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Ein Sporn auf Wanderschaft

Zu den schönsten Erinnerungen an meine Studienzeit gehört ein Ausflug auf den Freden, so etwa im April 1970. Das ist ein Höhenzug am Rand des Teutoburger Waldes im Osnabrücker Land. Im März/April breitet sich dort im lichten Buchenwald ein bunter Teppich von Frühlingsblumen aus, darunter vor allem der Hohle Lerchensporn (Corydalis cava) sowie der Gefingerte Lerchensporn (Corydalis solida). Ein beeindruckendes Bild! Wer auf dem Hermannsweg entlang wandert, kann sich an diesen pupurn, manchmal aber auch weiß blühenden Knollenpflanzen erfreuen.
Ihren Namen hat diese Staude von ihren Blütenblättern, deren Spitzen, dem Sporn der Haubenlerche ähnlich, spitz und leicht nach oben gebogen abstehen. Die botanische Spezies des Hohlen Lerchensporns cava (von lateinisch cavus = Höhle) weist auf die hohle Knolle im Boden hin.
Der Sporn am Ende der Blüte, der dieser zehn bis 15 Zentimeter hoch wachsenden Pflanze den Namen gegeben hat, enthält viel Nektar. Deshalb ist er bei Insekten, vor allem Wild- und Honigbienen beliebt. Die Samen des Lerchensporns besitzen ein weißes Anhängsel (Eleiosom). Daran nehmen ihn die Ameisen auf und verbreiten den Samen.

In diese hübsche Knollenpflanze hatte ich mich verliebt, sie aber auch lange Zeit aus den Augen verloren, vergessen. Ich kann gar nicht mehr genau sagen, wo ich ihr wieder begegnet bin und woher ich die ein, zwei Lerchensporne hatte, die ich vor vielen Jahren in unseren Hausgarten pflanzte. Jedenfalls haben sie sich ausgebreitet. Zwar (noch) nicht als Teppich, doch an verschiedenen eher halbschattigen Stellen des Gartens tauchen immer mehr auf, dort wo wir nie einen Lerchensporn gepflanzt hatten. Und wenn wir durch den Maschendrahtzaun in den Nachbargarten schauen, haben sich dort die Lerchensporne, von unserem Garten ausgehend, zusammen mit Bärlauch unter Gehölzen ausgebreitet. Dazu ist es in unserem Garten in all den Jahren nicht gekommen, wohl weil die Konkurrenz vieler anderer Stauden einfach zu groß ist.

Auch in unserem Kreativgarten blüht hier und dort ein Lerchensporn auf. Hatte ich dort jemals einen gepflanzt? Ich weiß es nicht mehr. Da aber diese Exemplare alle auf dem Erdwall wachsen, der den Garten nach Norden und Westen abschirmt, und sie im lichten Schatten gedeihen, erinnern sie mich, wenngleich sie nicht unter Buchen sondern Haselsträuchern blühen, an meinen Ausflug vor 48 Jahren auf den Freden bei Bad Iburg im Osnabrücker Land.


Text und Fotos: Wolfram Franke