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Edler englischer Klerus – die neuen Dahlien

Dahlien: Gibt es etwas altbackeneres, biedereres als Dahlien? Oder „Georginen“, wie man sie zur Gründerzeit nannte. In den Gärten unserer Urgroßeltern standen sie in langen Reihen am Zaun neben Kartoffeln und Bohnen, mit schweren, kindskopfgroßen Blüten: gibt es etwas Altbackeneres?!

Solche Großmutterdahlien habe ich nicht. Ich habe aber durchaus die modernen Dahlien mit dem schicken schwarzroten Laub und den ungefüllten Köpfen. 'Bishop of Dover' heißt eine von ihnen, und durch diese Dahlien lernte ich, dass offenbar auch Canterbury, Oxford, York, Leicester und Llandaff Bischofssitze sind (die letzteren spricht man übrigens, das weiß ich aus berufenem britischem Munde, „Liester“ und „Clandaff“). Was mir so an ihnen gefällt, sind neben dem attraktiven dunklen Laub vor allem die edlen Blumen mit ihrer natürlichen, klaren Korbblütler-Form.

Die Dahlien sind ursprünglich ein Geschenk Mittelamerikas, und wenn wir auf diesen fremdländischen Latinas auch keine spezialisierten heimischen Wildbienen erwarten dürfen, so sind doch Massen von Honigbienen, Hummeln und Tagpfauenaugen stets fotogen darauf anzutreffen.

In meiner ersten Euphorie habe ich die Knollen mühevoll im Gewächshaus in Töpfen vorgetrieben. Jetzt ramme ich einfach die noch im Tiefschlaf befindlichen Knollen Mitte Mai in die Erde, auch dann stehen sie von Juli bis Oktober in voller Blüte. Und dann gieße und dünge ich sie, damit sich die Knollen üppig vermehren. Denn ich will im nächsten Sommer noch mehr!


Text und Fotos: Michael Schwerdtfeger