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Erfahrung mit Lilien

Ende März diesen Jahres, die Scilla begannen gerade zu blühen, kam eine neue Lilienart in den jamlitzer Boden, in die Nordostecke des Lustgartens: Drei Lilium lancifolium.

Pünktlich am 1. August öffneten sie die ersten Blüten: türkenbundähnlich, ein kräftiges Orange, mit dunkler Punktierung. Weit heraus schwingen die Narbe und die Staubgefäße mit dunkelbraunem Pollen. Das sieht nach sehr fruchtbaren Blüten aus. Dennoch scheint die Tigerlilie eine Neigung zu haben, sich reichlich vegetativ zu vermehren. Der ganze, etwa 70 cm lange Stiel ist oberhalb der Blattansätze mit schwarzen Bulben besetzt.

Ja, sie wird wohl wegen der vielen schwarzen Punkte Tigerlilie genannt, was sich auch in dem alten botanischen Namen Lilium tigrinum wiederfindet. Übrigens, dort, wo sie wild wächst, auf hängigen Bergwiesen, zwischen Gesträuch und an Flussufern kann durchaus auch einmal ein Tiger auftauchen: in China, Sibirien und der Mandschurei. Und am Rande sei bemerkt, dass man in diesen Regionen die Tigerlilie als Gemüse, als Heilpflanze und als Kosmetikum anbaut.

Nun sind Zwiebelpflanzen im ersten Jahr durch ihre Knolle oder Zwiebel gut versorgt und meist makellos schön. Die Bewährung haben sie erst in den kommenden Jahren zu bestehen, wenn sie mit den Bodenverhältnissen und dem Klima zurechtkommen müssen. Die Lilien-Erfahrungen in Jamlitz aber sind nicht schlecht. Unverwüstlich die Königslilien, wenn man sie einigermaßen gut in Futter hält, ihnen ab und an Kompost oder etwas verrotteten Mist gibt. Lilium regale vermehrt sich reichlich durch Samen. Die Sämlinge blühen, wenn man Glück hat, schon im dritten Jahr!

Sorgen bereitete mir unser üppiger Horst mit Madonnenlilien. 2001 gepflanzt, dehnte er sich von Jahr zu Jahr mehr aus und präsentierte im vorigen Jahr über 15 Blütenstiele! Damit war wohl eine Grenze erreicht. Denn, obwohl der Blattaustrieb im August vorigen Jahres ganz normal aussah und die Blattschöpfe gut durch den Winter gekommen waren, im Mai blieben sie stecken, verweigerten die Bildung von Blütenstielen und zogen bereits im Juni ein.

Vor einer Woche war ich darauf erpicht, zu erfahren, was mit den Madonnenlilien passiert war. Ich grub den ganzen Horst aus und kam mir wie ein Schatzgräber vor: ich fand, sage und schreibe, 30 gesunde Zwiebeln dicht gedrängt beieinander. Inzwischen haben sie neue Plätze im Garten gefunden, ein Teil davon wird in Eresing unterkommen.
Kompost, Dolomitkalk (viel Magnesium), ein paar Hände Bentonit-Katzenstreu und Hornspäne, da werden sich die Lilien hoffentlich wohl fühlen und sich wieder wie gehabt entwickeln. Probleme machen auch in Jamlitz die Schnecken, leider vor allem auch die Weinbergsschnecken! Die Schäden durch Lilienhähnchen halten sich dagegen in Grenzen.

Aus gegebenen Anlass sei hier wieder einmal auf einen wichtigen Unterschied beim Pflanzen der Lilienzwiebeln hingewiesen: Madonnenlilien wollen nur flach unter die Erde, etwa eine Zwiebelhöhe. Lilium candidum ist wohl auch die einzige Lilie, die nach der sommerlichen Ruhepause schon im Frühherbst ihre Blätter austreibt. Sie ist eine Pflanze der sommertrockenen Regionen am östlichen Mittelmeer. Ab Herbst nutzt sie die dort häufigen Niederschläge.

Die meisten anderen Lilien unserer Gärten stammen aus den gemäßigten Zonen, haben ihre Ruhepause im Winter. Und nun der Unterschied beim Pflanzen: Sie wollen tief gepflanzt werden, ca. die dreifache Zwiebelhöhe, auf leichten Böden ruhig etwas tiefer. Wenn man solch eine Lilie ausgräbt, findet man am Stiel, oberhalb der Zwiebel viele Wurzeln, die zur Versorgung der Blüte beitragen.


Text und Fotos: Christian Seiffert