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Ein wirklich weißer Januar

Keiner der jüngeren Jamlitzer konnte sich erinnern, so etwas je erlebt zu haben. Man muss schon zurückgehen bis 1941/42. Da gab es kalte und schneereiche Winter. Oft ist die erste Hälfte Januar sehr mild. Erinnert sei an den Extremfall 2007, als am 10. Januar im Lustgarten die ersten Crocus sieberi 'Violett Queen' blühten und vor dem Haus Hamamelis x interm. 'Pallida'. Die Temperaturen lagen um +10°C!

Der Winter 2010 gestaltet sich nun ganz anders. Die Temperaturen lagen im ersten Januardrittel zwischen -5 bis -10°C, eine relativ moderate Wintertemperatur. Aber wird es so bleiben oder müssen wir wieder mit -20°C und mehr rechnen?

Da einigermaßen Schnee vorhanden war, gab ich einigen empfindlichen Pflanzen eine zusätzliche Schneeschutzdecke. Nach den schlechten Erfahrungen vom letzten Winter sollte diesmal vorgebeugt werden. 2008/09 erfroren Rosmarine, die als relativ winterhart gelten. Auch Cistus laurifolius sah nach -21°C nicht mehr sehr erfreulich aus und Mahonia bealei büßte ihre Blütentrauben ein. Sie alle bekamen diesmal eine dicke Schneehaube.

Sollte die Schneedecke während der Gefahrenzeit bis Ende Februar erhalten bleibt, dann besteht sogar die Chance, dass Verbena bonariensis und Erysimum 'Bowles Mauve' den Winter unbeschadet überstehen. Die Verbene erfriert gewöhnlich. Die Sämlinge aber brauchen zu lange, um im Sommer attraktiv blühen zu können. Deshalb kommen einige Pflanzen ins Kalthaus. Wenn sie zu treiben beginnen, werden Stecklinge gemacht, die gegenüber den Sämlingen einen beachtlichen Vorsprung haben. Der violette Goldlack 'Bowles Mauve', als Steckling aus Irland mitgebracht, überlebt im Freiland nur bei sehr milden Wintern – oder eben mit einer dicken Schneedecke!

Schneemützchen auf Hohem SedumSo sind tiefe Temperaturen kein Gefahr, wenn es zuvor ordentlich geschneit hat. Das Problem ist nur, dass wir in unserer Klimazone zwischen dem Atlantik und eurasischem Kontinent nie wissen, wie der Winter in 14 Tagen, in einem Monat aussehen wird. Ein wiederholter Wechsel zwischen kalten und milden Phasen wäre nicht ungewöhnlich. Und dann kommt auch noch der Klimawandel mit seinen Unwägbarkeiten hinzu.

Neben den rein klimatischen Aspekten bietet ein richtiger weißer Winter bekanntlich auch viele Freuden und Lustbarkeiten. Die weiße Verpackung auf Mauern und Dächern, der Schnee auf Bäumen und der Schnee zwischen den ungeschnittenen Stauden und Gräsern. Zumindest optisch bedeutet dies eine Verlängerung der Gartengenüsse um einige Wochen! Das hohen Sedum mit Schneehauben, Stipa calamagrostis, Miscanthus sinensis, Festuca mairei, selbst das sonst wind- und schneegefährdete Calamagrostis x acutiflora 'Karl Foerster' und viele andere Gräser schauen unbeschadet aus dem Schnee.


Text und Fotos: Christian Seiffert