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Erfahrungen mit Weinbergschnecken

Bis vor zwei Jahren hielt ich diese lieben Tierchen für harmlos. Hin und wieder tauchte mal eine auf und nagte an irgend einem Blatt. Der Schaden war minimal. Nun aber haben wir extrem nasse Jahre. Und auf einmal kommen ganze Heerscharen und fallen über ihre Lieblingsspeisen her. Und das sind bedauerlicher und erstaunlicher Weise auch die großen Sedum!

Einige davon lassen sie unbeachtet links liegen, z.B. „Herbstfreude“ und das wilde Sedum maximum. Größten Wohlgeschmacks erfreuen sich dagegen die Sedum-Sorten „Joyce Henderson“ und „Matrona“. Bevorzugt wird auch die Crambe cordifolia gefressen und zwar so intensiv, dass keine Pflanze richtig Größe erlangt oder gar blüht. Auch bei den Dahlien verhalten sich die Weinbergschnecken sehr wählerisch. Wir haben zwei historische Sorten aus Dieter Gaissmayers Beständen: Die „Weiße Aster“, eine hübsche weiße Pompon-Dahlie ist eine davon. Die zweite heißt „Kaiser Wilhelm“. Dass diese Sorte geradezu aggressiv befallen wird, kann ich mir nur mit dem Sortennamen erklären. Da schlägt die Erbfeindschaft durch. Diese Franzosenspeise und der Franzosenhasser Wilhelm, die passen einfach nicht zueinander. Und so weiß ich immer noch nicht, wie seine Majestät blüht.

Genug von Schnecken. Es ist von einer Pflanze mit aufregend schönem Duft zu berichten. Als ich sie im Juni pflanzte, die Frühjahrstrockenheit ging allmählich zu Erde, hatte ich wenig Hoffnung auf eine, wenigstens kärgliche Ernte. Die Rede ist von Kürbissen, die ich auf die Komposthaufen gepflanzt hatte. Der dann einsetzende regenreiche Sommer hat den Kürbissen gut getan, sie erobern hemmungslos Land und Gesträuch, das ihnen nicht zusteht. Es handelt sich um jene orangefrüchtige Sorte, die als Hokkaido-Kürbis im Handel ist. Die großen gelben Blüten sehen nicht nur sehr dekorativ aus, sie duften auch zauberhaft. Ein süßer, fruchtiger, leicht animalischer Duft, der nicht ins Unangenehme umschlägt, wie bei manchen Starkduftern. Man muss Hokkaidos anbauen. Sie schmecken den ganzen Herbst und Winter hindurch, als Suppe oder in der Pfanne gebraten. Aber sie sind auch in mehrfacher Hinsicht schöne Pflanzen.


Text und Fotos: Christian Seiffert