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Frühlingsblütentanz

Welche Zauber(garten)wesen mögen sich verbergen hinter so poetischen Namen wie 'Galadriel', 'Blütentanz', 'Lilafee', 'Rose Queen' oder 'Flowers of Sulphur'? – Die Kundigen unter Ihnen haben es natürlich sofort erkannt, aber auch die weniger Bewanderten werden nicht mehr rätseln, wenn sie erfahren, dass in diesem Reigen auch eine 'Elfenkönigin' in weißem Kleid mittanzt. Ganz recht, es ist die liebenswerte, aber immer noch unterschätzte Gattung Epimedium, also die Elfenblumen, die gerade ihren Frühjahrsblütentanz aufführen. Sie gehören zu den von mir besonders geliebten und geschätzten Gartenbewohnern.

Lange fristeten sie ein kaum beachtetes Schattendasein als Bodendecker größerer, kaum Pflege erhaltender Flächen in Gärten und Parks, wo sie bestenfalls wegen ihres schönen, oft wintergrünen Laubs und der unkrautverdrängenden Wuchskraft geschätzt wurden.

Dabei sind – aus der Nähe betrachtet – gerade ihre zarten Blüten von außerordentlichem Reiz. Besonders der Farben- und Formenreichtum immer neuer aus Ostasien und Japan stammender Arten und Züchtungen der filigranen "Waldelfen" bietet mittlerweile auch für die Gestaltung unserer immer kleiner werdenden Gärten überaus wertvolle Möglichkeiten. Denn etliche dieser kostbaren kleinen Schönheiten wachsen im Gegensatz zu den meist ausbreitungsfreudigen europäischen Arten recht gesittet und passen wunderbar in die edle Gesellschaft anderer früh blühender botanischer Kostbarkeiten wie Trillium oder Erythronium (den schönen Wald- und Hundszahnlilien). Auch zurückhaltend wachsende Funkien, Farne und Gräser sind ausgezeichnete Partner.

Epimedium wurde 2014 zur Staude des Jahres gekürt, mir scheint, seitdem fällt ein wenig mehr Licht auf ihren großen Gartenwert – verdient hat es diese Gattung allemal. Gerade eben einen halben Zentimeter messen die kleinsten Blüten, wie die des altbekannten europäischen Epimedium alpinum – so niedlich sie auch sind, das ist schon fast ein Fall für die Lupe. Ganz anders verhält es sich z.B. mit der großblütigen asiatischen Verwandtschaft (botanisch heißt sie zutreffend "grandiflorum"), hier fallen die etwa 2 cm großen, oft apart gespornten Blüten durchaus ins Auge. Wie anmutige kleine Orchideen schweben sie über schön gezeichnetem Laub. Wer sich für sie erwärmt, sollte aber ihre etwas größeren Standortansprüche gegenüber den robusten europäischen Sorten kennen und über ein wenig lichten Schatten, nicht zu trockenen, gern humosen und eher kalkarmen Boden verfügen. Die zurückhaltend wachsenden, großblütigen ostasiatischen Kleinode wie die wunderhübsche, zart lilarosa blühende 'Akebono' oder die cremeweiße 'Elfenkönigin' werden es Ihnen mit Blühfreude und gutem Gedeihen danken.

Epimedien gehören zur großen Familie der Berberitzengewächse (Berberidaceae). In der Natur kommen die weltweit immerhin etwa 60 Arten übrigens ausschließlich auf der Nordhalbkugel und hier nur in der Alten Welt vor. In Nordamerika fehlen sie vollkommen. Was die Artenvielfalt angeht, ist das südöstliche China das größte, immer noch verheißungsvolle Schatzkästchen, denn bis heute werden hier neue Arten entdeckt – sicher dürfen wir uns also auf weitere spannende Neuigkeiten aus der "Elfen-Welt" freuen.

Wer Platz hat, kann es wie wir hier im Forsthausgarten flächig angehen und robusten europäischen Sorten, wie den bewährten, dichte Bestände bildenden Klassikern 'Frohnleiten', 'Orangekönigin' oder der schönen Neuentdeckung 'Galadriel', die alle auch auf schwierigen Standorten nicht versagen, zum großen Auftritt verhelfen. Großen Gärten wie dem unseren sind sie hochwillkommen, denn so können auch weniger günstige Standorte im Schatten und Halbschatten attraktiv und pflegearm bepflanzt werden. Aber auch horstig wachsende, sommergrüne Sorten wie die unverwüstliche, altbewährte, sehr schön belaubte Epimedium x rubrum mit ihren aparten zweifarbigen Blüten, haben hier ein Zuhause gefunden. Geradezu "ruckartig" schießen ihre Blütenstände im April innerhalb von ein oder zwei Tagen aus dem Boden.
Es erfüllt mich immer wieder mit demütigem Staunen, was die Natur Jahr für Jahr vollbringt.

Für heute macht die Gärtnerin Feierabend – Das nächste Mal geht es um Aristokratinnen im Beet, einen exzentrischen Pflanzenjäger und seine skurrilen Reisegepflogenheiten!


Text und Fotos: Angelika Traub