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Gedanken zu den Veilchen

Komm lieber Mai und mache
Die Bäume wieder grün
Und laß uns an dem Bache
Die kleinen Veilchen blühn.
Wie möchte ich doch so gerne
Ein Veilchen wieder seh’n
Ach lieber Mai wie gerne
Einmal spazieren geh’n.

Nicht Mozart hat diesen Text geschrieben, sondern der Lübecker Bürgermeister Christian Adolf Overbeck, der von 1755 bis 1821 lebte. Auch damals hatten Bürgermeister hin und wieder fürs Musische Zeit. Was mich an diesem schönen Text immer verwunderte, ist seine phänologische Aussage. Wenn Overbeck das Duftveilchen gemeint hat, und wieso sollte er das nicht gemeint haben, dann muss es zu seinen Lebzeiten lange kalte Winter gegeben haben, schwere Winter, nach denen der Frühling in den Mai zusammengeschoben worden war. Heutzutage, und ich spreche hier vor allem von Jamlitz und von Oberbayern, geruhen die Veilchen bereits Anfang April zu blühen, also im sogenannten Erstfrühling. Erinnert sei auch an die Bezeichnung Märzveilchen oder Merzviolen in einigen deutschen Landschaften. Der späteste notierte Termin in Jamlitz in den letzten 10 Jahren ist der 6. April 2009! Nun fällt der Lebenszeitraum von Overbeck in die Schlussphase der “kleinen Eiszeit”, die sich vom 15. bis in den Anfang des 19. Jahrhunderts erstreckte. Vielleicht erklärt dies Overbecks Bitte an den Mai, die Veilchen (endlich) erblühen zu lassen. Vielleicht stand Overbeck aber auch unter dem Eindruck eines besonders kalten Winters. So etwas hat es ja auch in jüngerer Zeit immer wieder gegeben. Ich erinnere mich, wie nach dem Winter 1984/85 am 20. April noch die Schneeglöckchen blühten.

Aktuell ist die Lage der Duftveilchen zwiespältig. Meist überwintern sie in Jamlitz grün. Die sehr kalte, schneelose Witterungsphase hat dies Jahr zumindest alles Oberirdische bei den Veilchen vernichtet. Mal sehen, was da kommen mag! Auch in Eresing hat der Frost die Veilchen arg mitgenommen. Nun aber ist doch die erste Veilchenblüte zu melden!


Text und Fotos: Christian Seiffert