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Dufterlebnisse und Überraschungen im jamlitzer Erstfrühling

Der Beginn des Erstfrühlings, von den Phänologen mit der Blüte der Forsythien und der Duftveilchen markiert, fiel in Jamlitz in die zweite Aprilwoche. Trockenes und sehr warmes Wetter (bis 28° C) beschleunigten die Entwicklung im Garten aber derartig, dass man mit den Beobachtungen kaum nachkam.
Ich muss wieder einmal auf die Duftveilchen zu sprechen kommen. In Jamlitz sind sie Wildstauden, die überall, an nicht zu sonnigen Stellen an Treppen, an Mauern, am Waldrand, unter Gehölzen üppig blühten. In den letzten Jahren erhielten sie aus Illertissen neue Partner, und wir waren neugierig, wie die sich in diesem Veilchen-Dorado verhalten würden.
Sehr früh, überhaupt als erste blühte die Sorte 'Donau'. Große dunkelblaue Blüten stehen über dem Laub. Die Sorte vermehrt sich gut vegetativ. Ob Sämlinge, gar reinerbig, auftauchen werden, ist abzuwarten.

Eine positive Überraschung war die hellblaue Sorte 'Wismar'. Vielleicht im Duft nicht ganz so intensiv, fiel sie doch durch eine besonders üppige, reiche Blüte auf.
Ganz im Verborgenen fand ich, zum Glück war das Schild nicht verloren gegangen, ein einsames Veilchen mit weißer, leicht violetter Blüte. War es die Ungunst des Standortes, oder sortenbedingt, die Sorte 'Mme Armandine-Pages' hatte sich nicht vermehrt. Ich hoffe aber, dass das in diesem Jahr nachgeholt wird, denn der Duft diese Dame ist wunderbar: Blumig-lieblich, herb und würzig.

Leider war die Veilchen-Lust innerhalb einer Woche beendet. Dafür aber gab es neue Freuden. Die normaler Weise bei uns in den Gärten stehenden Narzissen sind ursprünglich Bewohner mehr oder weniger feuchter Wiesen. Entsprechend gedeihen sie üppig im Halbschatten, auf frischen bis feuchten Flächen in gut gedüngtem Boden.
Mit solchen Narzissen durfte ich mich von vorn herein nicht einlassen. Aber es gibt viele sonnenliebende, trockenheitsverträgliche Arten und von diesen interessante Gartenformen.

Von den Engelstränen-Narzissen, Narcissus triandrus, zu Haus in Portugal, Spanien und Frankreich, bewähren sich 2 Sorten hervorragend: 'Thalia', trägt mehrere Blüten an einem Stiel, ganz in weiß. Diese Sorte hat vegetativ zugelegt, die winterliche Kälte hat ihr nicht geschadet. Beim Duft teilen sich die Meinungen. Bei mir stellt sich der so häufig vorkommende Pferdestallgeruch ein, andere Menschen sind entzückt!
Eine andere "Engelsträne" ist die Sorte 'Hawera'. Sehr zierlich, ganz in Gelb, nicht so vital, aber wunderbar duftend: blumig-lieblich, frisch.

Zu Füßen einer Rosa centifolia steht eine dritte Wärme und Trockenheit vertragende Narzisse: Narcissus x odorus. Zierlich, gelb und gefüllt zeigt sie Eigenschaften ihrer beiden Eltern. Das sind Narcissus pseudonarcissus und Narcissus jonquilla. Von diesem Elternteil hat sie auch den Duft, der sehr intensiv ist.

Unvorstellbar, aber im Trockenrasen der Nachbarin wachsen nicht nur äußerst widerstandfähige Kokardenblumen, Gaillardia aristata, sondern Dichternarzissen, die mein besonderes Interesse finden.
Sie standen während meiner Kindheit in unserem jamlitzer Garten. Sie blüht erst im Mai und übertrifft sämtliche von mir je gerochenen Narzissen. Eine ganz schwache Ahnung bekommt man von diesem Duft, wenn man an der sehr viel früher blühenden 'Actaea' riecht, einer Hybride. Die jamlitzer Narcissus poeticus Auslese muss unbedingt vermehrt und verbreitet werden!

Kommen wir zu den Tulpen: Bislang war mein absoluter Duftfavorit die Tulipa polychroma. Unter den sehr früh blühenden Tulpen wird sie das auch immer bleiben. Etwas später in der zweiten Hälfte des Erstfrühlings gab es aber eine neue Sensation und Überraschung. Das kam so: Sehr spät im Jahr schenkte mir Dieter Gaissmayer eine Tüte mit Zwiebeln der Weinbergstulpe. Bislang waren alle Versuche damit gescheitert und ich war auch diesmal nicht sehr hoffnungsvoll. Im November steckte ich die Zwiebeln in meinen „Versuchsacker“, eine Naturlandschaft, in der Pflanzen kommen und gehen, ein von Jahr zu Jahr sich veränderndes Bild. In diese trockenrasen-ähnliche Fläche war Euphorbia cyparissias 'Fens Ruby' hinein gewachsen und blühte in der 3. Aprilwoche. Mit den Weinbergstulpen hatte ich nicht gerechnet. Und als dort höhere Tulpen ihre Knospen zeigten, erwartete ich irgend eine Tulpe, nur nicht Tulipa sylvestris. Dann, an einem Nachmittag öffneten sich die Blüten der Weinbergstulpen. Ein wunderbares Schauspiel, die intensiv-gelben Blüten zwischen der Wolfsmilch (siehe Bild ganz oben). Als geradezu erschütternd schön stellte sich der Duft dieser Tulpen heraus: Nur ein Hauch des typischen Tulpenduftes, dazu aber ein blumig-lieblicher aber auch herber und würziger Akzent. Das alles erinnerte fast an den Duft der Madonnenlilien.

Der Erstfrühling endet erst mit den ersten Apfelblüten. In Jamlitz waren die Süßkirschen am blühen und in den feuchten Niederungen des Spreewaldes die Traubenkirschen, Prunus padus. Die ersten Rapsfelder zeigten Gelb und unter den Nussbäumen vor unserem Haus trieben die Epimedien diesmal besonders üppig aus und blüten.


Text und Fotos: Christian Seiffert