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Iris – von flavenscens bis tetraploid

Fernsehen und Rundfunk meldeten für Brandenburg höchste Waldbrand-Gefahr. Landwirte führten ihren vertrockneten Roggen vor, bei dem sich die Ernte kaum noch lohnen würde. In Jamlitz gab es den letzten Niederschlag am 9. April. Dann war Pause bis zum 6. Mai, da fielen 10 Liter auf den Quadratmeter.
Das alles klingt katastrophal. Das Wiedersehen in Jamlitz am 6. Mai war dagegen angenehm überraschend. Zwar war der Gartenteich im Lustgarten so stark ausgetrocknet, dass die Frösche das Weite gesucht hatten, aber es gab keine Pflanzenschäden, mit denen ich ziemlich fest gerechnet hatte.

Im Gegenteil: Der Waldrand an der Ostseite des Hauses spielte sich als Urwald auf, als Grüne Hölle. Unter Robinien und Spitzahornen wuchern Fiederspieren, Sorbaria sorbifolia, Forsythien, Forsythia suspensa, ein Knöterich, Fallopia sachalinensis, dazwischen als Lianen Hopfen, der alle Sträucher undurchdringlich miteinander verwebt. Gelb schaut am Boden das Schöllkraut heraus, und allen Rodungsbemühungen zum Trotz hat sich die Kanadische Goldrute im Vordergrund wieder heftig ausgebreitet. Neu durch Samenflug hinzugekommen sind einige Stauden des Herzgespannes, Leonurus cardiaca, schon lange kriecht am Boden in den Weg hinein ein weißblühendes Seifenkraut, Saponaria officinalis.
Dass sich zur Zeit die Nachtigall darin aufhält und singt, bestärkt mich darin, den Urwald weiter bestehen zu lassen, zumal eine Rodung viel Arbeitskraft erforderte. Und was dann danach? Bis endlich mit „kultivierten“ Gehölzen und Stauden ein auch nur annährend so starker Eindruck entsteht, vergehen 10 oder gar 15 Jahre.

Viel Nachdenken löst in diesem Mai die Iris aus. Iris florentina, die Erste im Irisreigen blüht heuer kaum. Hat jedoch vegetativ gut zugelegt. Hängt das mit dem relativ feuchten Jahr 2008 zusammen? Iris pallida blüht, davon unbeeindruckt, wie in jedem Jahr. Ihr lieblich würziger Duft übertrifft den aller anderen „Bartirisse“.

Allerdings folgt ihr duftmäßig dicht auf dem Fuße eine zarte weiße diploide Iris, die ich vor vielen Jahren mal bei Hagemann erworben habe. Vermutlich heißt die Sorte 'David'. Die diploiden alten einfachen Bartirisse blühen allesamt gut. Schon immer war in Jamlitz Iris flavescens die sicherste und üppigste Vertreterin dieser Gruppe. Als unverwüstlich erweist sich aber auch die erst vor Jahren hier eingeführte Iris squalens aus Südtirol. Iris variegata, Elternteil vieler Bart-Iris, wird erst in 10 Tagen blühen, zeigt jetzt dicke Knospen. Iris sambucina, die Holunder-Iris aus Illertissen hat sich vegetativ gut entwickelt, hat aber noch keine Knospen. Sie gehört ja zu den letzten Iris, die Mitte bis Ende Juni blüht.
Etwas quälerisch gestaltet sich mein Verhältnis zu den tetraploiden Iris. Vor Jahren erhielt ich sie geschenkt. Damals, 2004, blühten sie auch. Danach aber kaum noch. Ich fürchte, sie hier im trockenen Sand nur gerade so am Leben gehalten zu haben. Zum Blühen hat es nicht gereicht. In einer Großaktion wurden sie jetzt verpflanzt, in Kompost, durchmischt mit Tonmehl und Hornspänen. Diese großblütigen Züchtungen zeigen nur zu deutlich, dass sie verwöhnt und anspruchsvoll sind.


Text und Fotos: Christian Seiffert