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Fliegende Edelsteine

Schon viele Jahre sind ins Land gegangen seit meiner letzten Begegnung mit einem Goldkäfer. So haben wir sie immer genannt, obwohl sie nicht golden, sondern grün-metallig aussehen, jedenfalls die Männchen. Die Weibchen, wie üblich in der Natur, zurückhaltend, sind bräunlich angehaucht. Die erste Begegnung in diesem Jahr war am 4. Mai in Eresing. Statt sich tarnend zu schützen, sah es aus, als ob sich der „Goldkäfer“ kontrastreich herausstellen wollte: Grün leuchtend auf einer knallgelben Blüte einer „Gold-Wolfsmilch“ Euphorbia polychroma, die jetzt E. epithymoides heißt.

Endlich mal wieder ein Goldkäfer. Und da wir gerade bei den wissen-schaftlichen Namen sind: Er heißt Cetania aurata, was übersetzt „Metallkäfer golden“ bedeutet, ein Name, den er von Linné erhielt. Der Goldkäfer, oder Rosenkäfer, wie er auch genannt wird, ist ein Vegetarier. In seinem kurzen Leben, nur wenige Monate, ernährt er sich von Staubfäden und Pollen verschiedenster Stauden und Gehölze. Offenbar macht er das auch gern bei Rosen.

Ein Gehölz, das ihn aber unwiderstehlich anlockt, das ist eine Ölweide in Jamlitz, Elaeagnus commutata, die seit 10 Tagen überschwänglich blüht. Da sitzen mehrere Käfer gleichzeitig drin und feiern Hochzeit, sprich: sie begatten sich. Und nun beginnt ein langes unterirdisches Leben. Das Weibchen legt die Eier in alte Baumstümpfe, zerfallendes Holz, von dem sich die Larven oder Engerlinge bis 3 Jahre lang ernähren. Gern werden auch Komposthaufen dazu ausgewählt. Bei meiner letzten Kompost-Umsetzaktion vor 14 Tagen tauchten eine Menge Engerlinge auf, die allerdings auch vom Nashornkäfer stammen können. Wieder eingegraben werden die Larven ihr Leben im Dunklen fortsetzen, bis sie etwa 4 bis 5 cm lang sind. Dann bauen sie sich aus feinem, Holz- und Lehm-Material einen Kokon, in dem sie sich verpuppen. Bereits nach 2 bis 3 Wochen schlüpft der Käfer, bleibt aber noch im Kokon, bis sein Metallig-Panzer ausgehärtet ist.

Einem dreijährigen Larvendasein steht eine Käferexistenz von nur wenigen Monaten gegenüber. Vielleicht erklärt dies, warum die „Goldkäfer“ nur sporadisch in Erscheinung treten. Hinzu kommt aber der übertriebene Ordnungssinn der Menschen, denen alles morsche und alte Holz missfällt.

Etwas fiel mir bei Cetonia aurata noch besonders auf. Während andere Käfer vor dem Flugstart oft erst „pumpen“, mit halbgeöffneten Deckflügeln, ist der Goldkäfer in der Lage aus dem Stand zu starten. Des Rätsels Lösung: Er braucht seine grünen Deckflügel gar nicht zu öffnen, bleiben beim Flug geschlossen. Die eigentlichen Flügel werden aus einem seitlichen Schlitz ausgefahren. Und so erschrickt man, wenn der Käfer, der sich in Ruhe beobachten lässt, dann plötzlich startet und verschwindet.


Text und Fotos: Christian Seiffert