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Frühlingsblüte im Pflaster

Endlich ist er da, der Gartenfrühling! Längst blühen die Winterlinge, die Schneeglöckchen lösen mit ihrem Weiß den Schnee ab, der ihnen den Namen gegeben hat. Und nun sind auch die Krokusse da. Die Wege in unseren beiden Gärten habe ich mit den Kieselsteinen gepflastert, die beim Graben und Lockern des Bodens zum Vorschein kamen. Hier auf der Münchner Schotterebene ist die Erde sehr steinreich. Es war nicht leicht, mit diesen mal rundlichen, mal ovalen Kieselsteinen eine halbwegs ebene Pflasterfläche herzustellen. Die Steine haben aber auch den Vorteil, dass ich die Lücken dieser Naturpflasterung mit Erde ausfüllen und anschließend bepflanzen konnte. Die Römische Kamille (Chamaemelum nobile), Sandthymian (Thymus serpyllum) und die Felsennelke (Petrorhagia saxifraga) eignen sich dafür besonders gut. Zunächst sollte man diese frisch angesiedelte Vegetation etwas schonen, das heißt nur auf Zehenspitzen und mit großen Schritten betreten. Man braucht ein wenig Geduld, bis sich die polsterartigen Pflanzen ausgebreitet haben. Ich muss zugeben, dass mir das nicht an allen Stellen meiner Pflasterwege gelungen ist. Dafür haben sich mancherorts andere Pflanzen angesiedelt. zum Beispiel Schlüsselblumen und Duftveilchen, denen es ebenfalls kaum etwas auszumachen scheint, wenn man mal (die Betonung liegt auf »mal«) auf sie tritt.

Doch vor zwei Jahren entdeckten wir den ersten Krokus in einer der Pflasterfugen. Im darauf folgenden Jahr waren es schon zwei, und nun sind es noch mehr geworden. Natürlich ist das zunächst einmal das Werk der Bienen, die sie befruchtet und somit dafür gesorgt haben, dass die Krokusse Samen bilden konnten. Den zweiten Teil haben die Ameisen geleistet, von denen es gerade so viele in unseren Gärten gibt, dass sie nicht allzu lästig werden. Die Ameisen tragen viele Samen, nicht nur die von Krokussen, herum und lassen sie dann irgendwo fallen, auch in den Pflasterfugen, wo dann zu unserer freudigen Überraschung im zeitigen Frühjahr immer mehr Krokusse aufblühen. Leider sind sie im Gegensatz zu anderen Pflasterfugen-Bewohnern gar nicht trittfest. Wir müssen höllisch aufpassen, um sie nicht niederzutreten. Aber das tun wir gern und trauern andererseits um jeden Krokus, den wir versehentlich platt getreten haben. Doch wir wissen: in den schmalen Spalten zwischen den Steinen hat sich eine Knolle, man nennt sie wegen der Ähnlichkeit mit einer Zwiebel auch „Zwiebelknolle“,  gebildet, die uns im nächsten Jahr mit einer neuen zarten Blüte zwischen den Pflastersteinen erfreuen wird.


Text und Fotos: Wolfram Franke