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Gelber Juli

Monochrome oder unicolore Gärten erfreuen sich z. Zt. großer Beliebtheit. Sie sind eine Mode, aber wie alle Moden vermutlich sehr vergänglich. Denn monochrome Gärten strotzen vor Kompromissen. So macht die Zusammenstellung der Pflanzen durchaus Schwierigkeiten. Die Bandbreite einer Farbe muss meist bis zum Extrem ausgenutzt werden. Da ist Rot eigentlich Braun, gelb eigentlich Orange, Blau eigentlich Violett. Und im weißen Garten tummeln sich helles Gelb und helles Blau. Auf die speziellen Lebensbereiche der Stauden kann kaum Rücksicht genommen werden. Schon aus diesem Grunde ist die Lebenszeit solcher Gärten begrenzt. Sie eignen sich daher gut für Gartenschauen.

Anlass zu diesen Gedanken gibt jetzt gerade der jamlitzer Garten. Man hat den Eindruck, als ob das sommerliche Gelb der Natur über den Zaun schwappt. Und in der Tat sind es einige Wildpflanzen, welche die Erlaubnis haben, sich hier frei zu entfalten. So behaupten gerade verschiedene Königskerzen, die Herrscher im Garten zu sein. Ihre stattlichen Gestalten in hellem Gelb sind weit hin zu sehen.

Mehr ins Dunkel- oder Goldgelb tendiert der Mauerpfeffer mit seinen sehr intensiv leuchtenden Flächen. Zart und zurückhaltend dagegen Galium verum, „Unser Lieben Frauen Bettstroh“, und der gelbe Feldklee, Trifolium campestre. Er wächst und blüht auf Wegen und in der „Steppe“, in die er seit kurzem eingedrungen ist. Intensiv blüht an Mauern und am Waldrand das Johanniskraut, Hypericum perforatum.

Aber nun kommen eine Menge Pflanzen aus aller Welt hinzu, die wie verabredet die erste Julihälfte mit verschiedensten Gelbs jubeln lassen. Es leuchtet, es strahlt, selbst bei trübem Wetter. Noch blüht vereinzelt das griechische Johanniskraut, Hypericum olympicum, auch H. polyphyllum genannt. Es vermehrt sich durch Samen auf dem Sand genauso reich wie das heimische Johanniskraut.

An vielen Stellen hat sich Sedum reflexum ausgebreitet. Es blüht gerade leuchtend gelb auf graugrünem Untergrund. Mit grünlichem gelb wartet in großen Gruppen die Steppenwolfsmilch, Euphorbia seguieriana ssp. niciciana auf. Sie fühlt sich in Jamlitz wie zu Hause, obwohl sie aus der Türkei und dem Iran kommt.

Aussaatfreudig verhält sich auch die Weinraute, Ruta graveolens. In Jamlitz steht die Wildart, (Samenernte in Oberitalien). Das grünliche Gelb ihrer Blüten steht über blaugrünem Laub. Der aufmerksame Betrachter findet an der Rauke zwei Besonderheiten: Die älteste Zentralblüte jeder Dolde gibt mächtig an, mit fünf Blütenblättern, während alle nachfolgenden Blüten mit vier Blütenblättern zufrieden sein müssen. Die andere Beobachtung: Schwalbenschwanzraupen weichen mangels Doldenblütler gern auf die Rauke aus. Interessante, farbige Raupen, die sich am Laub schnell fett- und großfressen.

Am jamlitzer Magerstandort gedeiht besonders gut das Heiligenkraut, Santolina chamaecyparissus. Auch dieses Kleingehölz nutzt die Julizeit zum Blühen, natürlich in gelb! Dabei ist dieses Gehölz gar nicht so klein. Eine Pflanze füllt leicht einen Quadratmeter. Hin und wieder, auch nach Starkfrösten muss man sie zurückschneiden. Intensiv, fast heilig (Weihrauch?) duftet das Laub.

Soweit die gelben Tagblüher. Ihr Gelb ist so intensiv und dicht, dass man glauben könnte, einen unigelben Garten zu besitzen. Dabei blühen gleichzeitig überall Lavendel und die Königslilien. Auch fangen die Phloxe zu blühen an. Aber alles verschwindet hinter dem Gelb!

Noch aufregender aber wird es inder Dämmerung: Die Zeit von Hemerocallis citrina ist gekommen. Abends öffnen sich die hellgelben Blüten und verbreiten einen lieblich frischen, weittragenden Duft. Konkurrenz erhalten sie durch die Nachtkerzen. Eher unscheinbar und zurückhaltend gebärdet sich die Zweijährige Nachtkerze, Oenothera biennis. Sie gehört zum jamlitzer Wildbestand. Aus Bayern nach Preußen verschleppt habe ich aber die Art Oenothera glazioviana, mit ihren vergleichsweise riesigen Blüten. Die öffnen sich hier in der nördlich-kurzen Nacht erst ab 20 Uhr, die letzten um 22 Uhr. Und sie beendet ihre Blütezeit zwischen 9 und 10 Uhr. Ihr Gelb ist von unglaublicher Intensität. So als hätten die Blüten eine eigene, „phosphorizierende“ Leuchtkraft. Das trifft auch für die Blüten von Oenothera odorata zu, deren Blüten einen in der Dämmerung wie Taschenlampen anstrahlen.

Ein unicolorer, ein monochromer Garten? Zur Zeit ja. Und man meint, es gäbe nichts anderes als gelbe Pflanzen. Aber die gelbe Phase geht vorüber und es kommen andere Farbspiele, ähnlich aufregend.


Text und Fotos: Christian Seiffert