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Drei Rosen am selben Platz

Rosengärtner raten davon ab, Rosen dort zu pflanzen, wo zuvor auch schon Rosen wuchsen. Die Rosen scheiden durch ihre Wurzeln Stoffe aus, die von nachfolgenden Artgenossen offenbar nicht vertragen werden. Sie kümmern dann vor sich hin oder gehen gar gleich ein. Ich habe dennoch drei Mal eine Rose genau an den Standort einer dort zuvor gewachsenen Rose gepflanzt, und die neuen Rosen gedeihen und blühen prächtig!

Allerdings habe ich mich auch an den Rat gehalten, in solchem Fall den Boden auszutauschen. Dies mag manchem aufwendig, umständlich oder zu schwer erscheinen, doch so schlimm ist es nicht. Die Frage ist zunächst einmal: Woher die Erde zum Austausch nehmen?

Erst Apothekerrose – nun 'Rose de Resht'
Auf unserem erhöhten Staudenbeet im Hausgarten wuchs eine Apothekerrose (Rosa gallica). Die machte sich dort ganz hübsch, doch sie ist eine Wildrose, die ihre Ausläufer zwischen den Stauden trieb, und es wurden immer mehr. Also musste sie raus. Doch auf eine Rose an dieser Stelle mochten wir nun mal nicht verzichten. Nachdem ich also die Apothekerrose ausgegraben und alle ihre Ausläufer entfernt hatte, hob ich die Erde 60 x 60 x 60 Zentimeter tief aus. (Zum Glück musste ich sie nicht wegwerfen, denn wir haben ja noch einen zweiten Garten, wo sie einen neuen Platz fand). Doch wohin mit der Erde? Ich trug sie in Eimern ins Gewächshaus. Dem Boden auf den Grundbeeten tut eine Auffrischung von Zeit zu Zeit ganz gut. Ich schüttete die Erde auf der einen Seite des Beets auf einem Haufen aus und füllte den Eimer mit der Erde aus dem Gewächshausbeet. Mit dieser Erde pflanzte ich eine neue Rose. Wir hatten uns die alte Damaszenerrose 'Rose de Resht' ausgesucht. Sie ist gut angewachsen und hat sich prächtig entwickelt. Sie blüht unentwegt von Ende Mai bis Anfang September und verbreitet einen starken Duft.

Die Erde, in der vorher die Apothekerrose wuchs, habe ich auf dem Gewächshausbeet ausgebreitet und ins Beet eingearbeitet.

Erst 'Ännchen von Tharau' – nun 'Lemmon Rambler'
Vor der Terrasse in unserem Hausgarten steht ein Vogelfutterhäuschen auf einem Pfahl. An dessen Fuß hatte ich vor mehr als 25 Jahren die alte Kletterrose 'Ännchen von Tharau' aus dem Jahr 1886 gepflanzt. Auch wenn ihre zartrosa Blüten nicht immer dem Regen standhielten, hatten wir viele Jahre unsere Freude an der sehr üppig blühenden und duftenden Rose. Doch dann blühte sie immer mehr weniger, Blätter und manche Triebe wurden gelb und krank, und auch mit einem kräftigen Rückschnitt war sie nicht mehr zu verjüngen. Es war nicht leicht, den alten Wurzelstock auszugraben, der dick wie ein Balken war. Wieder tauschte ich die ausgehobene Erde gegen die aus dem Gewächshaus aus. Als neue Rose pflanzten wir 'Lemon Rambler' eine neue Züchtung von Schultheis aus dem Jahr 2014 mit zartgelben bis cremeweißen, remontierenden Blüten und gutem Duft. Die Triebe haben inzwischen eine Länge von drei Metern erreicht.

Zwei Mal 'Marie-Luise Kreuter'
Am Eingang unsere Kreativgartens hatte ich in Erinnerung an die ehemalige Herausgeberin von kraut&rüben, Marie-Luise Kreuter, die nach ihr benannte Rose gepflanzt. Die Sorte 'Marie-Luise Kreuter' stammt aus der Rosenschule Ruf. Sie ist ein Rambler mit zarten, aber stark wachsenden Trieben, die den Torbogen aus lebenden Weiden bis zur drei Meter hohen Spitze umschlingen.  Doch leider überlebte sie einen strengen Winter nicht, was wohl an ihrem nach Süden exponierten, sonnigen Standort lag. Doch ich wollte genau an dieser Stelle wieder die gleiche Rose blühen sehen, entfernte das erfrorene Exemplar, hob die Erde auch diesmal wie zuvor beschrieben aus und tauschte sie gegen Erde aus dem Gemüsebeet aus. Nun erfreut uns wieder eine 'Marie-Luise-Kreuter'-Rose Jahr für Jahr mit ihren reichlich erscheinenden, kleinen gefüllten, nach Maiglöckchen duftenden Blüten.


Text und Fotos: Wolfram Franke