header

Heidenelken

Heidenelke, die Blume des Jahres 2012! Das war Anlass, wieder einmal jene Stelle in der jamlitzer Umgebung aufzusuchen, an der sie wild vorkommt. Man kann diese rot leuchtende Nelke eigentlich nicht übersehen. Doch diesmal fand ich keine einzige Blüte. Und das, obwohl sie im Garten üppig blühten. Alle angeführten Gründe, warum diese Nelke, wie viele andere Pflanzen, immer seltener wird, auf der Roten Liste steht oder schon am Aussterben ist, zählen in Jamlitz nicht. Die Intensität der Landwirtschaft hat eher abgenommen, die Waldränder haben sich kaum verändert, sieht man vom natürlichen Zuwachs der Bäume ab. Die Heidenelken sind einfach verschwunden.

Umso mehr verwundert und erstaunt mich, wie kräftig sie sich im jamlitzer Garten vermehren und ausbreiten. Eine „Gaissmayer-Pflanze“, die ich vor ca. 8 Jahren in den sehr sandigen Garten setzte, steht längst nicht mehr am ursprünglichen Platz, d.h. sie lebt nicht mehr. Dafür aber viele Nachkommen, vor allem in meiner Steppen-Versuchsfläche. Zwischen Gräsern eingeengt, sind es kleine Pflanzen mit wenigen Stielen. Gelangen aber Samen in offenen Boden, wovon es im Garten mehr als genug gibt, dann bildet die Heidenelke größere Horste, ihre Blüten bedecken dann einen Kreis mit einem Durchmesser von 35 cm. Wie verteilen sich die Samen? Sind da die Ameisen im Spiel, oder anderes Getier?
Im „Wörterbuch der deutschen Pflanzennamen“ von Marzell wird beschrieben, dass die Heidenelken gern auf übergrasten Ameisenhaufen wachsen. In Kötzting, Niederbayern, wurde sie darum „Ameisblöiml“ genannt.
Mehr zu den Namen: Wie kleinräumig Namensgebungen oft sind, zeigt der Name „Sunwendrösl“ aus Viechtach, auch in Niederbayern. Dort hat man sie früher zur Sonnenwende gesammelt. Blutrösele hieß die Nelke in einer badischen Region. In der Oberlausitz, Zittau – jetzt kommen wir dem jamlitzer Standort näher- wurde die Heidenelke „Feuernelke“ genannt. Über 80 volkstümliche deutschsprachige Namen führt Marzell für die Heidenelke auf. Das heißt, dass Dianthus deltoides im mitteleuropäischen Raum fast allgegenwärtig war, vorausgesetzt, der Boden war kiesig-sandig, warm und trocken. Die botanische Bezeichnung Dianthus ist uralt und griechischen Ursprungs. Übersetzt heißt Dianthus Götterblume. Der zweite Name, deltoides, auch griechisch, leitet sich vom Buchstaben Delta ab und bedeutet dreieckig: Die Kronblätter haben eine dreieckige Zeichnung.

Betrachtet man die Blüte, dann bilden diese „Dreiecke“ einen zarten, leicht bräunlichen Kreis. Außerhalb dieses Kreises sind winzige weiße Punkte auf den sonst magenta-roten Blütenblättern zu sehen. Auf einem Stiel befinden sich mehrere, bis zu vier Blüten. Die Stiele sehen zart und gebrechlich aus, tragen sehr schmale grasartige graugrüne Blätter. Eine auffällige Besonderheit dieser Nelkenart: Sie schließt nachts ihre Blüten! Dianthus deltoides ist also eine ausgesprochene Tagpflanze. Ihre rötlichen Blüten wären nachts nicht zu sehen, und verlockende Düfte sind auch nicht wahrzunehmen.
Ein ziemlich verbotener Gedanke: Heidenelken wieder in der Natur auszusetzen. Aber was nützt es, wenn ihr der Standort nicht mehr gefällt?


Text und Fotos: Christian Seiffert