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Helianthus Microcephalus-Hybride 'Lemon Queen'

Lieben Sie die Farbe Gelb? Ich hatte lange Jahre ein gespaltenes Verhältnis zu Gartenpflanzen, die in der Farbe der Sonne blühten – lediglich ein softes Creme, ein zartes Buttergelb oder leichte Gelbtöne mit aprikosen- oder pfirsichfarbenem Einschlag durften in meinen Pflanzungen Glanzlichter setzen. Das satte, brokaten wirkende Goldgelb war mir einfach zu plakativ. In den Gärten, in denen meine Gartenerfahrungen ihren Anfang nahmen, wuchsen in dieser Farbe Hekatomben von Sonnenauge (Heliopsis scabra), dem unvermeidlichen Goldsonnenhut (Rudbeckia 'Goldsturm') und den lang aufschießenden üblichen Staudensonnenblumen (Helianthus decapetalus). Alle diese Pflanzen waren Erbstücke aus anderen Gärten und besonders die Sonnenblumen ärgerten mich, da sie wucherten ohne Ende und in fröhlicher Regelmäßigkeit vor dem Einsetzen der Blüten weiß von Mehltau waren. Sonnenblumen waren also erst einmal ein Thema für die Einjährigen-Fraktion und ich widmete mich konsequenterweise den mondgelben und braunroten Sorten …

Dann besuchte ich die IGA in Rostock. Es gab einen Auftrag von den Veranstaltern, ein Magazin darüber zu erstellen und ich konnte das Terrain im Oktober vor der Eröffnung im darauf folgenden Jahr 2003 einmal begehen. Die Staudenpflanzung von Christine Orel stand noch in schönster Blüte und mittendrin ragten mannshohe Pulks zitronengelb blühender Stauden auf. A Star is born: Helianthus microcephalus 'Lemon Queen'.

Meine erster eigener Versuch mit dieser faszinierenden Pflanze, die ich im Herbst 2003 pflanzte, scheiterte an meiner Ungeduld. Ich setzte sie an einem nassen Oktobertag – und prompt verfaulte sie mir, da die ergiebige Regenphase bis weit in den November hinein anhielt. Doch ich war ehrgeizig und setzte im darauf kommenden April erneut eine Zitronenkönigin – diesmal in den bereits leicht erwärmten Boden. Das war ein Volltreffer, denn sie wuchs kraftvoll heran und blühte recht nett.

Aber erst im Folgejahr ging es richtig zur Sache. Offenbar war bereits der Wurzelstock üppig heran gewachsen, denn der Austrieb nahm bereits mindestens die doppelte Fläche ein, wie im Herbst des Vorjahres. Die Pflanze mit dem rauen, völlig gesunden und schneckenfreien (!) Laub baute sich absolut solide auf. Ab Mitte Juli zeigten sich die ersten Blütenkörbe an der Spitze der Triebe. Mittelgroß, in einem "sauren", sehr hübschen Gelb strahlten sie mich an. Gleichzeitig streckten sich die Seitentriebe mit noch jungen Knospen um die Blütenkörbe herum und haben sie exakt zu dem Zeitpunkt überwachsen, wenn die Blüten vergehen. Und das nur, um selbst zu erblühen und ihrerseits wieder überwachsen zu werden. Ein Ausputzen war nicht nötig; die Pflanze stand bis Ende Oktober tadellos blühend da. Ihre Wuchsform ähnelt daher einem Trichter – allerdings einem beeindruckendem, denn 'Lemon Queen' erreicht locker eine Höhe von zwei Metern. Daher eignet sie sich bestens als Sichtschutz, wenn der "Blickdicht-Effekt" erst ab Hochsommer gewünscht wird. Am Zaun etwa sind sie ein fabelhafter Willkommensgruß. Aber auch inmitten einer ansonsten eher flach – in diesem Fall bis knie- oder tischhoch – gehaltenen Pflanzung ragen sie skulpturhaft auf.

Muss man diese Sonnenblume eigentlich stützen? Ja und nein! An windgeschützten Standorten ist das unnötig, denn die Statik der Pflanze trägt die Blüten völlig problemlos. Auch neben festen Zäunen finden sie meist ausreichend Halt. Doch wo die Herbststürme fegen, ist ein Aufbinden wichtig, schließlich handelt es sich um eine Staude und nicht um ein Gehölz. Neben allen praktischen Gartentugenden versöhnte mich 'Lemon Queen' mit dem bis dato wenig geliebten Gelb. Meine liebenswürdige, fröhliche Nachbarin ließ den Groschen bei mir fallen. Sie sprach mich auf die opulente Pflanze an, die sie jeden Tag beim Heimkommen sehen konnte. "Ich bekomme immer gute Laune, wenn ich an dieser Pflanze vorbei gehe!" – so waren ihre Worte. Als ich wieder einmal meinen Wohnort wechselte, schenkte ich ihr ein faustgroßes Stück der 'Lemon Queen' für ihren eigenen Garten (es war gar nicht so leicht, den festen Wurzelstock zu teilen). Mittlerweile ist er stark heran gewachsen und verbreitet einen Garten weiter Freude. Ganz so, wie es sein soll.


Text und Fotos: Andreas Barlage