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Die Liebe zum Gärtnern

Geschichten aus dem Forsthausgarten

Da kommt eine Neue daher in den Gartennotizen!
Ich freue mich sehr, mit dabei zu sein und will Sie von nun an hin und wieder mitnehmen in meinen großen Landschaftsgarten am Rande des Sollings mit Bäumen, Hecken, dem Schwimmteich, weitläufigen Staudenpflanzungen und vielem mehr. Sie sind herzlich eingeladen, mich zu begleiten bei meinen Erlebnissen, Erfahrungen und Erkenntnissen – den beglückenden, aber auch den weniger erfreulichen, auch sie gehören nun mal dazu.

Natürlich wird es übers Jahr um die unterschiedlichsten Pflanzen gehen, sind sie doch unser nie versiegendes, immer wieder von neuem begeisterndes Gestaltungsrüstzeug. Bevor ich beim nächsten Mal behaupte „Die Tulpen können nichts dafür“, will ich mich zum Einstieg mit einem Thema befassen, das vermutlich jedem am Herzen liegt, der auf diese Seiten findet:

Die Liebe zum Gärtnern

„Da haben Sie aber ein schönes Hobby!“ Ach herrje, wenn es schon so losgeht. Lange braucht man dann auf die unabwendbar folgende zweite Bemerkung nicht zu warten, die in schöner Regelmäßigkeit lautet: „Das macht bestimmt viel Arbeit“. Meist wird dann noch ein „haben Sie das gelernt?“ nachgeschoben. Da steht dann die Gärtnerin in ihrem Reich und verflucht den Umstand – zum wievielten Mal eigentlich? – immer noch keine Standardschrift angefertigt zu haben, die Antwort gibt auf diese drei offensichtlich unausweichlichen Fragen.

Zunächst einmal: Eine leidenschaftliche Gärtnerin wie ich würde ihr Tun niemals als „Hobby“ bezeichnen. Gärtnern ist eine kulturelle Tätigkeit, die sich tief und intensiv mit der Persönlichkeit der sie ausübenden Menschen verbindet, für mich ist es eher eine Lebenshaltung.

Ernst Pagels (1913-2007), Schüler und Weggefährte von Karl Foerster und ebenfalls eine der ganz großen Gartenpersönlichkeiten des letzten Jahrhunderts, sagte einmal: „Wir kleinen Gartenmenschen haben ja wohl nicht die Möglichkeit, den desolaten Zustand der Welt zu ändern, aber die kleine Möglichkeit, der zunehmenden Zerstörung und Hässlichkeit der Welt die Schönheit unserer Pflanzen entgegenzusetzen, ist uns gegeben“.

Pagels betrachtete die Natur als klugen Lehrmeister, das prägte auch seine Methode des Züchtens. Er wehrte sich sogar gegen dieses Wort: „Wer züchtigt, der stellt sich über jemanden. Ich bin aber nur Teil von etwas, durch Züchtigung schafft man keine charakterstarken Persönlichkeiten – aber genau das sollen ja meine Stauden sein!“. Pagels war ein hervorragender Pflanzenkenner, ausgestattet mit einem begnadeten Auge und untrüglichem Gefühl für das Potential seiner Schützlinge. Geduldig beobachtete er und „fand“ so neue Auslesen, die seinen strengen Kriterien genügten. Von den etwa 150 Stauden-Sorten, die er einführte, erlangten viele Weltruhm und finden sich noch heute in den Staudenkatalogen auf der ganzen Welt.

„Ich bin aber nur Teil von etwas“, damit verrät uns Pagels viel über das Geheimnis der Liebe zum Gärtnern. Bescheidenheit und Demut klingen da an, Begriffe, die ein wenig aus der Mode gekommen sind. Aber ist es nicht so, dass sie im Garten heute wie damals zum Grundvokabular gehören? Denn hier kann man nicht „herrschen“. Auch wir Gestaltenden sind eben „nur“ Teil eines mehr oder weniger gelingenden Dialogs und in ständigem Fluss befindlichen Prozesses mit all seinen mal beflügelnden, mal beschränkenden Faktoren. Aber warum eigentlich „nur“? Wir Gartenleute sind es schließlich, denen die Freude des Komponierens und Dirigierens zukommt und also auch das Glück, sich zu spiegeln in unserm Tun.

Kein Gartenbesuch geht zu Ende, ohne die immer gleiche Frage nach der vielen Arbeit, die so ein großes Gelände doch sicher mit sich bringt. „Oh ja“ antworte ich dann regelmäßig gut gelaunt, „natürlich macht ein Garten Arbeit, wie soll es denn anders gehen? Eine inspirierende, Zufriedenheit schaffende Arbeit übrigens, selbstgewählt und gern getan. Gerade die Arbeit ist es doch, die eine lebendige (Ver)bindung zum Organismus Garten schafft“, versuche ich zu erklären. Und ist es nicht so, dass man nirgendwo besser als im Garten, friedlich vor sich hin buddelnd, die großen und kleinen Dinge des Lebens wunderbar durchdenken und in sanftem Strom an sich vorüberziehen lassen kann?

Tja, und meist wird dann noch das unvermeidliche „haben Sie das gelernt?“ nachgeschoben. Natürlich steht hinter jedem schönen Garten ein gestaltender Mensch, keinesfalls aber ist sein Gelingen Profis vorbehalten. Das Wissen, das es braucht, sein ganz persönliches Gartenglück zu erschaffen, kann jeder erlangen. Ausgelernt hat man allerdings nie. Denn nur wer lernt, ist auf dem Weg, und der Weg ist auch im Garten das Ziel!

Für heute macht die Gärtnerin Feierabend – bis zum nächsten Mal!


Text und Fotos: Angelika Traub