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Ein paar Gedanken zum extrem milden Winter 2006/07

Der Frühling 2007 hat auch im jamlitzer Garten sehr viel früher als gewöhnlich begonnen. Denn trotz des kontinentalen Klimas hier in Ostbrandenburg fand der Winter eigentlich nicht statt. Zwischen Anfang Januar und der letzten Februardekade lag die tiefste Temperatur bei –4° C. Wir hatten also einen eher oberitalienischen Winter. Trotzdem waren wir erstaunt, als kurz nach Jahresbeginn der erste Crocus zu blühen begannen: Crocus sieberi ‘Violett Queen’. Jetzt, Anfang März, schiebt diese Art immer noch neue Blüten nach, ihre Horste werden immer dicker.

Eine Beobachtung, die man dies Jahr auch bei den Tulpen machen kann. Erstens sind die Blätter schon sehr früh zu sehen, zweitens aber in ungewöhnlich kräftigen Hosten. Vermutlich ist dies auf den sehr trockenen Hochsommer zurückzuführen, der den Tulpen, aber auch vielen anderen Pflanzen aus dem Nahen Osten gerade recht war. Tulpen brauchen einen trockenen Sommer und einen feuchten, milden Winter. Das sind Ansprüche, die normaler Weise bei uns nicht zu erfüllen sind. in der Regel fallen hier die meisten Niederschläge im Sommer und die Winter sind kalt und trocken.

Außer Tulpen verspricht dies Jahr auch eine üppige Mohn- und Madonnen-Lilien-Blüte. Die Horste von Papaver orientale und Papaver lateritium strotzen vor Kraft und die Madonnen-Lilien beginnen schon jetzt aus der Blattrosette heraus ihre Haupttriebe zu schieben, die im Sommer die Blüten tragen. Und es werden immer mehr Triebe!

Noch aber ist Vorfrühling. Unter den Walnussbäumen vor dem Haus blüht Crocus tommasinianus, Elfenkrokus oder Dalmatinerkrokus. Einstweilen stehen die Krokusse sehr einzeln. Aber sie versamen sich gern und reichlich, so dass sie vielleicht in ein paar Jahren die Fläche ausfüllen. Jetzt, Anfang März, zeigen bereits die ersten Scilla siberica Blüten, etwa einen Monat früher als gewöhnlich. Eigentlich sollen sie Crocus tommasinianus in der Blüte ablösen. Der Scillablüte wiederum wird, mit Abstand, wenn das Jahr einigermaßen planmäßig verläuft, die gelbe Blüte des Pfennigkrauts, Lysimachia nummularia folgen.

Alle heiklen Gehölze aus dem Süden haben diesen Winter natürlich bestens überstanden. Von der Zistrose Cistus laurifolius ist das auch in kälteren Wintern zu erwarten. Diesmal schafften es aber auch eine rötlich blühende Zistrose, vielleicht ist es Cistus creticus, (mit 3 Fragezeichen, die bei geschenkten namenlosen Pflanzen immer angebracht sind). Im Wald steht eine Mahonia bealii in prächtigem Grün und voller Knospen. Bei etwas mehr Wärme wird sie blühen und wunderbar duften. Im Weingarten wächst ein Poncirus trifoliatus, eine normaler Weise laubabwerfende Citrusverwandte. Diese „Bitterorange“ hat ihr Laub während des Winters behalten!

Alle „Erfolge“ oder Besonderheiten nach diesem Winter sollte man nicht etwa direkt der Klimaveränderung in die Schuhe schieben. Erinnert sei an den vorigen Winter, der hart war und nicht enden wollte. Indirekt freilich können solch starke Ausschläge schon mit dem Klimawandel zu tun haben, so wie die Zunahme heftiger Stürme und Orkane. Nur können wir im Garten nicht darauf vertrauen, dass die Winter in Zukunft immer so mild ausfallen. Es reicht ja schon eine kurze Dauerfrostphase oder eine Nacht mit –20° C. und die Hoffnung, z.B. eine Rosmarinhecke bei uns pflanzen zu können oder Japanische Hanfpalmen auf Dauer am Leben halten zu können schmölze dahin. Ja, es ist nicht einmal ausgeschlossen, dass besonders harte Winter als Folge der Klimaerwärmung auftreten. Auf jeden Fall kann man sich auf die Witterung und den Witterungsverlauf nicht mehr verlassen. Und das erschwert den Umgang mit Stauden und Gehölzen erheblich!


Text und Fotos: Christian Seiffert