header

Gartenbesuche bei Lucca

Seit 2013 fahren wir regelmäßig in die Toskana und haben dort bisher schon viele grandiose Gärten gesehen. Darunter waren riesige Parks wie der berühmte Boboli-Garten in Florenz, prachtvolle Villengärten wie der Giardino Garzoni bei Pistoia, Skulptur- und Künstlergärten wie das verzauberte Reich “Il Bosco della Ragnaia” des amerikanischen Künstler Sheppard Craige in San Giovanni d’Asso nahe Montepulciano und private Gärten wie der Rosengarten von Maria Giulia Cimarelli bei dem kleinen Dorf Chiesanuova in der Nähe von Florenz. Manche davon sind beliebte Touristenziele, andere eher Geheimtipps, von denen man nicht leicht erfährt.

Die Besonderheit der historischen italienischen Gärten liegt weniger in der Pflanzenvielfalt als in der Anlage selbst mit ihren typischen Elementen – die Limonaia, in der die Zitruspflanzen überwintert werden, der Zypressenallee, den Grotten, Wasserbecken und Wasserspielen, den zahlreichen Skulpturen und in manchen großen Anlagen ein Gartentheater, in dem früher Konzerte und Theaterstücke aufgeführt wurden.

Die dichteste Ansammlung alter Villengärten findet sich wohl in der Nähe von Lucca.

Hier kann man an einem Tag bei guter Einteilung vier Villengärten ansehen, empfehlen würde ich aber mindestens eine Übernachtung in der Gegend mit einem Aufenthalt in der Stadt Lucca. Mit dem Garten des Palazzo Pfanner findet sich auch hier ein Gartenziel erster Güte. Auch der Palazzo ist einen Besuch wert, man kann hier sogar ein Apartment mieten und in historischem Ambiente logieren. Ein weiteres besonderes Ziel – eher kulturhistorisch als botanisch interessant – ist der Dachgarten des Torre Guini, des letzten Geschlechterturms der Stadt. Dieser Turm spielt in leicht veränderter Form auch eine Rolle in einem der Inspektor Lynley Romane von Elisabeth George (“Nur eine böse Tat”) – eine schöne Reiselektüre.
Der botanische Garten der Stadt war leider nicht in einem guten Pflegezustand, man kann ihn einfach bei einem Rundgang auf der Stadtmauer von oben betrachten.

Aber nun zum Umfeld mit den Gärten der Villa Torrigiani, Villa Oliva, Villa Grabau und Villa Reale di Marlia.

Der Park der Villa Buonvisi Oliva

Die Villa Oliva entstand am Ende des 16. Jahrhunderts, sie zeichnet sich besonders durch die breite Loggia an der Nordseite aus, die über zwei Etagen reicht und von Matteo Civitali, einem berühmten Architekten der italienischen Renaissance, entworfen wurde. An der Westseite der Villa liegen die Stallungen, von denen Kardinal Francesco behauptete, sie seien schöner als die Räume der Residenz des französischen Königs in Versailles. Der ummauerte Garten umfasst fünf Hektar und erstreckt sich über mehrere Etagen. Besonders bemerkenswert ist der Wasserfall, der sich vom oberen Teil über drei Tuffsteinschalen in ein von Terrakottafiguren flankiertes Wasserbecken ergießt. Eine genaue Beschreibung findet man auf der Webseite der Villa Oliva. Hinweise zu den Besuchszeiten, ein Plan und weitere Erläuterungen zur Bepflanzung unter http://www.villaoliva.it/de/besuche-villa/. Viele Bereiche des Parks sind schattig, auch bei großer Hitze kann man diesen Garten gut besuchen.

Villa Grabau

Die Villa Grabau liegt zwischen der Villa Oliva und der Villa Reale di Marlia. Der vor der Villa liegende Gartenteil wurde im 19. Jh. als romantischer Landschaftspark angelegt, der eine Sammlung hoher Bäume aus aller Welt beherbergt. Hinter der Villa liegt ein formaler Barockgarten, auf dessen oberer Ebene die Zitrussammlung aufgestellt ist, auch gibt es hier einen Teich mit Seerosen und Springbrunnen. Die größte Besonderheit dieses Gartens ist die Limonaia aus dem 17. Jahrhundert. Im Winter sind ihre großen Tore verschlossen, Licht bekommen die eingelagerten Pflanzen nur durch die runden Öffnungen darüber.
Gut zu wissen: es gibt einen Parkplatz innerhalb des Geländes. Auch erhält man leihweise einen Plan mit einer genauen Auflistung der Gehölze.

Der größte und abwechslungsreichste Garten ist der Park der Villa Reale di Marlia.

Ich habe ihn vor kurzem ausführlicher bei “Gartenkunst oder Wege nach Eden” beschrieben und möchte deshalb hier als Hinweis nur sagen: plant reichlich Zeit für diesen Garten ein. Wir waren zwischen zwei und drei Stunden dort, aber man kann sich auch länger aufhalten. Dieser Park ist über Mittag offen, die Möglichkeit dort ein Picknick zu machen, wird ausdrücklich erwähnt. Das Essen muss man allerdings vorher einkaufen, einen Kiosk gibt es dort nicht. Außerdem nur eine Toilette am Eingang, bei dem 19 Hektar großen Gelände sollte man das bedenken. Drei Villengärten an einem Tag sind im Grunde genug – wir besuchten im April aber zusätzlich noch die Villa Torrigiani.

Die Villa Torrigiani mit dem Garten der Flora

Hier kann man zum Gartenbesuch auch eine Führung durch das Erdgeschoss der Villa buchen, was wir sehr lohnenswert fanden. Das Haus ist seit Jahrhunderten im Besitz einer Familie und die Einrichtung dem entsprechend authentisch.
Der Park der Villa wurde Anfang des 19. Jahrhunderts in einen Landschaftspark umgewandelt, aus dem Barock blieb “Der Garten der Flora” erhalten. Aus dem Parterre mit seinen buchsumsäumten Beeten führt eine detailreiche Treppenanlage mit zwei gegenläufigen Doppeltreppen hinauf zu einem großen Wasserbecken, an dessen Rändern Zitrusbäumchen in großen Terrakottagefäßen aufgestellt sind. Hinter der Treppenanlage sind Grotten angelegt, man kann dort hindurchlaufen und sich in der kühlen, feuchten Atmosphäre erfrischen.
Nur etwa 20 Minuten Fahrzeit entfernt liegt die Villa Garzoni in Collodi, ein sehr gut besuchtes touristisches Ziel – aber durch die besondere Lange des Gartens am Hang, die grandiose Treppenanlage mit zahlreichen gut erhaltenen Skulpturen und den guten Pflegezustand unbedingt einen Besuch wert.

Alle Gärten kosten um die 10,- Euro Eintritt. Es empfiehlt sich, vor einem Besuch anzurufen oder auf den hoffentlich aktuellen Webseiten der Gärten nachzuschauen, da die Öffnungszeiten je nach Jahreszeit unterschiedlich sind. Manche Gärten sind bei besonderen Veranstaltungen für die Öffentlichkeit geschlossen.

Zwei Bücher kann ich jedem empfehlen, der sich länger in der Toskana aufhalten und dabei Gärten besuchen möchte:

  • Gartenkunst & Künstlergärten – ein Führer durch Umbrien, Latium und die Toskana
    von Tassilo Moser, Verlag Parthas Berlin
  • The gardens of Florence and Tuscany, Mariachiara Pozzana, Verlag Giunti

Links zu erwähnten Gärten bei Gartenkunst oder Wege nach Eden:


Text und Fotos: Barbara Ehlert