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Hart im Nehmen: Cyclamen und Hamamelis

Vor ein paar Tagen spielte das jamlitzer Wetter etwas Vorfrühling. Oder sagen wir besser Vor-Vorfrühling. Denn die eigentlichen Signale, Schneeglöckchen- und Haselblüte ließen noch auf sich warten. Wer aber eine Ahnung von Frühlingsfreuden verbreitete, das war die zum ersten Mal richtig blühende Zaubernuss unter den Walnussbäumen. Diese Hamamelis mollis trägt den schönen Namen 'Pallida' (ausgewählt natürlich, weil sie bei warmem Wetter duftet!). Jetzt, da die Tage immer noch recht kurz sind, steht sie ganztägig im Schatten des Hauses. Erst ab Mitte März bekommt sie etwas Sonne ab. Das scheint ihr zu reichen, denn sie geht hübsch in die Breite, und die Blüte ist für ihr noch junges Leben schon recht üppig.

Diese Zaubernuss hat Gesellschaft von einer Staudenart, die ebenso vorwitzig den Frühling nicht abwarten kann und jeden milden Wintertag zur Blüte nutzt. Es sind Cyclamen, Cyclamen coum, die zur Zeit zu Füßen der Zaubernuss blühen.

Heute Nacht waren es allerdings -5°C. Und schon ziehen sich die Blüten der Hamamelis ein wenig in sich zurück. Und die Cyclamenblüten liegen wie betäubt am Boden. Kein schöner Anblick. Nur das Bewusstsein, dass sie wieder auferstehen, wenn das Thermometer freundlichere Temperaturen anzeigt, lässt einen nicht in Depressionen verfallen.

Nun möchte ich schon heute auf ein Gehölz aufmerksam machen, das bei günstiger Witterung in einem Monat zu blühen beginnt. Im März des Jahre 2003 erstand ich ein Gehölz, das als "weiße Forsythie" beschrieben und verkauft wurde. Eine ziemlich leichtfertige Bezeichnung für das Abeliophyllum distichum. Zwar ist es tatsächlich mit der Forsythie verwandt. Aber es weist einige besondere Eigenschaften auf. So blüht es ca. 14 Tage vor den Forsythien. Es blüht weiß mit leicht rosa Tendenz. Und es duftet! Etwas nach Mandel, aber auch blumig und gleichzeitig herb, animalisch und säuerlich frisch. Abeliophyllum ist der früheste blühende Strauch bei uns. Sein Wildvorkommen liegt in Korea, dort soll es auch rosa blühende Formen geben. Klima und Boden scheinen hier ideal zu sein. Aus dem ersten Strauch sind inzwischen vier geworden. Man braucht nur einen Zweig auf den Boden herab zu biegen und mit einem Stein zu belasten, dann treibt er Wurzeln und kann vom Mutterstrauch abgetrennt werden. Da Abeliophyllum nur am neuen, vorjährigen Holz blüht, verträgt er gut einen kräftigen Rückschnitt nach der Blüte. Er treibt dann umso mehr Ruten, die blühen werden. Die winterlichen Blütentriebe sehen wie erfroren aus: dunkelbraun-schwarz, man traut ihnen kaum zu, noch am Leben zu sein. Doch schneidet man einige Zweige und stellt sie in eine Vase, dann wird man schnell von ihrer Blüh- und Duftfreudigkeit überzeugt.
Der ganz zarte rosa Anflug ihrer Blüte verlangt nach einer Ergänzung am Boden. Und da kommen nur frühe Tulpen infrage, Sorten von Tulipa humilis, die meistens im rötlich bis violetten Spektrum spielen.


Text und Fotos: Christian Seiffert