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Der Spätherbst – die Chrysanthemen

Schön, wenn man das Herbstlaub liegenlassen kann, dort wo es hinfällt. Aber im öffentlichen Bereich an der Straße und unter den Nussbäumen musste es entfernt werden. 12 Schubkarren voll kamen in den Wald und sollen dort zu Lauberde werden. Bei der relativen Trockenheit und dem hohen Anteil von Walnusslaub dauert das ziemlich lange!

Wenn das Laub fällt, ist Spätherbst angesagt. Diese Jahreszeit endet, wenn man mit dem Spaten nicht mehr in den gefrorenen Boden kommt. Bis dahin dauert es aber noch einige Zeit. Denn jetzt, Mitte November, ist eine Warmfront bis hierher vorgedrungen. Sogar die Sonne scheint.

Und nun endlich ist die Zeit der Chrysanthemen gekommen. Nachdem zunächst zu befürchten war, dass sie ein Opfer des Frostes werden bevor sie blühen, ist nun wieder alles im Lot. 'Bienchen', 'Rehauge', 'Poesie', 'L’Innocence', das hübsche 'Julchen' und die Japanerin 'Mai-Kyo' fangen nun endlich zu blühen an.

Im Frühjahr neu gepflanzt, in sandigen Kompost mit etwas Tonmehl und Hornspänen, haben sich die Chrysanthemen zu großen Büschen entwickelt. Wären sie nicht Spätherbstblüher, die Gartenschauplaner würden sich alle Finger nach den "schnellen" Chrysanthemen lecken. So aber beginnt die Blüte immer erst, wenn die Tore der Gartenschauen geschlossen sind.

Etwas anderes hat mich in den letzten Tagen sehr beschäftigt: Die Schlucht. Als mein Großvater 1905 das Grundstück kaufte, verlockte ihn die Schlucht am allermeisten. Diese eiszeitliche Senke, ca. 40 m lang, bis 14 m breit und bis 4m tief war und ist mit schönen mehrstämmigen Kiefern bewachsen. Aber wie das so ist, für viele Leute ist so eine Senke ein Loch, und ein Loch ist dazu da, gefüllt zu werden. Der Baumeister, der meinem Großvater das Haus baute, wollte den Kelleraushub da gleich hinein versenken und hätte so fast den Bauauftrag verloren.

Als ich jetzt die Schlucht wieder einmal in Augenschein nahm, stellte ich fest, dass die Senke weiteren Untaten zum Opfer gefallen ist. Müll, Flaschen, Plastik, Bauschutt, Schrott liegen am Grunde. Freilich gut getarnt durch die massenhaft vorkommenden Schneebeeren, Symphoricarpos albus, und hunderte von Spitzahorn-Sämlingen. Als ich die rodete, herausriss, kam der ganze Müll zum Vorschein.

Sieht man vom Müll ab, der sich mit einigem Aufwand beseitigen lässt, entsteht nun eine Talsohle mit einer 12 cm starken Schicht aus Nadel- und Laubmull. Darunter leicht humoser Sand. Zu überlegen ist nun, was dort zu pflanzen wäre. Für Farne ist der Standort zu trocken. Allein der Adlerfarn würde es schaffen. Da er aber genau so hemmungslos wuchert wie die Schneebeeren, käme ich vom Regen in die Traufe. Erstaunlich, dass im Wald seit kurzem Eiben-Sämlinge in größerer Stückzahl vorkommen. Genauso Mahonien, Mahonia aquifolium. Die Eiben und Mahonien werden offensichtlich durch Vögel verbreitet. Aus dem bayerischen Garten haben wir Buchs-Sämlinge mitgebracht, die unter den Kiefern im trocknen Sand sehr gut vorankommen. Am Rande bemerkt: Frei wachsende Buchsbäume bilden reichlich Samen und haben eine Menge Nachwuchs!

Als erfolgreich hat sich auch die Ansiedlung von Immergrün herausgestellt, sowohl Vinca minor, wie Vinca major. Auf dem Wunschzettel stehen aber vor allem ein paar winterharte Camelien, Stechpalmen und sommergrüne Azaleen, z. B. Rhododendron luteum und Rhododendron dauricum. Mit diesen Wunschzettelgehölzen bewege ich mich allerdings sehr am Rande des Machbaren. Das Klima in Jamlitz ist ziemlich kontinental. Zugute kämen diesen Gehölzen allerdings der Schatten unter den Kiefern und eine gewisse sommerliche Kühle in der Schlucht.

Was die Stauden anbelangt, so muss mit viel Schöllkraut Chelidonium majus gerechnet werden. Ist der Frühsommer einigermaßen feucht, leuchtet der ganze Wald gelb. Am westlichen Rande der Schlucht haben sich Scilla siberica ausgebreitet, ergießen sich wie ein Wasserfall nach unten. Und wo noch genügend Sonne hinkommt, gedeiht die Knoblauchrauke Alliaria petiolata prächtig.


Text und Fotos: Christian Seiffert