputzergras, Pennisetum alopecuroides "Hameln" verspricht mehr, als es zu halten vermag. Vielleicht steht es zu mager. Denn in den ersten Jahren blühte es schön, ließ dann aber bald nach. Im kommenden Frühjahr werde ich die alten Horste teilen und sie in etwas verbessertem Boden neu pflanzen.

Miscanthus sinensis, "Hermann Müssel" und "Prof. Richard Hansen" wurden im Spätherbst 2005 gepflanzt. Eigentlich rät man ja sehr davon ab, Gräser im Herbst zu pflanzen. Die beiden aber sind gut angewachsen und stehen nun im 7. Jahr. Weithin leuchten bei Sonnenschein ihre flachsblonden Blütenstände, wiegen sich im Winde, sind jetzt im Spätherbst und Winter der Anziehungspunkt im Garten. Mit Kälte und Hitze werden sie gut fertig, bei zu langer Trockenheit im Frühjahr bleiben sie etwas kleiner. Oft meint man, sie würden gar nicht blühen, aber dann schieben sie spät doch noch ihre Blütenstände. Nur nassen Schnee mögen sie gar nicht, dann brechen sie um, und die Schönheit ist dahin.

Atlas-Schwingel, Festuca mairei, stand seit ca. 2005 im Lustgarten und erfreute uns mit seinem stattlichen Horst. Erstaunlich, wie es dieses marokkanische Gras im Sand der Niederlausitz und im ostischen Klima aushielt. Im Frühling 2011 musste ich es aufnehmen und teilen, vor allem aber von einem aggressiven Eindringling befreien, einer Muhlenbergia-Art. Dabei handelt es sich um ein eingeschlepptes Gras, das sich reichlichst durch Wurzelsprossen und durch Samen vermehrt. Inzwischen steht der Atlas-Schwingel an verschiedenen Stellen im Garten, mal sehen, wo es ihm am besten gefällt.

Das Reitgras, Calamagrostis x acutiflora "Karl Foerster" ist völlig problemlos. Bei sehr trockenem Frühjahr bleibt es allerdings niedriger, was wiederum auch Vorteile mit sich bringt: Es ist dann standfester. Das Reitgras übt eine große Anziehungskraft auf Katzen aus. Sie scheinen in den Horst hineinzuspringen, manchmal auch darin zu schlafen. Dann freilich ist es aus mit der Schönheit des Reitgrases. Die Auslese "Waldenbuch" von Karlheinz Rücker muss sich noch entwickeln. Doch war das erste Jahr bereits sehr vielversprechend.

Während das Reitgras die Senkrechte betont, fällt das Silberährengras, Stipa calamagrostis, schwungvoll nach außen, brauch darum auch sehr viel mehr Platz. Die Auslese "Algäu" ist ein besonders dekoratives Gras, das mit den jamlitzer Verhältnissen spielend fertig wird.

Eine Sonderrolle nimmt das Reiherfedergras, Stipa pulcherrima ein. Während die meisten Gartengräser ihren optischen Höhepunkt im Herbst und Winter haben, lässt diese Stipa-Art ihre langen silbernen Grannen im Juli wehen, genau dann, wenn die Königslilien blühen, was zusammen nicht ohne Reiz ist. Um die Vermehrung braucht man sich nicht zu sorgen. Die durch die Gegend fliegenden Samen bohren sich, wenn sie feucht werden, dank einer Spirale in den Boden und keimen mit hoher Garantie. Nachdem die Samen mit ihren langen Grannen etwa im August davongeflogen sind, verliert das Reiherfedergras seinen Glanz, zieht sich optisch zurück. Ein Gras, wie geschaffen für Wildstaudenpartien im jamlitzer Sand!

Eine dritte Stipa-Art, Stipa tenuissima, heute heißt sie Nassella tenuissima, hatte in Jamlitz ihre guten Jahre, vertrug aber die kalten und sehr feuchten Winter nicht. Dies "Engelhaar" stand zwischen Bartiris, Orientalischem Mohn und Kokardenblumen, vermittelte mit dem Strohgelb seiner feinfiedrigen Halme und Blüten zwischen den verschiedenen Farben. Man müsste einen neuen Versuch machen.

Der Strandhafer, Ammophila breviligulata, besteht seit 5 Jahren aus immer noch einem Horst. Auch wenn er sich nicht sonderlich vermehrt, fühlt er sich in Jamlitz wohl. Dennoch werde ich ihn im Frühjahr teilen, weil sich in seinem Horst andere Gräser angesiedelt haben, was manchmal ganz witzig aussieht. So blüht viel früher als der Strandhafer Hystrix patula aus dem Zentrum der Staude und einmal sogar Bouteloua gracilis, das Moskitogras.


Text und Fotos: Christian Seiffert