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Ein sechsbeiniger Vorfrühlingsbote

In Jamlitz, und das war wohl überall in Mitteleuropa so, gab es am 7. März den ersten etwas wärmeren Tag. Das Thermometer stieg bis auf 15°C. Die Schneeglöckchen, Winterlinge und die Haselnüsse hatten den Vorfrühling schon Wochen vorher eingeläutet, aber nun hatte der Frühling auf einmal eine andere Qualität. Bei Wärme und Sonnenschein öffneten die ersten Iris ihre Blüten: die Hybride 'Katharine Hodgkin'. Sie hat nun den zweiten Winter hinter sich und wird kräftiger, kompakter. Leider heben sich die hellblauen, wunde

rschön gezeichneten Blüten nur schlecht vom hellen jamlitzer Sand ab. Für diese Irissorte wäre ein dunkler Boden, gebrochener Basalt, Lava oder Schiefer ideal. Bevor ich auf die Sechsbeiner zusprechen komme, noch ein besonderes Blütenerlebnis: Crocus chrysanthus 'Ard Schenk'. Dieser Krokus, auch der nach dem zweiten Winter, steht inmitten der "Macchia", zwischen Thymianen, Satureja, Salbei, lavendel und Zistrosen. Dieser weiße, gelbäugige Krokus hat mächtig zugelegt. Wo im Vorjahr einzelne Blüten standen, sind es jetzt vielblütige Horste von imposanter Schönheit.

15° Wärme, das lockte auch den ersten Schmetterling hervor. Es war ein einzelner Zitronenfalter. Wo kommt der her, was will er so früh im Jahr im Garten? Einschlägige Lektüre verrät uns, dass er im Freien im Schutze von Zweigen, Laub, Mauervorsprüngen überwintert hat und nicht erfrieren konnte, weil seine Körperflüssigkeit ein Glycerin verwandtes Frostschutzmittel aufbaut und enthält.

Und so gestaltet sich das Leben des Zitronenfalters: Nach der Überwinterung ernähren sich die Falter vom Nektar des Seidelbastes, der Leberblümchen, des Lerchensporn, des Himmelschlüssel und der Weidenkätzchen. Das gelbe Männchen paart er sich mit dem grünlich-weißen Weibchen. Das legt Eier auf die Blätter von zwei speziellen Gehölzen aus der Familie der Rhamnaceae: einmal ist es der Faulbaum, Frangula alnus  oder der echte Kreuzdorn, Rhamnus catharticus. Eines von beiden Gehölzen ist wohl immer vorhanden, so dass der Zitronenfalter überall in Europa vorkommt. Aber er scheint ein Einzelgänger zu sein, allenfalls sieht man mal ein Pärchen sich umtanzen. Mit der Eiablage endet das Leben der Falter. Anfang Juli aber schlüpft die nächste Faltergeneration. So dass sich in der schmetterlingsreichen Spätsommerzeit auch wieder Zitronenfalter sehen lassen. Die überwintern dann, es beginnt ein neuer Zyklus.

Noch eine Besonderheit. Den Zitronenfalter sieht man nie mit geöffneten Flügeln an Blüten sitzen. Immer sind sie zusammengefaltet. Dadurch entgeht dem Betrachter ein rot-oranger Punkt auf jedem der Flügel. Bei geschlossenen Flügeln erkennt man nur einen schwachen braunen Punkt.


Text und Fotos: Christian Seiffert